Trotz Rückschlägen: Die Bolsonaros behalten ihren Einfluss in Brasiliens Politik
Als Jair Bolsonaro vor vier Jahren die Präsidentschaftswahl in Brasilien verlor, setzte er sich für eine Zeit lang in die USA ab. Sein Sohn Flávio, der sich zuletzt gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva geschlagen geben musste, tat es ihm nun nach. Und auch ein weiterer Bolsonaro lebt in den USA. Doch eine ganze Reihe anderer Familienmitglieder sitzt weiter in der Politik ihres Landes fest im Sattel. Ein Überblick:
Ex-Präsident Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro war von 2019 bis 2022 Präsident des südamerikanischen Landes. Als er im Kampf um seine Wiederwahl gegen den jetzigen Präsidenten Lula verlor, setzte er sich zunächst nach Florida ab. Nach drei Monaten kehrte er zurück und gilt als Drahtzieher eines Putschversuchs gegen Lula im Januar 2023.

Dafür wurde er im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe von 27 Jahren und drei Monaten verurteilt. Der 71-Jährige verbüsst seine Strafe im Hausarrest. Er lebt mit seiner Frau Michelle und der gemeinsamen Tochter zusammen und darf gelegentlich andere Familienmitglieder empfangen. Öffentliche Äusserungen sind ihm untersagt.
Flávio Bolsonaro, Sohn und Präsidentschaftskandidat
Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn des Ex-Präsidenten aus erster Ehe und war in diesem Jahr als Herausforderer Lulas angetreten. Der 45-Jährige, seit 2019 Senator für Rio de Janeiro, verlor in der Stichwahl am vergangenen Sonntag aber gegen den Amtsinhaber.

Gegen Flávio Bolsonaro wird in Brasilien unter dem Verdacht der Korruption und Geldwäsche ermittelt, und nach seiner Wahlniederlage wies ihn die Justiz an, seine Reisepässe abzugeben und im Land zu bleiben. Bolsonaro setzte sich jedoch mit Frau und Töchtern in die USA ab.
Eduardo Bolsonaro, ehemaliger Abgeordneter
Eduardo Bolsonaro ist der dritte Sohn des Ex-Präsidenten. Er zog Anfang 2025, noch als Abgeordneter in seinem Heimatland, in die USA. Der 42-Jährige lebt in Texas und hat in den USA intensiv um Unterstützung für seinen in Brasilien in Bedrängnis geratenen Vater geworben. Wegen illegaler Lobbyarbeit wurde er im Juni von einem brasilianischen Gericht in Abwesenheit zu vier Jahren Haft verurteilt. Ein Haftbefehl ist anhängig.

Michelle Bolsonaro, Senatorin
Die 44-jährige Michelle Bolsonaro ist seit 2007 die Ehefrau von Jair Bolsonaro. Im Oktober gewann die überzeugte Evangelikale einen Sitz im Senat und ist damit die erste Frau eines Präsidenten oder ehemaligen Präsidenten, die in ein solches Amt gewählt wurde. In ihrer Anhängerschaft gehen viele davon aus, dass sie 2030 bei der Präsidentschaftswahl antreten könnte. Mit Jair hat sie eine 16 Jahre alte Tochter.

Carlos Bolsonaro, Senator
Der zweite Sohn des Ex-Präsidenten, Carlos, ist 43 Jahre alt. Seit seinem 17. Lebensjahr war er über sieben Amtszeiten hinweg Mitglied des Stadtrats von Rio de Janeiro. Während des Wahlkampfs und der Präsidentschaft seines Vaters engagierte er sich in dessen Social-Media-Aktivitäten. Im Oktober wurde er für eine Bolsonaro-Hochburg im Süden des Landes in den Senat gewählt, in die er vor knapp einem Jahr gezogen war.

Jair Renan Bolsonaro, Abgeordneter im Unterhaus
Jair Renan Bolsonaro ist der Sohn des Ex-Präsidenten mit dessen zweiter Frau Ana Christina Valle. Der 28-Jährige gewann im Oktober einen Sitz im Unterhaus. Zuvor hatte er als Senatsreferent gearbeitet und ab 2024 einen Sitz im Stadtrat der Küstenstadt Balneário Camboriú inne.

Renato Bolsonaro, Abgeordneter im Unterhaus
Ebenfalls im Unterhaus sitzt nun Jairs jüngerer Bruder Renato, ein ehemaliger Armeeoffizier. Vor der Abstimmung im Oktober hatte Bolsonaros Liberale Partei massiv in den Wahlkampf des 62-Jährigen investiert. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre war er bereits Stadtrat in der Küstenstadt Praia Grande.

Rogéria Bolsonaro, Ex-Frau des Ex-Präsidenten und ehemalige Stadträtin
Keinen Wahlerfolg hatte in diesem Jahr hingegen die erste Frau von Jair Bolsonaro, Rogéria, die sich ebenfalls um einen Sitz im Kongress beworben hatte. Die Mutter von Flávio, Carlos und Eduardo war allerdings von 1993 bis 2001 Stadträtin in Rio de Janeiro. Wie andere Familienmitglieder in der politischen Szene ist die 66-Jährige Mitglied in der Liberalen Partei. (dpa)

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