Trumps Ära ist zu Ende – wegen eines entscheidenden Fehlers
Als sich der überwältigende Wahlsieg der Demokraten am Dienstag abzeichnete, da zogen in der texanischen Hauptstadt Austin Tausende spontan auf die Strasse. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und schwenkten die Fahne des «Lone Star State». Ein Aktivist kommentierte online: «Austin klingt wie eine osteuropäische Stadt, die gerade einen Diktator gestürzt hat.»
Das mag übertrieben klingen. Aber wahr ist eben auch, dass es den Demokraten letztmals im vergangenen Jahrhundert gelungen war, im zweitgrössten Bundesstaat eine wichtige Wahl zu gewinnen. Nun werden sie in der einstigen Hochburg der Republikaner nicht nur die Gouverneurin stellen. Die Texaner schicken mit James Talarico auch einen Senator nach Washington, der die Zeitenwende verkörpert, die Amerika am Dienstag durchgemacht hat.
Denn Talarico ist das pure Gegenteil des nach wie vor wichtigsten Politikers im Land. Wo der 80 Jahre alte Donald Trump laut ist, da schlägt der 37 Jahre alte Senator in spe leise Töne an. Wo der Präsident ständig mit seinen tatsächlichen oder erfundenen Verdiensten prahlen muss, da gibt sich Talarico bescheiden und zitiert nötigenfalls einen Bibelvers.
Dieser Linie blieb Talarico auch im Wahlkampf treu, obwohl die Republikaner ihn mit Beleidigungen überschütteten. Er sprach über die Themen, die den Wählern wichtig sind: über die hohen Lebenshaltungskosten, den Iran-Krieg und den Sittenverfall in der Republikanischen Partei.
Selbst Trump scheint zur Kenntnis genommen zu haben, dass er mit seinem konfrontativen Stil in den vergangenen zwei Jahren die Amerikaner vor den Kopf gestossen hat. Er kommentierte das Wahlergebnis diese Woche mit den Worten: «Das Land hat genug.» Die Wähler wollten, dass sich Demokraten und Republikaner zusammenraufen, fügte er hinzu.

Solche Ansagen des Präsidenten sind mit Vorsicht zu geniessen. Trump hat schon mehrmals versprochen, die tiefe gesellschaftliche und politische Spaltung im Land überwinden zu wollen. Auch ist es unklar, wie er reagieren wird, wenn sich die Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat nicht an seinen Ratschlag halten und die meisten Vorschläge der Republikaner ignorieren.
Aber seine Handlungsspielräume sind nach dem Wahltag kleiner geworden. Die Amtszeit des Präsidenten läuft bereits in zwei Jahren ab, und die Bewegung, die er 2015 begründete, befindet sich im Zerfall.
Unter dem Banner «Make America Great Again» konnte Trump noch vor kurzem schwerreiche Wirtschaftsbosse herumkommandieren und einzelne Weltgegenden mit spontan geäusserten Drohungen einschüchtern. Damit dürfte es spätestens im kommenden Jahr vorbei sein, auch wenn der Präsident das nicht wahrhaben will. Die Ernennung seines Beraters Stephen Miller zum neuen Stabschef des Weissen Hauses ist jedenfalls keine konziliante Geste.
Die ersten Republikaner wagten sich in der vergangenen Woche aus der Deckung, um Trumps Programm offen zu kritisieren. Je näher der Wahltermin im Jahr 2028 rückt, desto mehr Parteifreunde werden auf Distanz gehen — und davon wird nicht nur die politische Arena betroffen sein, sondern auch der Kulturbetrieb und die Medienwelt. Influencer merken häufig schneller als Politiker, wenn sich die Stimmung dreht.
Trumps Bewegung lebte davon, dass sich viele Bevölkerungskreise in Washington nicht mehr vertreten fühlten. Der Präsident gab ihnen eine Stimme, und sie dankten es ihm. Das machte diese Wähler aber nicht automatisch zu Ideologen.
Das ist die zentrale Botschaft des Wahlergebnisses in der vorigen Woche: Die US-Bevölkerung sehnt sich nach Politikern, die ihre Sorgen ernst nehmen. Trump hat die hohen Erwartungen nicht erfüllt, die er schürte, und wurde dafür abgestraft. Nun bietet sich den Demokraten eine neue Chance.
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