Das Hass-Duell, das Trump retten könnte: Kostet dieser Mann die Demokraten den Wahlsieg?
Abdul El-Sayed könnte die Demokraten einen Senatssitz kosten, den sie seit Jahrzehnten halten. Der Arzt und linke Hoffnungsträger polarisiert selbst in den eigenen Reihen. Dabei stehen die Chancen für die Demokraten bei den Midterms landesweit gut. Ausgerechnet in Michigan aber, wo die Republikaner seit rund 32 Jahren keine Senatswahl mehr gewonnen haben, zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.
Grund dafür ist, dass die Demokraten mit der Nominierung von Abdul El-Sayed auf einen riskanten Kandidaten gesetzt haben. Der 41-jährige Arzt vertritt dezidiert linke Positionen, die viele Wechselwähler zu verschrecken scheinen. So fordert er unter anderem die Abschaffung der Einwanderungsbehörde ICE, ein Ende der militärischen US-Hilfe für Israel und kostenlose medizinische Behandlungen für alle. Fast noch mehr Kritik zieht El-Sayed allerdings wegen seines Umfelds auf sich.
Der Demokrat mit ägyptischen Wurzeln trat im April und im August mit dem israelkritischen Influencer Hasan Piker auf, der schon mehrfach erklärte, die USA hätten die Anschläge vom 11. September 2001 «verdient». Nach einem Angriff auf eine Synagoge sorgte El-Sayed zudem mit der Aussage «Verletzte Menschen verletzen andere Menschen» für Empörung. Kritiker warfen ihm vor, die Tat damit zu relativieren.
Hinzu kommen Vorwürfe über angebliche Verbindungen zur extremistischen Muslimbruderschaft. So behauptete seine Halbschwester in einem alten Tweet, die gemeinsame Mutter habe sich in den Siebzigerjahren für die Organisation engagiert.
Er könnte der erste muslimische Senator werden
El-Sayed bestreitet zwar jegliche Verbindung zur Muslimbruderschaft und verweist darauf, dass er nach der Scheidung seiner Eltern bei seinem Vater und seiner Stiefmutter aufgewachsen sei und mit seiner leiblichen Mutter nie über die Organisation gesprochen habe. Aus Sicht seiner Kritiker tut er das allerdings zu wenig deutlich. Auch zu einer Distanzierung von Hasan Piker rang sich El‑Sayed erst spät durch.
Entsprechend bestimmt das Thema mittlerweile den Wahlkampf massgeblich mit. Für Donald Trump und seinen handverlesenen Kandidaten in Michigan – den früheren FBI-Agenten Mike Rogers – sind die Vorwürfe ein gefundenes Fressen. Der US-Präsident schimpfte El-Sayed letztens als «Dschihadisten». Er nennt El-Sayed seit vergangener Woche auch nur noch «Mohamed El-Sayed», spricht ihn also mit dessen Zweitnamen an, womöglich um unterschwellig Ressentiments bei den Wählern zu bespielen. Dass das funktionieren kann, zeigen nicht nur die immer enger werdenden Umfragen. In den USA gab es nämlich noch nie einen Senator mit bekennendem muslimischem Glauben, El-Sayed wäre der erste.

Dass die republikanischen Angriffe auf El-Sayed verfangen, hat allerdings noch weitere Gründe. Schliesslich hinterliessen schon die demokratischen Vorwahlen tiefe Gräben. El-Sayed setzte sich im August in einem erbitterten Duell knapp gegen die moderate Kongressabgeordnete Haley Stevens durch, die von einflussreichen Parteifreunden in Washington unterstützt wurde.
Die Kunst, den Gegner schlecht zu reden
El-Sayed trägt aber auch selbst zur aufgeheizten Stimmung mit bei. Er kritisiert Rogers etwa wegen dessen Wahlkampfspenden heftig und verspottet diesen öffentlich. Rogers wiederum stellt immer wieder El-Sayeds Glaubwürdigkeit infrage. Der frühere FBI-Agent bezeichnete seinen Gegner schon als «Betrüger» und erklärte, er erkenne einen «Hochstapler», wenn er einen sehe.
In einer TV-Debatte gerieten die beiden sogar über ihre Mütter aneinander. als Rogers behauptete, El-Sayeds Mutter habe Extremisten unterstützt. «Jetzt greifst du meine Mutter an», entgegnete El-Sayed. Rogers hielt dagegen, seine eigene Mutter habe für eine örtliche Handelskammer gearbeitet. Auch Moderator Rick Albin kam kaum dazwischen. «Ich würde auch gerne an der Debatte teilnehmen», sagte er entnervt. Selbst während der Werbepause stritten die Kandidaten weiter. So etwas habe er in 30 Jahren als Debattenmoderator noch nie erlebt, erklärte Albin anschliessend.
So richtig glücklich scheinen weder die Demokraten noch die Republikaner mit ihrem Kandidaten zu sein. In Michigan ist bei Wählerbefragungen in diesem Jahr deshalb erstaunlich oft von einem «Pest-und-Cholera»-Duell die Rede. Falls viele Wähler der Demokraten zu Hause bleiben, könnte davon ausgerechnet der unbeliebte US-Präsident Donald Trump profitieren. Denn wenn es knapp wird, könnte der Ausgang der Wahl in Michigan darüber entscheiden, wer die Kontrolle über den Senat gewinnt.
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