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Sie stellte Kriegsverbrecher vor Gericht: Nobelpreis für engagierte UNO-Kommissarin

Die Südafrikanerin Navi Pillay wird für ihre Arbeit als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof und als UNO-Kommissarin ausgezeichnet. Das just in einer Zeit, in der die regelbasierte internationale Ordnung zerbröselt.
Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay ist mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. (Bild: Keystone)

Navi Pillay kämpft seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit. Sie macht sich stark gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Immer furchtlos, oft einsam. Nun erhält die Südafrikanerin für ihr jahrzehntelanges Wirken die höchste globale politische Auszeichnung: den Friedensnobelpreis. Navanethem «Navi» Pillay, die auf indische Wurzeln blickt, wird für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid gewürdigt.

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an die frühere Richterin am Internationalen Strafgerichtshof und Ex-Hochkommissarin für Menschenrechte hat auch eine klare Botschaft: In einer Welt der Spannungen und der Konflikte, in der die regelbasierte internationale Ordnung immer schneller zerbröselt, sollen Kämpferinnen für das Recht eine stärkere Rolle spielen. Ebenso markiert die Vergabe eine Ermutigung der grenzüberschreitenden Strafjustiz, weil die USA unter Präsident Donald Trump den Internationalen Strafgerichtshof immer wieder ins Visier nehmen.

Die Auserkorene selbst setzt sich stets für einzelne Menschen wie Nelson Mandela ein, schon als Anwältin in ihrem Heimatland. Sie denkt aber auch in grossen Dimensionen: «Als die UN gegründet wurde, war sie lediglich ein Club der Staaten», sagte Pillay 2025. «Alles, was wir heute zum Schutz der Menschenrechte haben, ist nicht einfach so entstanden, weil die Staaten eines Tages aufgewacht sind. Es ist dem Druck der Zivilgesellschaft zu verdanken.»

Sie schaltete sich regelmässig in Debatten ein

Bis heute geht die 85‑jährige zweifache Mutter keiner Kontroverse aus dem Weg und zieht den Zorn der Regierungen auf sich – zuletzt in Israel. Als Vorsitzende einer UNO-Untersuchungskommission bewerteten Pillay und ihre Mitarbeiter die Militäroffensive Israels im Gazastreifen. Vorausgegangen war der beispiellose Überfall der Terrorgruppe Hamas 2023 auf den jüdischen Staat. Pillays Urteil über Israels Militäraktion, der Zehntausende Zivilisten zum Opfer fielen, war drastisch: «Die Kommission stellt fest, das ist Genozid.»

Pillay schaltete sich somit in die Debatte ein, ob Israel für einen Völkermord Verantwortung trägt oder nicht. Das Aussenministerium in Jerusalem wies die Beschuldigung umgehend als «Fake» zurück. Pillay und die anderen Mitglieder der Kommission seien «berüchtigt für ihre offenen antisemitischen Positionen».

Tatsächlich ging Pillay schon als UNO-Hochkommissarin mit Israel hart ins Gericht, so etwa 2014 während des damaligen Konflikts Israels mit der Hamas. «Israel bricht das Völkerrecht», sagte sie in einem Interview mit dem Autor. Sie prangerte aber auch den willkürlichen Raketenbeschuss der Hamas auf Israel an.

Als Mädchen war sie Opfer der Apartheid

Pillay erblickte am 23. September 1941 in Südafrika als Tochter indischer Eltern tamilischer Herkunft das Licht der Welt. In jungen Jahren erfuhr sie am eigenen Leibe, was Despotie bewirkt. Im rassistischen Apartheidregime gehörte auch ihre Familie zu den Ausgegrenzten. «Wir sind in grosser Armut aufgewachsen», berichtete Pillay. «Mein Vater war Busfahrer, und wir waren sieben Kinder.» Früh erkannte die kleine Navi, dass die unterdrückten Volksgruppen nur gemeinsam das verhasste Regime der Weissen beseitigen können. Sie sagte im Rückblick: Es lohne sich, «wenn man jemandem geholfen hat, der hilflos ist».

Nach einem Jurastudium gründete Pillay, laut der Plattform «Africanwil», 1967 als erste Frau mit dunkler Hautfarbe in der Provinz Natal eine Anwaltskanzlei. Sie verteidigte diejenigen, die das Apartheid-System beseitigen wollten. Die unerschrockene Anwältin brachte auch Folterpraktiken der weissen Herren ans Licht.

Nach dem Ende der Apartheid nahm Pillays Karriere Mitte der Neunzigerjahre an Fahrt auf: Sie wurde zur Richterin (acting Judge) am südafrikanischen High Court ernannt. Später ging sie als Richterin zum Internationalen Tribunal für Ruanda (ICTR), wo sie acht Jahre lang tätig war, davon die letzten vier Jahre als Präsidentin. Laut einer UNO-Würdigung spielte Pillay «eine entscheidende Rolle» bei der Klassifizierung sexueller Gewalt als Kriegsverbrechen. Danach zog es sie an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Pillay 2008: Als UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte kämpfte sie aus Genf für ein gerechteres Leben für alle Erdenbewohner, ein Leben ohne Einschüchterung, Willkür und Repression.

Gleichzeitig gegen Russland und die USA

Wie zu erwarten, erregte die Hochkommissarin das Missfallen der mächtigen Staaten. So prangerte sie wiederholt das US-Gefangenenlager Guantánamo an. Dort hielten die USA auch unter Präsident Barack Obama mutmassliche Terroristen fest – in der Regel ohne Gerichtsverfahren. Auch vor Russland kuschte Pillay nicht: Sie geisselte die dortige Diskriminierung Homosexueller. «Man muss Gewalt und Hass bestrafen, nicht aber die Liebe.»

Als sich ihre Zeit als Hochkommissarin zu Ende neigte, versprach die Kämpferin vom Kap schon 2014: «Ich habe mehr als 50 Jahre gearbeitet, ich glaube, ich habe mir meinen Ruhestand verdient.» Der Friedensnobelpreis krönt nun ihr Leben.

 
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