Kein Terrorverdacht nach Explosion in Monaco – Täter flüchtet nach Frankreich
Nach der Explosion in Monaco mit drei Schwerverletzten geht die Staatsanwaltschaft zunächst nicht von einem Terroranschlag aus. Es gebe derzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der monegassische Staatsanwalt Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat.
Opfer bleiben offiziell unbestätigt
Zur Identität der Opfer machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen sowie Immobilien- beziehungsweise Bauunternehmer Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln. Offiziell wurden die Identitäten bislang nicht bestätigt. Nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenseite «Ukrainska Pravda» war der Unternehmer 2023 wegen mutmasslicher Verbindungen zu Russland mit ukrainischen Sanktionen belegt worden.
Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte Thibault. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. Alle drei kamen in eine Klinik ins südfranzösische Nizza. Der Staatsanwalt sagte zudem, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt, gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind und er auch nicht von ausländischen Behörden gesucht wird.
Ermittler fahnden nach Verdächtigem
Die Explosion ereignete sich nach Angaben von Monacos Staatsminister Christophe Mirmand am Montagabend gegen 21 Uhr am Eingang eines Wohngebäudes nahe der französischen Grenze. Zwei Erwachsene und ein Kind wurden schwer verletzt und in Krankenhäuser nach Frankreich gebracht. Medien zufolge sollen zwei der Verletzten lebensbedrohlich verletzt worden sein. Weitere Personen erlitten demnach Schnittverletzungen und Schocks.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Mann kurz vor der Explosion ein Paket beziehungsweise ein Sprengstoffpaket am Eingang des Gebäudes abgelegt. Überwachungskameras sollen eine Person gefilmt haben, die einen Rucksack am Tatort abstellte und anschliessend flüchtete.
Der Verdächtige, der den Angaben nach zu Fuss in Richtung der französischen Stadt Beausoleil floh und die Grenze nach Frankreich überquerte, ist bislang nicht festgenommen worden. Man sei ihm aber auf der Spur, sagte Thibault. Die Polizei versuche, seinen Weg nachzuzeichnen und ihn zu identifizieren.
Motiv weiter unklar
Mirmand erklärte, der Verdächtige sei anhand von Videoaufnahmen aus dem Fürstentum und der benachbarten französischen Stadt Beausoleil identifiziert worden. Ein Vertreter der französischen Nationalpolizei sagte, französische Einsatzkräfte unterstützten die Fahndung und die Ermittlungen, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten. Medien veröffentlichten ein Überwachungsbild, das einen rennenden Mann mit dunklem Hut zeigen soll.

Ob es sich um einen gezielten Anschlag handelte, wollte Mirmand zunächst nicht bestätigen. «Ein Ereignis dieser Art hat sich im Fürstentum noch nie ereignet», sagte der Regierungschef. Das Motiv werde noch untersucht.
Grossaufgebot und politische Reaktionen
Zahlreiche Rettungskräfte waren im Einsatz. Nach Angaben Mirmands befanden sich rund 50 Feuerwehrleute und mehr als 80 Sicherheitskräfte vor Ort. Auch französische Rettungskräfte rückten aus Kreisen des französischen Innenministeriums zufolge zur Unterstützung an. Zudem wurde eine enge Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden beider Länder eingerichtet, um den flüchtigen Verdächtigen aufzuspüren.

Monacos Staatsoberhaupt Fürst Albert II. sprach von einer «abscheulichen Tat» beziehungsweise einer «kriminellen Explosion», die einen «Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft» darstelle. Sämtliche zuständigen Behörden seien gemeinsam mit den französischen Sicherheitskräften mobilisiert. worden. Man vertraue darauf, dass die Umstände der Tragödie rasch aufgeklärt, die Verantwortlichen identifiziert und die notwendigen Konsequenzen gezogen würden.
Der Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Nizza, Éric Ciotti, bezeichnete den Vorfall auf der Plattform X als «Anschlag». Es sei eine «Tragödie, die Monaco erschüttert», schrieb er und sprach den Sicherheits- und Rettungskräften seine Unterstützung aus. (dpa)
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