Trump lanciert eigenen KI-Chatbot und der widerspricht ihm ganz schön oft
Am Dienstag hat US-Präsident Donald Trump eine neue KI-Anwendung vorgestellt, die US-Bürgerinnen und US-Bürgern dabei helfen soll, Informationen über die Regierungs- und Behördenarbeit schneller zu finden.

Der Chatbot nennt sich selbst ganz unbescheiden «America» und ist über diese Internetseite gratis abrufbar. Trump erklärte, die Anwendung sei der «Eingang für jede nur erdenkliche Frage» und «verdammt gut». Er bewarb den Chatbot wie folgt: «Mit America.gov passt die ganze Regierung in eine einzige Handfläche.»
Die «New York Times» hat den KI-Chatbot ausprobiert. Was die Zeitung dabei herausgefunden hat, dürfte Trump weniger gefallen. Die KI widerspricht Trump nämlich in einigen essenziellen Punkten.
Ein paar Beispiele:- Trump wird nicht müde, zu betonen, die Präsidentschaftswahl 2020, bei der er dem Demokraten Joe Biden unterlag, sei manipuliert gewesen. Die KI «America» hingegen hält gemäss «New York Times» fest, dass Wahlen in den USA sicher und fair und Wahlbetrug vernachlässigbar seien.
- Unter seinem Vorgänger Joe Biden seien 25 Millionen Migranten und Migrantinnen in die USA eingewandert, behauptet Trump. Das ist falsch, hält Trumps eigene KI fest.
- Trump behauptet, dass er es geschafft habe, in seiner zweiten Amtszeit die Preise für Produkte des täglichen Lebens zu senken. Tatsächlich ziehe die Inflation und damit die Preise für Konsumgüter an, widerspricht die KI.
Auch watson hat die Probe aufs Exempel gemacht. Donald Trump hatte am selben Tag, an dem er seine KI vorstellte, sich auch zu Nordkorea geäussert – und dabei Verständnis dafür gezeigt, dass Machthaber Kim Jong Un Atomwaffen besitzen will.
watson wollte nun von der KI wissen, ob diese Haltung von Trump der offiziellen Haltung der US-Regierung entspricht. Die Antwort fällt unmissverständlich aus: «Nein, die offizielle Haltung der USA ist es, dass Nordkorea keine Atomwaffen haben sollte.»
Der Chatbot führt weiter aus, dass die USA zusammen mit Japan und Südkorea schon lange darauf drängen, dass Nordkorea komplett denuklearisiert wird. Die nuklearen und ballistischen Tests Nordkoreas würden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats (von dem die USA Teil sind) verletzen.
Ansonsten ziemlich Trump-treu
In anderen Fällen hingegen übernimmt die KI durchaus von Trump aufgestellte Behauptungen oder Narrative. Die «New York Times» stellt fest, dass die KI den «Golf von Mexiko» als «Golf von Amerika» bezeichne, so wie Trump das vorschwebt.
Und watson hat herausgefunden, dass die «America»-KI beim Zollstreit zwischen den USA und der Schweiz vollumfänglich die US-Position übernimmt, wonach die USA letztes Jahr ein Handelsdefizit von 32 Milliarden US-Dollar mit der Schweiz hatten.
Tatsächlich hatte sich Trump in der Vergangenheit immer wieder auf diese Zahl abgestützt, um seine teils horrenden Importzölle auf Schweizer Produkte zu rechtfertigen. Das Handelsdefizit in dieser Höhe kommt nur dann zustande, wenn man Dienstleistungen (wie zum Beispiel alle Anwendungen von Microsoft, Apple oder Google) aus dem Handelsvolumen ausklammert.
Die «New York Times» wollte vom Weissen Haus wissen, ob sich Trump bewusst sei, dass die eigene Regierungs-KI ihm oft widerspreche. In einem Statement hiess es darauf: «America.gov wird weiterhin Updates sowie weitere Funktionen und Quellen von der Regierung erhalten».
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