«Lake America»: Nach Google kuscht auch Apple vor Trump
Wer in den USA auf Apple Maps nach dem Lake Ontario sucht, wird zwar zu dem See an der Grenze zu Kanada geführt – allerdings prangt dort nun seit dem 1. September der neue Name «Lake America».
Damit folgt der iPhone-Konzern bei seinem Kartendienst der Umbenennung, die US-Präsident Donald Trump in seinem Zollkrieg gegen Kanada per Präsidialerlass verfügt hat.
Zuvor war bereits der Konkurrent Google eingeknickt. Beim Kartendienst Google Maps wird bereits seit einigen Tagen der neue, umstrittene Name angezeigt.
Warum tut er das?
Trump nutzt geografische Umbenennungen in seiner zweiten Amtszeit häufiger als symbolisches Mittel der Machtdemonstration. Im konkreten Fall richtet sich sein Ärger gegen Kanada, weil die Regierung des Landes im Zollstreit mit den Vereinigten Staaten bislang nicht einlenken will.
Der Lake Ontario ist einer der sogenannten fünf Grossen Seen, von denen vier durch die Landesgrenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada geteilt werden.

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Widerstand auf US-Seite
Die Umbenennung stösst nicht nur in Kanada, sondern auch innerhalb der USA auf Ablehnung. Die Gouverneurin von New York, dem Bundesstaat, der an den See grenzt, hat erklärt, dass ihr Staat den neuen Namen nicht übernehmen werde.
Wo ist das Problem?
Es gibt mehrere.
Mangelnde Neutralität
Bereits im vergangenen Jahr war Google ähnlich wie jetzt vorgegangen, indem US-Usern von Google Maps nach einem Vorstoss Trumps die zuvor als Golf von Mexiko bekannte Meeresbucht fortan als «Golf von Amerika» angezeigt wurde. Auch Apple folgte der Umbenennung. Golf von Mexiko ist die seit dem 16. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung.
Kritiker bemängeln, dass Apple und Google mit der Umbenennung des Ontariosees einer politisch motivierten Entscheidung inmitten eines Handelsstreits Vorschub leisten. Stattdessen sollten sie eine neutrale Position einnehmen.
Willkürliche Namensänderungen stiften Verwirrung
Der Wechsel betreffe nur Apple-User in den USA, während in Kanada weiterhin der Name Lake Ontario angezeigt werde, berichtete der kanadische Sender CBC.
Tatsächlich wird Schweizer Usern von Apple Maps weiterhin die Bezeichnung Ontariosee angezeigt. Doch bei der Suche nach Lake Ontario taucht auch Lake America auf.

Bei Google Maps in der Schweiz, respektive mit Schweizer Internet-Adresse, sind beide Namen zu sehen.

Verletzung indigener Geschichte und Abkommen
Der Anführer der Seneca Nation im Bundesstaat New York erklärte gemäss einem Bericht der Nachrichtenagentur AP, die Umbenennung verletze einen mehr als 220 Jahre alten Vertrag. Trump missachte damit die indigenen Völker, die den Ontariosee ursprünglich benannt hatten.
Einseitige Beanspruchung eines geteilten Gewässers
Der Ontariosee ist ein internationales Gewässer, dessen Grenze zwischen dem US-Bundesstaat New York und der kanadischen Provinz Ontario verläuft. Eine einseitige Umbenennung durch eine Nation wird als provokativ und als Missachtung der Souveränität des Nachbarlandes wahrgenommen.
Wie rechtfertigen sich die Tech-Konzerne?
Google verteidigte die Umbenennung des Sees im eigenen Kartendienst mit seiner Richtlinie, offizielle Bezeichnungen lokaler Regierungen zu übernehmen – in diesem Fall des US Geographic Names Information System (GNIS).
Gemäss kanadischen Medienberichten zeigten verschiedentlich auch kanadische Websites, die Kartendienste von Drittanbietern nutzen, den Ontariosee als Lake America an. Dies lag gemäss einer Stellungnahme von Google daran, dass die Website-Entwickler bei der Lokalisierung ihrer Karten die USA als Region ausgewählt hatten.
Von Apple lag zunächst keine offizielle Stellungnahme oder Rechtfertigung zur Umbenennung des Sees vor.
US-Innenminister Doug Burgum bestätigte in einem Interview, dass Präsident Trump Apple direkt kontaktiert habe, um die Namensänderung in der Karten-App durchzusetzen. (watson/dsc)
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