Ignorieren ist keine Alternative: Schliesst das Fernsehen AfD-Politiker aus, macht es sich selbst irrelevant
Politiker zu entzaubern, müsste eigentlich das Ziel jedes Interviewers sein, egal welcher Partei sein Gegenüber angehört, denn vollkommen deckungsgleich mit der Realität ist die Selbstdarstellung eines Politikers ja nie, mag er auch noch so fähig und integer sein.
So gesehen ist die Frage, wie Journalisten mit der AfD umgehen sollten, eigentlich nicht so schwierig zu beantworten: so kritisch wie mit allen Parteien. Entlarven werden sich ihre Repräsentanten dann schon selbst. Ob deswegen die Umfragewerte der Rechtsradikalen sinken würden, ist eine andere Frage, doch Parteien zu schwächen oder zu stärken, ist ohnehin nicht die Aufgabe von Journalisten.

Anders als manche ihrer Berufskollegen war die ARD-Moderatorin Caren Miosga am Sonntagabend klug genug, sich selbst nicht zur Partei zu machen, als sie den AfD-Chef Tino Chrupalla zu Gast hatte: Sie befragte ihn hart, begegnete ihm aber auch nicht frostiger oder aggressiver, als sie es mit Vertretern anderer Parteien getan hätte. Das Ganze wirkte – zumindest für deutsche Standards – erstaunlich unverkrampft.
Von oben herab sollte man ihn nicht behandeln
Miosga machte auch nicht den Fehler, den Malermeister aus Sachsen von oben herab zu behandeln. Als der Historiker Michael Wolffsohn Chrupalla letztes Jahr in einer TV-Runde sprachliche und analytische Unbeholfenheit vorwarf, lag er zwar richtig, dürfte bei manchen Zuschauern aber einen Solidarisierungseffekt ausgelöst haben: Wer selbst Schwierigkeiten hat, seine Meinung stringent zum Ausdruck zu bringen, mag sich in vielen Fällen mit Chrupalla identifiziert haben.
Die Sendung vom Sonntag ging glimpflich für den AfD-Chef aus. Das lag auch daran, dass er anders als sein Parteikollege Björn Höcke, der kürzlich in einem TV-Duell arg in Bedrängnis geriet, auf dem Boden des AfD-Programms steht. Nun besteht das Problem mit der AfD nicht in ihrem Programm, das in weiten Teilen dem der SVP oder auch jenem der CDU der Achtziger-Jahre gleicht, sondern in den extremistischen Äusserungen zahlreicher Mitglieder, darunter solcher mit Führungsverantwortung. Nur kann man dies eben an Chrupalla weniger gut zeigen als an Höcke.
Also musste ein Abwesender herhalten: Maximilian Krah, der Spitzenkandidat für die Wahl zum EU-Parlament. Konfrontiert mit dessen rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen, liess sich Chrupalla zu der Aussage hinreissen, er wisse nicht, ob Krah sein Buch selber geschrieben habe. Überzeugend wirkten Chrupallas Distanzierungsversuche nicht, zählt Krah doch längst zu den führenden Köpfen der Partei.
Die Angst vor dem deutschen Jörg Haider
Wird die AfD durch TV-Auftritte gestärkt oder schadet es ihr eher, wenn ihre Vertreter kritisch befragt werden? Ihre Umfragewerte sind in den letzten Wochen trotz vermehrter Fernsehpräsenz leicht zurückgegangen. Allzu viel ableiten sollte man daraus wohl nicht: Hätte die AfD einen telegenen, gerissenen und schlagfertigen Politiker vom Typus Jörg Haider, könnte sie TV-Auftritte gewiss für sich nutzen. Dann würden diese für die anderen Parteien tatsächlich zum Problem.
Der Blick nach Österreich zeigt allerdings auch, dass Ignorieren kein Ausweg aus dem Dilemma wäre: Dass der ORF keine FPÖ-Politiker einladen würde, wie manche es von ARD und ZDF im Hinblick auf die AfD fordern, ist undenkbar. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Relevante politische Kräfte müssen im Fernsehen vorkommen. Sonst wird das Fernsehen irrelevant.
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Björn Höcke
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