Mit 80 auf dem Laufband zum Wahlsieg? - Staatschef Lula hält sich fit
Weniger Auftritte auf dem Podium und Interviews. Mehr Ausfallschritte und Kniebeugen. Und jeden Tag geht's auf das Laufband. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will im Oktober wiedergewählt werden, im stolzen Alter von 80, und peilt sein Ziel kraftvoll an – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit täglichen Workouts hält er sich fit, legt Wert darauf, durchtrainiert und energiegeladen zu erscheinen, und was er zu seiner Körperertüchtigung tut, kommt gut an – laut seinen Kritikern besser als der Kandidat selbst.

Die Brasilianer sind geteilter Meinung darüber, ob er erneut antreten sollte: Schliesslich steht nur rund drei Wochen nach der Wahl am 4. Oktober sein 81. Geburtstag an. Aber die Anerkennung für seine Workouts ist gross. «Er ist ein wenig zu alt, um wieder Wahlkampf zu führen. Wir sollten lieber jemand anderen kandidieren lassen. Aber sein Training ist in der Tat ein gutes Vorbild für Menschen wie mich», sagte etwa die 63-jährige Marcela Peres, 63, als sie kürzlich im Fitnessstudio eines Hotels in Brasília trainierte.
«Ich möchte 120 Jahre alt werden»
Manche Wähler haben Bedenken, dass es Lula so ergehen könnte wie dem seinerzeitigen US-Präsidenten Joe Biden, dessen Gesundheit und Alter eine so grosse Rolle im Wahlkampf 2024 spielten, dass er sich schliesslich zurückzog. Doch Lula lässt seine Muskeln spielen, um seine Anhänger bei der Stange zu halten, und fordert sie heraus, seinem Beispiel zu folgen.
«Einer dieser Idioten sagte, das sei nicht ich, sondern ein Klon», entrüstete sich der Präsident im März, wenige Tage nachdem seine Frau Rosângela da Silva ein Video von seinem Trainingsprogramm gepostet hatte. «Geht ins Fitnessstudio. Kommt in die Gänge... Trinkt weniger und arbeitet daran, zu sehen, was passiert. Ich möchte 120 Jahre alt werden.»

Nicht, dass sich Lula erst fit hält, seit er seine insgesamt vierte Amtszeit im Laufe der Jahre anpeilt. Er spielte während seiner ersten beiden Perioden im Topjob häufig Fussball und absolvierte auch während der 580 Tage, die er nach seiner - später aufgehobenen - Verurteilung wegen Korruption und Geldwäsche 2021 im Gefängnis verbrachte, ein regelmässiges Trainingsprogramm. Und er setzt sich für Sport ein, seit er 2022 gegen den damaligen Amtsinhaber Jair Bolsonaro antrat, einen ehemaligen Armeekapitän mit angeschlagener Gesundheit.
Sein Hauptkonkurrent ist erst 45
Wenn Lula im Oktober gewinnt, wird er seinen eigenen Rekord als ältester Mann brechen, der zum brasilianischen Präsidenten gewählt wurde. Sein Hauptkonkurrent Flávio Bolsonaro, ein Senator und Sohn des Ex-Staatschefs, ist erst 45 und verspottete Lula kürzlich, indem er ihn mit einem alten Chevrolet Opala verglich, der «völlig rückständig» sei und «viel (Treibstoff) verschluckt». Lula, der seit dem Ende der Militärdiktatur 1985 auf fast jedem Präsidentschaftswahlzettel stand, wischte die Beleidigung beiseite, indem er sich selbst als «Turboauto» bezeichnete. «Er tut dies, um sich vom Joe-Biden-Effekt abzugrenzen», sagt Carlos Melo, Professor für Politikwissenschaft an der Insper-Universität in São Paulo.

Brasiliens Wählerschaft altert
Der jüngere Bolsonaro versucht derweil, seine eigene gute Verfassung zu unterstreichen, indem er Videos von sich bei kurzen Sprints zu Terminen und beim Tanzen auf der Bühne teilt. Das tut er erst seit vergangenem Dezember, als sein Vater ihn zum Präsidentschaftskandidaten ernannte - von einem Gefängnis in der Hauptstadt Brasília aus, wo der Senior eine 27-jährige Haftstrafe wegen Anführung eines Putschversuchs verbüsste, bevor er dann unter Hausarrest gestellt wurde.
Aber vielleicht ist Jungwirken in Brasilien am Ende gar nicht so wichtig für einen Wahlerfolg. Der Berater Felipe Soutello, der mehrere Wahlkämpfe von Politikern geleitet hat, weist darauf hin, dass das Land einen demografischen Wandel durchlaufe, bei dem Leute über 60 ein Viertel der Wählerschaft ausmachten. «Sie haben mehr politisches Gewicht als die jungen Menschen», sagt er. Tatsächlich ist die Zahl der wahlberechtigten Brasilianer in dieser Alterskategorie laut dem Forschungsinstitut Nexus von 20,8 Millionen im Jahr 2010 auf 36,2 Millionen im diesjährigen März gestiegen.
Fest steht, dass am 4. Oktober jede Stimme zählen wird: Bei der letzten Wahl gewann Lula mit nur 50,9 Prozent - das bislang knappste Ergebnis in der Geschichte des Landes. (dpa)
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