Streit, Entlassungen, Rücktritte: Was ist los in Hegseths Pentagon?
Streit, gegensätzliche Ansichten, Gerüchte: Unter Verteidigungsminister Pete Hegseth häufen sich im Pentagon sich die Personalabgänge. Neuestes Beispiel: Der für das US-Heer zuständige Staatssekretär Daniel Driscoll.
Driscoll hatte zeitweise eine Schlüsselposition bei den internationalen Verhandlungen zum Ukraine-Krieg inne. Und er gilt als Vertrauter von JD Vance. Doch jetzt ist laut Medienberichten Schluss, er reichte demnach seinen Rücktritt ein. Warum gibt es im Verteidigungsministerium so viel Unruhe, während die USA mitten im Iran-Krieg stecken?
Schon länger brodelt es im Pentagon, die Rücktritte und Entlassungen häufen sich. Einige Beispiele:
- Nach nur 18 Monaten wurde Anfang Juli der hoch angesehene General Christopher Donahue als Befehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika mit Sitz in Wiesbaden geschasst.
- Mitten in der Seeblockade der Strasse von Hormus im Iran-Krieg wechselte im April die US-Regierung ihren für die Marine zuständigen Staatssekretär aus. John Phelan, früher Investmentbanker, hatte den Posten im März vergangenen Jahres angetreten. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag unter anderem bei der Stärkung des Schiffbaus sowie der maritimen Industrie.
- Anfang April trat der Stabschef des US-Heeres, General Randy George, zurück - also mitten im Iran-Krieg. Er soll zum Rücktritt aufgefordert worden sein.
Durch die Abgänge gerät Hegseth selbst immer mehr in den Fokus. Der frühere Moderator bei US-Präsident Donald Trumps Lieblingssender Fox News bezeichnet sich selbst als «Kriegsminister»; er beschwört das Kriegerethos im US-Militär und präsentiert Militärschläge gegen Drogenboote in der Karibik oder gegen den Iran mit Videoaufnahmen auf der Plattform X.
Doch nun häufen sich die Abgänge in seinem Ministerium. Manche Militärs sollen laut Medienberichten zum Rücktritt gedrängt worden sein. Die Zeitschrift «Atlantic» schrieb, dass er Dutzende Karrieren im Militär beendet habe.
Nicht genug Ehrerbietung für Hegseth?
Gründe für die Abgänge werden vom Pentagon keine genannt. Medien berichteten im Fall von Randy George, dass Hegseth Leute in den Spitzenposten wolle, die die Vision umsetzten, die US-Präsident Donald Trump und Hegseth für das Heer hätten. Im Mai 2025 hatte Hegseth die Losung ausgegeben, dass er die Zahl der Vier-Sterne-Generäle und Admiräle im Pentagon um mindestens 20 Prozent reduzieren wolle. Dadurch werde unnötige Bürokratie abgebaut.
Im jüngsten Fall zeichnet sich ab, dass es zwischen Driscoll und Hegseth immer wieder geknirscht hatte. Driscoll war für das Heer zuständig - konkret für Operationen, Modernisierung und Ressourcenzuteilung für fast eine Million Soldaten, Nationalgardisten und Reservisten, wie es auf der Webseite des US-Militärs heisst.
Die «Washington Post» schreibt, dass sie sowohl beruflich als auch persönlich aneinander geraten seien. Demnach sollen gegensätzliche Ansichten zu der Entlassung hochrangiger Generäle eine Rolle gespielt haben. Zudem soll der Staatssekretär aus Sicht Hegseths ihm gegenüber nicht die angemessene Ehrerbietung gezeigt haben, wie die Zeitung weiter schreibt. Sie beruft sich auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien. Eigentlich hatte Driscoll gute Startbedingungen: Er kennt Vizepräsident JD Vance näher, die beiden lernten sich an der Uni kennen. Doch das half ihm nicht.
Laut «Atlantic» fungierte Driscoll zeitweise als Gegengewicht zu Hegseths Impulsen. Mit dessen Ausscheiden gerate das Pentagon nun noch stärker unter die Kontrolle des Verteidigungsministers. Vermutlich wird Hegseth jemanden auf den Posten setzen, der mehr auf seiner Linie ist. Die Frage, die bleibt ist, ob Hegseth weiterhin den vollen Rückhalt von Präsident Trump bei seinem Entlassungskurs geniessen wird oder ob er irgendwann an einen Punkt kommen wird, an dem es für ihn selbst gefährlich werden könnte. (dpa)
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