Magyars Partei erreicht Zweidrittelmehrheit
Die Tisza-Partei des ungarischen Oppositionsführers Péter Magyar hat nach Berechnungen der Wahlkommission eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht. Nach Auszählung der Stimmzettel in 84,91 Prozent der Wahllokale kommt Tisza auf 138 von 199 Mandaten im Parlament.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán gestand seine Niederlage ein. «Was auch immer kommt, wir werden auch in der Opposition der Heimat dienen», sagte er vor Anhängern in Budapest. «Die Aufgabe ist klar: Nachdem die Last der Regierungsarbeit nicht mehr auf unseren Schultern liegt, müssen wir unsere eigene Gemeinschaft stärken», fügte er mit Blick auf seine Anhängerschaft hinzu.
Zweidrittelmehrheit gibt Macht für Reformen
Mit der parlamentarischen Zweidrittelmehrheit kann Magyar Reformen durchführen, die Verfassungsänderungen erfordern, sowie Amtsträger austauschen, die Orbán eingesetzt hat. Ohne diese Möglichkeit könnte etwa das Verfassungsgericht Reformvorhaben der künftigen Tisza-Regierung blockieren. Wie Magyar in Budapest erklärte, habe ihm Orbán telefonisch zum Wahlsieg gratuliert.
Die Wahl galt als wichtigste Wählerentscheidung seit der demokratischen Wende 1989/90. Orbán hat in seiner Regierungszeit seit 2010 einen halb-autoritären Staat errichtet, sein Land auf einen Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet.
Für die Europäische Union ist diese Wahl richtungsweisend
In der EU blockierte Orbán mit seinen Vetos wichtige Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine. Die Union brachte er damit an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Wegen der Verstösse gegen das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit legte die EU Milliardenhilfen aufs Eis, die Ungarn zustehen würden. Hingegen will Magyar das Verhältnis seines Landes zur EU und zu den westlichen Partnern verbessern.
Die Wahlbeteiligung erreichte einen Rekordwert. Sie betrug eine halbe Stunde vor Schliessung der Wahllokale 77,8 Prozent. (dpa)
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