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Von «persönlich entsetzt» bis «starker Wind der Freiheit»: Reaktionen auf den AfD-Rekorderfolg

Erstmals in der Nachkriegszeit könnte eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommen. Ein politisches Beben dürfte die Wahl in Sachsen-Anhalt in jedem Fall auslösen. So fallen die Reaktionen aus.
Thorsten Frei, Fraktionschef der deutschen CDU. (Bild: Keystone)
Enttäuscht über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: SPD-Chef Lars Klingbeil. (Bild: Keystone)
Eigentlich hatte sich die rechtspopulistische Lega-Partei von Matteo Salvini von der AfD distanziert. Nun beglückwünscht der italienische Vize-Regierungschef die deutsche Partei. (Bild: Keystone)
Anders als sein Kollege Matteo Salvini bedauert Italiens Vizeregierungschef und Aussenminister Antonio Tajani das gute Abschneiden der AfD. (Bild: Keystone)
Die AfD habe ihre Ziele klargemacht - wer sie gewählt habe, trage Verantwortung für dieses Ergebnis, sagt Zentralratspräsident Josef Schuster. (Bild: Keystone)
Die rechte österreichische FPÖ jubelt über den Triumph der AfD in Sachsen-Anhalt. (Bild: Keystone)
Fassungslos über den AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt: der polnische Regierungschef Donald Tusk (Bild: Keystone)
Gratuliert der AfD: der tschechische Parlamentspräsident Tomio Okamura (Bild: Keystone)
In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. (Bild: Keystone)

Unionsfraktionschef Frei spricht von «Zäsur»

Unionsfraktionschef Thorsten Frei bezeichnet das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt als einschneidendes Ereignis.

«Das ist eine Zäsur für unser Land», sagte er gegenüber der ARD. Noch nie habe eine vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Mehrheit erreicht.

Thorsten Frei, Fraktionschef der deutschen CDU. (Bild: Keystone)

Das Ergebnis sei selbstverständlich zu respektieren, sagte Frei weiter. Die CDU müsse nun analysieren, warum sie die Menschen mit ihrer Politik nicht erreiche. Eine Debatte über Kanzler Friedrich Merz wies Frei zurück und warnte vor falschen Schlussfolgerungen.

SPD-Klingbeil spricht von «Abend, der mich betrübt»

SPD-Chef Lars Klingbeil zeigt sich betroffen über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Gegenüber dem ZDF sprach er von einer «Zäsur» und einem Abend, der ihn betrübe.

Enttäuscht über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: SPD-Chef Lars Klingbeil. (Bild: Keystone)

Viele Menschen in Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland hätten nun Angst und Sorgen wegen des starken AfD-Ergebnisses, sagte Klingbeil. Die SPD werde sich weiter dafür einsetzen, dass Deutschland weltoffen bleibe.

Trump postet Hochrechnung zur Sachsen-Anhalt-Wahl

US-Präsident Donald Trump hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf seinem reichweitenstarken Truth-Social-Account thematisiert. Gepostet wurde dort die Abbildung einer Hochrechnung mit Stand 19.57 Uhr (deutscher Zeit). Trump liess die Balken-Grafik, die den Sieg der AfD zeigt, für sich stehen und kommentierte sie nicht weiter. Die AfD sucht seit längerem immer wieder die Nähe und Kontakt zu Trumps Partei - den Republikanern.

Italiens Vize-Regierungschef Salvini gratuliert AfD

Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini hat der AfD zu ihrem Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gratuliert. «Glückwunsch an meine Freundin Alice Weidel und die gesamte AfD zum Triumph in Sachsen-Anhalt!», schrieb der Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega bei X. Hochrechnungen zufolge ist die AfD bei der Wahl stärkste Kraft geworden.

Eigentlich hatte sich die rechtspopulistische Lega-Partei von Matteo Salvini von der AfD distanziert. Nun beglückwünscht der italienische Vize-Regierungschef die deutsche Partei. (Bild: Keystone)

Salvini erklärte, die Entwicklungen machten die «starke Forderung nach Veränderung, Sicherheit und Arbeit» deutlich. «Angst? Terror? Gefahr? Nein, das nennt sich DEMOKRATIE. Ein anderes Europa ist möglich», fügte er hinzu. Vor der Wahl seien «Ängste und Katastrophenszenarien» geschürt worden.

Italiens Aussenminister: AfD -Erfolg «schlechte Nachricht»

Italiens Aussenminister und Vizeregierungschef Antonio Tajani hat das Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als «äusserst schlechte Nachricht» bezeichnet. Er hoffe, der Wahlerfolg der AfD in dem ostdeutschen Bundesland bleibe eine «lokale Ausnahme», erklärte der Chef der konservativen Regierungspartei Forza Italia in einer Stellungnahme. Hochrechnungen zufolge ist die AfD bei der Wahl stärkste Kraft geworden.

Anders als sein Kollege Matteo Salvini bedauert Italiens Vizeregierungschef und Aussenminister Antonio Tajani das gute Abschneiden der AfD. (Bild: Keystone)

Tajani bezeichnete die AfD als eine politische Kraft, die den «liberalen und westlichen Werten, mit denen sich Forza Italia identifiziert, diametral entgegengesetzt» ist. Die Entscheidung der Wähler sei zwar zu respektieren. Es müsse jedoch verhindert werden, dass eine «populistische und fanatische Entwicklung in Europa um sich greift», zitierten italienische Medien Tajani.

Zentralrat der Juden entsetzt über AfD-Wahlerfolg

Der Zentralrat der Juden äussert sich schockiert über den Erfolg der rechtspopulistischen AfD bei der Landtagswahl in dem ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt.

«Der Ausgang der Wahl ist noch offen, aber fest steht bereits: Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei ist in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der «Welt» zu den ersten Trends am Wahlabend.

Die AfD habe ihre Ziele klargemacht - wer sie gewählt habe, trage Verantwortung für dieses Ergebnis, sagt Zentralratspräsident Josef Schuster. (Bild: Keystone)

Er fügte hinzu: «Ich bin von diesem Wahlergebnis persönlich entsetzt.» Es sei in den vergangenen Monaten klar ersichtlich gewesen, welche Ziele die AfD verfolge. «Wer sie heute gewählt hat - trotz oder wegen dieser Ziele - trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.»

FPÖ-Chef sieht Weidel bereits als künftige Kanzlerin

Der Chef der rechten österreichischen Partei FPÖ, Herbert Kickl, hat den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt als Zeichen eines politischen Umbruchs in Deutschland bezeichnet. «Mit dem heutigen Tag weht wieder der starke Wind der Freiheit von 1989 durch Deutschland», sagte Kickl und zog einen Vergleich zum Mauerfall. Die Wähler in Sachsen-Anhalt hätten die «undemokratische Brandmauer» gegen die AfD eingerissen, so Kickl.

Die rechte österreichische FPÖ jubelt über den Triumph der AfD in Sachsen-Anhalt. (Bild: Keystone)

Die «patriotische Wende» in Deutschland nehme immer mehr an Fahrt auf und werde «letztlich mit einer Bundeskanzlerin Alice Weidel ihren endgültigen Durchbruch erzielen», sagte der Oppositionspolitiker Kickl über die AfD -Chefin.

Tusk: Nur Idioten erfreut über AfD-Triumph

Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat sich angesichts des AfD-Erfolgs bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fassungslos gezeigt. «In Polen können sich nur Idioten oder Verräter am Triumph der AfD in Deutschland erfreuen», schrieb der liberalkonservative Politiker am Wahlabend bei der Online-Plattform X. Nicht wenige davon hätten sich in den Oppositionsparteien Konfederacja und Recht und Gerechtigkeit (PiS) versammelt.

Fassungslos über den AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt: der polnische Regierungschef Donald Tusk (Bild: Keystone)

Gratulation aus Tschechien

Im Nachbarland Tschechien gratulierte Parlamentspräsident Tomio Okamura der AfD im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT zu ihrem Wahlerfolg. «Ich hoffe vor allem, dass sie Teil der neuen Regierungskoalition im Bundesland Sachsen-Anhalt sein wird», sagte der Gründer der rechten Partei Freiheit und direkte Demokratie (SPD).

Gratuliert der AfD: der tschechische Parlamentspräsident Tomio Okamura (Bild: Keystone)

Proteste in Berlin und Frankfurt gegen AfD-Triumph

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat es in mehreren deutschen Städten Proteste gegen die AfD gegeben. In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Auch in der deutschen Hauptstadt Berlin gingen am Abend Hunderte Menschen mit ähnlichen Forderungen auf die Strasse. In Mainz wurde ebenfalls deswegen demonstriert.

In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. (Bild: Keystone)

Durch das Berliner Regierungsviertel zog am Abend ein Protestzug unter dem Motto «Demokratie verteidigen! - AfD Verbot jetzt!» bis zur Vertretung des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Von der Polizei hiess es, die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten habe im unteren dreistelligen Bereich gelegen. Auch am Brandenburger Tor wurde demonstriert.

An dem Berliner Wahrzeichen ist für Montagabend eine grössere Kundgebung gegen die AfD angemeldet. Ab 18 Uhr werden der Polizei zufolge 5000 Menschen am Brandenburger Tor erwartet. (dpa/watson.ch)

 
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