Erste Aufnahme zeigt: Bolsonaro ist in den USA gelandet – das ist bekannt
Der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro und seine Familie sind nach ihrer Flucht aus ihrem Heimatland in Miami gelandet. Bolsonaro verliess trotz eines Ausreiseverbots am Mittwoch ein Flugzeug in der Metropole im Bundesstaat Florida, wie eine Fotografin der Nachrichtenagentur AP dokumentierte.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zur spektakulären Ausreise des Politikers im Überblick.
Wieso ist Bolsonaro geflohen?
Bolsonaro steht im Visier der brasilianischen Justiz. In dem Verfahren geht es unter anderem um mutmassliche Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten. Laut Bundespolizei gibt es Hinweise auf eine Verbindung Bolsonaros zu einem Bankkonto der Firma des ebenfalls beschuldigten Anwalts Willer Tomaz. Bolsonaro weist die Vorwürfe zurück. Bis zum 31. Januar 2027 amtiert er noch offiziell als Senator und ist aufgrund seiner Immunität vor einer Festnahme geschützt.
Am Montag erliess Brasiliens Oberster Gerichtshof allerdings ein Ausreiseverbot gegen den 45-Jährigen. Das Gericht ordnete zudem die Abgabe seines Passes innerhalb von 24 Stunden an – dem kam Bolsonaro nicht nach. Nach seiner Wahlniederlage hatte der Senator noch erklärt, er werde das Dokument abgeben und sich gegen die aus seiner Sicht ungerechtfertigte Massnahme wehren. Er bestritt, das Land verlassen zu wollen.

Der Politiker führte die Anordnung des Gerichts auf eine Äusserung seines seit 2025 in den USA lebenden Bruders Eduardo zurück. Dieser hatte vor der Wahl eine Ausreise Flávios im Fall einer Niederlage gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva befürwortet.
Wie verlief die Ausreise?
Bolsonaro verliess das Land zwei Tage nach der Stichwahl. Zunächst reiste er auf dem Landweg über den Grenzübergang Puente internacional Tancredo Neves in der Nähe der Iguazú-Wasserfälle nach Argentinien ein, wie die dortigen Behörden mitteilten. Dabei sei er im Besitz gültiger Reisedokumente gewesen. Begleitet wurde er demnach von seiner Ehefrau Fernanda und seinen Töchtern Carolina und Luiza.
Auf der argentinischen Seite habe er dann mit seiner Familie einen Privatjet in Richtung Ecuador bestiegen, hiess es weiter. Sein endgültiges Ziel war zunächst unbekannt. Laut Daten des Flugtrackers Flight Aware reiste das Flugzeug von der ecuadorianischen Hafenstadt Guayaquil nach Miami, wo es gegen 14.30 Uhr MEZ erwartet wurde. Zuvor hatten Medien berichtet, Bolsonaro wolle in die USA reisen.
Wie verhalten sich Donald Trump und die USA?
Die USA haben Bolsonaro und seiner Familie Visa zugesagt. Das bestätigte ein US-Regierungsbeamter der dpa. US-Präsident Donald Trump befürwortete in der Nacht zum Mittwoch eine Einreise Bolsonaros ausdrücklich. Zudem äusserte Trump Zweifel am Ergebnis der brasilianischen Präsidentschaftswahl, ohne eine Grundlage zu nennen: «Die Wahl war wirklich seltsam, und ich fand sie schrecklich», sagte er.
Im Wahlkampf hatte der US-Präsident den rechten Senator allerdings nur zurückhaltend unterstützt. Dagegen hatte Trump sich offen hinter Flávio Bolsonaros Vater Jair gestellt, der das Land von 2019 bis 2023 regierte und inzwischen wegen eines versuchten Staatsstreichs nach seiner gescheiterten Wiederwahl im Hausarrest sitzt.
Was bedeutet die Flucht für die brasilianische Opposition?
Noch ist unklar, wie sich die Opposition nach Bolsonaros Flucht aufstellt. Seine Liberale Partei (PL) hat den Wahlsieg des linken Amtsinhabers Lula anders als Bolsonaro ausdrücklich anerkannt. Bolsonaro indes hatte erklärt, er wolle die Wahlkampfführung des Linkspolitikers juristisch prüfen lassen. Zudem kündigte er an, die Opposition gegen Lula zu mobilisieren und das Parlament zu einer «Festung» gegen dessen linke Regierung machen zu wollen. Wer die Rolle des Oppositionsführers übernehmen könnte, ist offen.
Wie reagiert Lula auf Bolsonaros Ausreise?
Der wiedergewählte Präsident Lula übte scharfe Kritik an der Flucht seines Rivalen und warf ihm fehlenden Respekt für die Wähler und die Demokratie vor. «Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten», sagte der Staatschef, der die zweite Runde der Präsidentenwahl am Sonntag mit 51,8 Prozent gewonnen hatte, während Bolsonaro auf 48,2 Prozent kam.

Auch Lula war bereits im Visier der brasilianischen Justiz: 2018 wurde er in zweiter Instanz wegen Korruption und Geldwäsche zu zwölf Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Lula sass 580 Tage im Gefängnis, bevor er 2019 freikam. Ein Richter des Obersten Gerichtshofs hob das Urteil mit der Begründung auf, das Gericht, das Lula verurteilt habe, sei nicht zuständig gewesen.
Wie ist die politische Stimmung im Land?
Brasilien ist das flächenmässig grösste Land Südamerikas und mit 214 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste. Zudem ist Brasilien die grösste Volkswirtschaft des Subkontinents. Unter Lula sank die Arbeitslosigkeit auf einen historischen Tiefstand, die Armut ging zurück und der Mindestlohn stieg. Auch die Entwaldung im Amazonasgebiet, dem grössten tropischen Regenwald der Erde, ging zurück.
Gleichzeitig blieb der Unmut über gestiegene Lebenshaltungskosten gross. Zudem belastete ein mutmasslicher Betrug bei der Rentenversicherung die Regierung. In der ersten Runde der Präsidentenwahl konnte Bolsonaro vom Frust in Teilen der Wählerschaft profitieren: Er belegte mit rund 47 Prozent der Stimmen den ersten Platz – bis Lula bei der Stichwahl eine noch nie dagewesene Aufholjagd gelang. (dpa)
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