Auto rast gezielt in Menschengruppe – mindestens fünf Verletzte
Nach einem gezielten Angriff mit einem Auto auf eine kleine Menschengruppe bei Hannover ermittelt die Polizei wegen eines versuchten Tötungsdelikts. An der Anschrift des Fahrzeughalters wurden drei Menschen vorläufig festgenommen, wie die Polizeidirektion Hannover mitteilte.

Ob sie unmittelbar mit der Tat im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge zu tun haben, werde noch geprüft. Mindestens fünf Menschen waren bei dem Angriff leicht bis schwer verletzt worden. Polizisten schossen auf den Wagen, um die Tat zu stoppen.
Nach Polizeiangaben möglicher Zusammenhang mit Clankriminalität
Die Ermittler gehen nach bisherigem Stand davon aus, dass sich die Beteiligten kannten. Nach Polizeiangaben gehören sie Grossfamilien an, die in Teilen bereits im Zusammenhang mit Clankriminalität aufgefallen sind. Ob der Angriff damit zusammenhängt, blieb zunächst offen. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
Auch das genaue Motiv war zunächst unklar. Für die Bevölkerung bestand nach dem bisherigen Kenntnisstand der Polizei keine Gefahr. Hinweise auf einen Anschlag gab es nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Morgen nicht.
Schüsse während einer Verkehrskontrolle
Der Angriff ereignete sich den Angaben zufolge am späten Montagabend gegen 23.30 Uhr. Ein Tatverdächtiger steuerte demnach einen Wagen gezielt in die Gruppe, die sich zu diesem Zeitpunkt auf der Strasse aufhielt. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben der Polizeisprecherin waren sie nicht in Lebensgefahr.

Der Tatort liegt im Bereich des Schützenplatzes, östlich des Ortskerns von Neustadt am Rübenberge. Nach ersten Erkenntnissen hätten sich die mutmasslichen Täter die kleine Gruppe wohl gezielt ausgesucht und seien nicht wahllos vorgegangen, sagte eine Polizeisprecherin am Morgen.
Polizeikräfte waren zufällig in der Nähe, weil sie eine allgemeine Verkehrskontrolle durchführten. Sie wurden auf den Angriff aufmerksam und gaben Schüsse auf das Auto ab. Damit hätten sie die noch andauernde Tat unterbinden wollen, teilte die Polizei mit. Der Fahrer liess das Auto am Tatort zurück und flüchtete.
Mehrere Tatverdächtige geflüchtet
Ob beim Angriff weitere Menschen in dem Wagen sassen, werde derzeit noch ermittelt. Die Polizei sprach in ihrer Mitteilung von mehreren Tatverdächtigen, die vom Tatort flüchteten. Wie viele Menschen insgesamt an dem Geschehen beteiligt waren und welche Rolle sie jeweils spielten, war zunächst nicht geklärt.

Die unmittelbar nach der Tat eingeleitete Fahndung blieb zunächst erfolglos. Zahlreiche Einsatzkräfte und ein Polizeihubschrauber suchten nach den Flüchtigen. Die drei vorläufigen Festnahmen erfolgten an der Anschrift des Halters des Tatfahrzeugs.
Grosseinsatz und Spurensicherung
Ein dpa-Reporter berichtete von einem Grosseinsatz auch für Feuerwehr und Rettungsdienst. Zahlreiche, teils schwer bewaffnete Polizeikräfte waren vor Ort. Mehrere beschädigte Autos waren zu sehen, darunter Fahrzeuge mit platten Reifen, einer zerstörten Heckscheibe und Einschusslöchern. Der Tatort wurde abgesperrt, um Spuren zu sichern.
Der Kriminaldauerdienst Hannover übernahm die Ermittlungen. Dazu gehört nach Polizeiangaben eine spezialisierte Tatortaufnahme. Das Verfahren wegen eines versuchten Tötungsdelikts wurde nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hannover eingeleitet. Die Ermittlungen zum Ablauf, zu den Hintergründen und zur Identität der Tatverdächtigen dauerten an. Zeugen werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst zu melden. (dpa)
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