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Jetzt ist klar: US-Justiz versuchte, glaubwürdige Zeugin gegen Trump zu verheimlichen

Dutzende Zeugenbefragungen des FBI fehlen in den Anfang Februar veröffentlichten Epstein-Files, darunter solche im Zusammenhang mit Donald Trump. Dies, obwohl das US-Justizministerium behauptete, nun alle relevanten Dokumente veröffentlicht zu haben. 7 wichtige Fragen und Antworten.
Donald Trump und Jeffrey Epstein mit Model Ingrid Seynhaeve. (Bild: House Oversight Democrats)
(Bild: US-Justizministerium)

Die Kritik war schon immer da, und die Vermutungen auch: Wahrscheinlich hat das US-Justizministerium längst nicht alle Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht. Nach Untersuchungen diverser Medien, unter anderem von CNN, ist nun klar: Es fehlt eine ganze Menge.

Besonders brisant ist, dass es sich bei den fehlenden Dokumenten unter anderem um Zeugenbefragungen im Zusammenhang mit möglichen Sexualstraftaten von US-Präsident Donald Trump handelt.

Worum geht's?

US-Medien haben diverse Protokolle und Gesprächsnotizen mit den veröffentlichten Epstein-Akten abgeglichen. Ein spezifisches Beweismittelprotokoll, das damals den Anwälten von Epsteins Freundin und Mittäterin Ghislaine Maxwell vorgelegt wurde, enthält wiederum Seriennummern für etwa 325 FBI-Zeugenbefragungsprotokolle. Mehr als 90 dieser Protokolle – also über ein Viertel der Liste – sind laut einer Überprüfung durch CNN nicht auf der Website des Justizministeriums zu finden.

Unter den fehlenden Protokollen befinden sich drei Befragungen im Zusammenhang mit einer Frau, die den Ermittlern erzählte, dass Epstein sie seit ihrem 13. Lebensjahr wiederholt missbraucht habe. Besonders brisant: Sie beschuldigt auch Trump, sie sexuell missbraucht zu haben. Dass es sich bei den Vorwürfen um dieselbe – und damit glaubwürdige Quelle – handelt, wurde erst jetzt bekannt.

Trump selbst hat wiederholt betont, sich im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre nichts zuschulden kommen lassen zu haben. Und eine Sprecherin des Justizministeriums bestritt, dass irgendwelche Epstein-Unterlagen gelöscht worden seien, und betonte, dass das Ministerium sich an die Gesetze halte.

Sind diese Medienberichte glaubwürdig?

Ja. Über die Details zu den fehlenden Dokumenten im Zusammenhang mit der Trump-Anklägerin berichteten zuvor National Public Radio (NPR) und MS Now sowie der unabhängige Journalist Roger Sollenberger. Nun hat auch CNN seine eigenen Recherchen angestellt und kommt zum selben Schluss.

CNN betont dabei, es sei zwar möglich, dass einige der Dokumente, auf die in den Maxwell-Beweisprotokollen Bezug genommen wird, an anderer Stelle in den Akten vorhanden sind. Dies allerdings nur, wenn sie ohne die Seriennummern in den Protokollen oder mit geschwärzten Seriennummern aufgeführt wären.

Was sagte die Zeugin aus?

Die Akten zeigen gemäss den Medienberichten: Die betreffende Frau habe am 10. Juli 2019, einige Tage nach Jeffrey Epsteins Verhaftung, zunächst eine Hotline des FBI angerufen und gemeldet, dass sie Opfer von ihm geworden sei.

Als Folge dieser Angaben wurde die Frau vom FBI für eine Befragung eingeladen. Sie gab zu Protokoll, dass Epstein sie wiederholt in einem Haus in South Carolina missbraucht habe. Dies, nachdem er auf eine Anzeige für Babysitterdienste geantwortet hatte. Der Missbrauch begann, als sie etwa 13 Jahre alt war, so die Frau.

Das Justizministerium nahm die Anschuldigungen der Frau im Sommer 2025 in eine umfassende 21-seitige interne PowerPoint-Präsentation über die Ermittlungen der Regierung gegen Epstein und die verurteilte Mitverschwörerin Ghislaine Maxwell auf. Auf Slide Nummer 18, mit dem Titel «Prominente Namen», auf dem eine Reihe von damals nicht öffentlichen Anschuldigungen gegen prominente Persönlichkeiten stehen, wird dasselbe Opfer erneut aufgeführt – diesmal mit Anschuldigungen gegen Trump.

(Bild: US-Justizministerium)

«[GESCHWÄRZT] gab an, dass Epstein sie Trump vorgestellt habe, der daraufhin ihren Kopf zu seinem entblössten Penis drückte, woraufhin sie ihn biss [...] Als Reaktion darauf schlug Trump ihr gegen den Kopf und warf sie hinaus.» Das Opfer war laut der Präsentation «zum Zeitpunkt des Vorfalls etwa 13 bis 15 Jahre alt». Der mutmassliche Übergriff ereignete sich Mitte der 1980er Jahre.

In weiteren Unterlagen des FBI – einem Interview zwischen den FBI-Agenten und dem Opfer und dessen Anwalt – steht Folgendes geschildert: An einer Stelle des Interviews, als die Frau den Ermittlern ein bekanntes Foto von Trump und Epstein zusammen zeigte, das ihr ein Freund geschickt hatte, sagte ihr Anwalt laut des Dokuments, sie sei «besorgt darüber, weitere Personen zu belasten, insbesondere bekannte Persönlichkeiten, aus Angst vor Vergeltungsmassnahmen».

Es handelt sich hierbei um das einzige der vier Interviews, welche das Justizministerium öffentlich machte.

Ist diese Frau glaubwürdig?

Ja.

Den neu veröffentlichten Akten zufolge verbreitete das FBI Ende Juli und Anfang August 2025 intern eine Liste mit Vorwürfen im Zusammenhang mit Epstein, in denen Trump erwähnt wurde. Diese Liste, die vom National Threat Operations Center des FBI zusammengestellt wurde, enthielt zahlreiche Anschuldigungen gegen den US-Präsidenten. Die Ermittler stuften praktisch alle Vorwürfe als nicht überprüfbar oder unglaubwürdig ein.

Das deckt sich mit Medienberichten, wonach viele dieser Anschuldigungen kurz vor seiner Wahl zum Präsidenten auftauchten oder die betroffenen Personen nicht kontaktiert werden konnten.

Bei der genannten Zeugin allerdings schien es anders zu sein. Sie wurde offenbar als glaubwürdig eingestuft, weshalb das FBI sie überhaupt zu einer Befragung einlud. Insgesamt wurde sie schliesslich viermal befragt. Öffentlich zugänglich sei jedoch nur das erste Interview vom 24. Juli 2019; darin werde Trump nicht erwähnt.

Was neu ist – und weshalb die Vorwürfe eine neue Brisanz erfuhren: NPR, MS Now und Co. fanden heraus, dass es sich beim Opfer, das hinter den Vorwürfen gegen Trump steht, und bei der Zeugin rund um Epstein und Maxwell um dieselbe Person handelt.

Darüber hinaus bestätigte eine glaubwürdige Quelle gegenüber MS Now, dass es sich um dieselbe Frau handelt.

Die Recherche von MS Now:

Während ihr Name in den Files zwar geschwärzt ist, fanden NPR (und andere) deutliche Hinweise, wonach die Frau auch in anderen Punkten in den Epstein-Files auftaucht. Sie begründen diesen Verdacht damit, dass die Angaben zur Biographie der Frau identisch sind. Sie stimmen auch mit öffentlichen Berichten über ein Opfer aus South Carolina überein, das nach Vancouver umgesiedelt wurde und eine Klage gegen Epstein eingereicht hatte. Das Opfer habe 2021 eine Abfindung aus Epsteins Nachlass erhalten.

So verdeutlichte sich das Bild der Zeugin und deren Vorwürfe.

«Die Anschuldigungen und die Befragung durch das FBI sind bahnbrechende Enthüllungen, die die Beteuerungen des Weissen Hauses untergraben, dass Trump nicht wegen Fehlverhaltens angeklagt worden sei, und stattdessen zeigen, dass die US-Regierung Kenntnis von einer glaubwürdigen Anklägerin Trumps in den Epstein-Akten hatte.» Journalist Roger Sollenberger

Was aus den Untersuchungen des FBI bezüglich dieser Zeugin wurde, ist nicht bekannt.

Gibt es noch weitere glaubwürdige Vorwürfe gegen Trump?

Ja. Auf der PowerPoint-Präsentation des Justizministeriums wird ein zweites mutmassliches Opfer aufgeführt, das offenbar ebenfalls als glaubwürdig eingestuft wurde.

Epstein habe Trump dieses Opfer vorgestellt, als sie 14 Jahre alt war, und sagte dabei: «Die ist gut, oder?» Trump habe ihm zugestimmt. Dieses Opfer muss «immense Glaubwürdigkeit» des Justizministeriums geniessen, so Sollenberger. Denn: Diese Behauptung über einen Vorfall in Trumps Mar-a-Lago-Club im Jahr 1994 stammt ebenfalls von einer wichtigen Zeugin für die Regierung – ihre Aussage half vor Gericht den Staatsanwälten, Ghislaine Maxwell zu verurteilen, wie aus den Akten hervorgeht.

Obwohl diese Zeugin angibt, kein Opfer von Trump gewesen zu sein, «untergräbt sie doch massgeblich eine der zentralen Verteidigungsstrategien des Präsidenten», argumentiert Sollenberger: dass Trump trotz jahrelanger enger Freundschaft und gesellschaftlicher Kontakte nicht gewusst habe, dass Epstein minderjährige Mädchen missbrauchte, und dass er die Verbindung zu ihm abgebrochen habe, sobald er davon erfahren habe.

Gibt es noch weitere fehlende Unterlagen?

So scheint es, denn gemäss CNN ist die oben genannte Zeugin kein Einzelfall: Mehrere Opfer von Epstein gaben demnach an, in den letzten Wochen die Website des Justizministeriums nach Akten durchsucht zu haben, die ihre eigenen Vernehmungen durch das FBI dokumentieren – allerdings ohne Erfolg.

«Wir alle haben nach unseren Opferaussagen gesucht», sagte eine Frau, die im Alter von 22 Jahren von Epstein missbraucht wurde, gegenüber CNN. Stark redigierte und fehlende Verhörprotokolle deuten darauf hin, dass «das Justizministerium tatsächlich das ganze Land manipuliert», so die Frau.

Was ist das (vorläufige) Fazit?

Dass das Justizministerium wohl gelogen hat. Konkret liess es vor drei Wochen, als die angeblich letzten Dokumente zu Jeffrey Epstein veröffentlicht wurden, in einer Pressemitteilung verlauten:

«Einige der Dokumente enthalten unwahre und sensationslüsterne Behauptungen gegen Präsident Trump, die kurz vor der Wahl 2020 beim FBI eingereicht wurden. Um es klar zu sagen: Diese Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wenn sie auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit hätten, wären sie sicherlich bereits gegen Präsident Trump eingesetzt worden.»

Basierend auf den nun verknüpften veröffentlichten und bis dato unveröffentlichten Dokumenten zeigt sich nun: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das FBI oder das Justizdepartement die beschriebene Zeugin als unglaubwürdig einstufte. Mehr noch: Dass sie eine wichtige Zeugin gegen Ghislaine Maxwell war, zeugt eher vom Gegenteil.

 
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