Pete Hegseth säubert das Pentagon – und sieht sich selbst zu Höherem berufen
Pete Hegseth lässt sich nicht beirren. In Washington schwillt die Kritik am Führungsstil des amerikanischen Verteidigungsministers zwar immer lauter an. Und selbst sein direkter Vorgesetzter, Präsident Donald Trump, soll sich kürzlich besorgt über die Säuberungswelle an der Spitze der Streitkräfte gezeigt haben, die Hegseth angeordnet hatte. Der Pentagon-Chef aber, der sich selbst gerne «Kriegsminister» nennt und mit seiner körperlichen Fitness prahlt, glaubt weiter an seine Mission.
Freund von Vizepräsident Vance verliert Machtkampf
Das Trump-Lager findet das grundsätzlich gut. Hegseth sei eine dynamische Führungskraft, der es in den vergangenen 19 Monaten gelungen sei, die Streitkräfte auf Vordermann zu bringen, heisst es im Weissen Haus. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger lege der Pentagon-Chef den Fokus auf die Einsatzfähigkeit des Militärs – und nicht auf gesellschaftspolitische Nebenschauplätze. «Er ist ein fantastischer Typ», sagte der Präsident diese Woche über Hegseth.
Aber auch dem Weissen Haus ist nicht entgangen, dass die Fluktuation im Verteidigungsministerium ausserordentlich hoch ist. Zuletzt schmiss Dan Driscoll den Bettel hin, als Zivilist innerhalb der Pentagon-Bürokratie für das Heer verantwortlich. Der Vertraute von Vizepräsident JD Vance hatte zuvor einen Machtkampf verloren, der sich auch um kontroverse Personalentscheidungen Hegseths drehte.
So schickte der Minister kürzlich den Vier-Sterne-General Randy George abrupt in den Ruhestand. George, der zuletzt als Heeres-Stabschef tätig gewesen war, fiel angeblich in Ungnade, weil er intern Kritik an einem Publicity-Stunt des Pentagons deponiert hatte. Er gab eine Untersuchung in Auftrag, nachdem zwei Apache-Helikopter des Heeres im März unbefugterweise über das Anwesen des Musikers Kid Rock in der Nähe von Nashville (Tennessee) geflogen waren.
Kid Rock, ein Fan von Trump, zeigte sich begeistert über diese private Flug-Show; der Army-Stabschef aber sah darin einen Verstoss gegen Vorschriften. Hegseth wollte davon nichts wissen. Er stoppte die Untersuchung mit dem Verweis, dass die fliegenden «Patrioten» der 101st Combat Aviation Brigade nichts falsch gemacht hätten. Anfang April trennte er sich dann von General George.
Das war kein Einzelfall. Pentagon-Beobachter sagen, dass rund 10 Prozent des Führungspersonals in den Streitkräften von Hegseths Säuberungswelle betroffen seien. Der Verteidigungsminister weigere sich, mehr als 80 Generäle und Admirale zu befördern, schrieb die «New York Times» diese Woche. Im Visier von Hegseth befinden sich dabei vor allem weibliche Führungskräfte und Offiziere mit dunkler Hautfarbe.
Im Iran stösst die US-Armee an ihre Grenzen
Diese Vendetta wirke sich nicht nur negativ auf die Moral in den Streitkräften aus. Auch vernachlässige Hegseth seine eigentliche Kernaufgabe: die Modernisierung einer Armee, die trotz teurem Kriegsmaterial und 1,3 Millionen Menschen in Uniform an ihre Grenzen stösst. So dauert der Krieg gegen den Iran an, weil den Amerikanern das richtige Rezept gegen die Drohnen-Attacken des iranischen Regimes fehlt.
Kurz vor seinem Abschied aus dem Pentagon soll Dan Driscoll noch einmal bei Trump vorgesprochen haben. Der Präsident sei über die Missstände im Verteidigungsministerium überrascht gewesen, meldete daraufhin «The Atlantic». Bisher aber gibt es keine Anzeichen dafür, dass Trump seinem ambitionierten Pentagon-Chef die Flügel stutzen will.
Entsprechend selbstbewusst gibt sich Hegseth. Jüngst soll der Republikaner mit Vertrauten gar laut über eine Kandidatur bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2028 nachgedacht haben, meldeten Medien in den vergangenen Tagen. Hegseth dementierte umgehend. Aber in der amerikanischen Hauptstadt ist man sich einig darüber, dass der 46 Jahre alte Ex-Soldat sich zu Höherem berufen fühlt.
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