Korruption, ein Pleitebanker und Bolsonaro Junior: Wilder Wahlkampf in Brasilien
Zehn Tage vor der Präsidentenwahl in Brasilien wird der Wahlkampf völlig auf den Kopf gestellt. Der Grund: ein Pleitebanker namens Daniel Vorcaro und seine Bestechungsgelder, die er grosszügig an Politiker, Richter und andere Würdenträger aus dem linken und rechten Lager verteilte.
Der 42-jährige Finanzjongleur, der seit März in Haft sitzt, lud zu Partys und Reisen ein, finanzierte Filmprojekte und schloss millionenschwere Anwaltsverträge ab. All das, um seine windigen Geschäfte zu überdecken und einen Zusammenbruch seines Finanzinstituts «Banco Master» zu verhindern.
Als die Bank Ende 2025, nur sieben Jahre nach ihrer Gründung, Pleite ging und liquidiert wurde, flog alles auf. Im Zuge der Ermittlungen kommen nun nach und nach Namen und Details der Korrumpierten ans Licht. Auf Vorcaros Bestechungsliste standen Präsidentschaftskandidaten, Oberste Richter, Staatsanwälte, Vertreter aus der Zentralbank und der Bankenaufsicht.

Zurück bleibt bei der brasilianischen Bevölkerung wieder einmal der Eindruck eines komplett korrupten politischen Systems. Und auch das eigentlich gut angesehene Oberste Gericht «Supremo Tribunal Federal» (STF) wird in den Skandal mit reingezogen. Nahezu die Hälfte der Richterschaft oder ihre Familien hatten Kontakt zu Vorcaro oder bekamen Geld von ihm.
Das STF ist das Gericht, das vor einem Jahr Ex-Präsident Jair Bolsonaro wegen Umsturzversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilte und ihm somit auch das aktive Wahlrecht aberkannte. Aus gesundheitlichen Gründen verbüsst der 71-Jährige die Strafe im Hausarrest.
Kopf-an-Kopf-Rennen mit Lula
Wegen der Verurteilung kann der extrem rechte Bolsonaro auch am 4. Oktober nicht bei der Präsidentenwahl antreten, bei der sich sechs Kandidaten gegenüberstehen. Die besten Chancen auf die Stichwahl drei Wochen später haben der linke Amtsinhaber Lula da Silva (80) und Bolsonaros Sohn Flavio (45), der inhaltlich eine Kopie seines Vaters ist.
Die Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lula und Bolsonaro Junior voraus. Dieser hat in den vergangenen Wochen seinen Rückstand auf den Amtsinhaber aufholen können. Und so scheint es, als würde er von dem «Banco-Master-Skandal» profitieren, obwohl er selbst mitten in dem Bestechungssumpf steckt.
Nachdem Flavio Bolsonaro lange leugnete, den Banker überhaupt zu kennen, belegten Telefongespräche zwischen den beiden das Gegenteil. In einem der Gespräche bat Flavio Bolsonaro Vorcaro um umgerechnet 10,5 Millionen Dollar, um damit einen Dokumentarfilm über seinen Vater zu finanzieren.

Präsident Lula hatte offenbar keinen Kontakt zu Vorcaro. Politisch trifft ihn der Skandal dennoch: Brisant für Lula ist vor allem die Rolle von Alexandre de Moraes, einem der mächtigsten Richter des Landes. Er soll rund 50 Nachrichten mit Vorcaro ausgetauscht haben. Zudem schloss die Banco Master einen Anwaltsvertrag über umgerechnet 21 Millionen Euro mit der Kanzlei seiner Frau. Auch Angehörige weiterer Höchstrichter tauchen in den Ermittlungen auf.
De Moraes gilt als scharfer Gegner der Bolsonaros und wird von der Rechten dem Lager Lulas zugerechnet. Flavio Bolsonaros Wahlkampfmanager Rogerio Marinho nennt ihn einen «Popstar der Linken» und versucht, den Skandal direkt mit dem Präsidenten zu verknüpfen. Bolsonaros eigene Verbindungen zur Affäre scheinen dessen Anhänger dagegen bislang kaum zu stören.
Die Wahl im kommenden Monat im grössten und wichtigsten Land Lateinamerikas hat Bedeutung über die Grenzen des Landes hinaus. Denn neben Mexiko ist Brasilien das einzige bedeutende Land der Region, das noch links regiert wird. Im Grossteil von Süd- und auch Zentralamerika sind mittlerweile rechte und vor allem extrem rechte und teilweise anti-demokratische Regierungen an der Macht.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben








Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.