Muammar al-Gaddafis Sohn Saif al-Islam laut Anwalt getötet
In Libyen ist ein prominenter Sohn des früheren Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi Berichten zufolge getötet worden. Saif al-Islam sei heute «unter mysteriösen Umständen getötet» worden, teilte sein Berater Abdullah Othman nach Angaben der libyschen Nachrichtenagentur Lana mit. Othman zufolge stürmten vier bewaffnete Männer das Haus al-Islams in der westlibyschen Stadt Sintan und töteten al-Islam.

Auch dessen Anwalt bestätigte im libyschen Fernsehen, dass der Gaddafi-Sohn getötet worden sei. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Gaddafi-Familie, dass der 53-Jährige im Garten seiner Residenz in Sintan erschossen worden sei.
Saif al-Islam war der zweitälteste Sohn Muammar al-Gaddafis, der in dem nordafrikanischen Land mehr als vier Jahrzehnte herrschte, und eine der einflussreichsten Figuren in Libyen. Vor dem Sturz und Tod seines Vaters im Jahr 2011 führte al-Islam ein Reformprojekt an mit dem Ziel, das Land politisch zu modernisieren und an den Westen anzunähern. Viele der Bemühungen wurden bald aber rückgängig gemacht, um das Machtgefüge in der Regierung seines Vaters nicht ins Wanken zu bringen.
2011 wurde Muammar al-Gaddafi nach Massenprotesten über Monate gestürzt und schliesslich getötet. Al-Islam hatte die brutale Niederschlagung der Proteste davor unterstützt. Auf der versuchten Flucht in den Niger wurde er dann von einer Miliz gefasst und kam in Sintan in Haft. Dort verbrachte er nach eigener Aussage mehrere Jahre und hatte kaum Kontakt zur Aussenwelt.
Seit 2014 forderte der Internationale Strafgerichtshof al-Islams Auslieferung, um ihm wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Aufstände in Libyen den Prozess zu machen. 2015 wurde er von einem Gericht in Libyens Hauptstadt Tripolis in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Machthaber in Sintan liessen ihn aber weder nach Tripolis überstellen, noch lieferten sie ihn aus.
2021 tauchte al-Islam nach langer Abwesenheit überraschend wieder auf und reichte seine Kandidatur ein für die geplante Präsidentenwahl in Libyen. Diese fand wegen eines Konflikts über die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die zugelassenen Kandidaten aber nie statt. Libyen ist heute faktisch zweigeteilt in zwei verfeindete Regierungen im Osten und Westen. (dpa)
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