«Ergibt überhaupt keinen Sinn»: Trumps neue Sprecherin und ihr rätselhafter Lebenslauf
Immerhin: Der Chef gab sich zufrieden. Als Donald Trump am Dienstag gefragt wurde, ob er vom ersten Auftritt seiner neuen Pressesprecherin Katie Zacharia angetan sei, da sagte der amerikanische Präsident gleich zweimal: «Ich fand sie sehr gut.»
Damit stand er allerdings weitgehend allein da. Selbst Verbündete fanden, die Debüt-Pressekonferenz der 41-Jährigen im Weissen Haus habe zu wünschen übrig gelassen. So zitierte der einflussreiche Newsletter «Politico Playbook» eine Quelle im Umfeld von Trump mit den Worten: «Entweder man hat es oder man hat es nicht. Und sie hat es nicht.»
Eine Anspielung auf die zahlreichen Versprecher, die Zacharia hinter dem Podium unterliefen. Auch beantwortete die nervöse Sprecherin während des 14 Minuten dauerenden Auftritts bloss die Fragen von drei (konservativen) Medienschaffenden. Und obwohl ihre Vorgängerin Karoline Leavitt berüchtigt dafür war, kritische Fragen mit einer bissigen Bemerkung abzutun, hätten einige Journalisten sie gern zurück.
Scaramucci wünscht Zacharia «alles Gute»
In Washington wird deshalb darüber spekuliert, wie lange Zacharia den Titel «White House Press Secretary» tragen darf. Wie immer in solchen Momenten erinnerten Spassvögel an das kurze Gastspiel von Anthony Scaramucci, der in der ersten Amtszeit von Präsident Trump nur gerade elf Tage lang als Kommunikationschef im Weissen Haus überlebte, bevor er zurücktreten musste. «Ich wünsche ihr alles Gute», sagte der Rekordhalter Scaramucci dazu auf dem Onlinedienst X.
Natürlich gab es auch Stimmen, die Zacharia verteidigten. So betonte Sean Spicer, der 2017 immerhin ein halbes Jahr denselben Job ausgeübt hatte, wie anspruchsvoll die Arbeit eines Pressesprechers sei. Er habe sich wochenlang auf seinen ersten Einsatz im Weissen Haus vorbereitet, sagte Spicer. Zacharia wiederum habe bereits an ihrem zweiten Arbeitstag ans Podium treten müssen – wo sie prompt eine Frage zum Ukraine-Krieg nicht beantworten konnte.
Diese Aussage von Spicer deutet auf das eigentliche Problem im Zusammenhang mit der Berufung von Zacharia hin: Trump. So liess sich der Präsident von der TV-Kommentatorin umschwärmen, als er nach dem Rücktritt von Leavitt nach einer Nachfolgerin suchte. Angeblich stimmte sie ihre Auftritte in konservativen Sendern mit dem Tagesprogramm des Präsidenten ab, um sicherzustellen, dass er sie mitverfolgen konnte.

Das funktionierte, wie «Politico» berichtete. Trump sah Zacharia regelmässig auf Fox News und Newsmax, und er begann sich für sie zu interessieren. Eine gute Darbietung vor einer Fernsehkamera, das zeigte schon die Berufung des Moderators Pete Hegseth zum Verteidigungsminister, ist immer noch die schnellste Art, um im Weissen Haus von Präsident Trump Karriere zu machen.
Und dennoch hatten die wenigsten Beobachter mit Zacharia gerechnet. Als die Wahl des Präsidenten am vorigen Freitag auf sie fiel, da überraschte Trump auch einige seiner Berater. Und ziemlich schnell stellte sich heraus, dass die Personalie nicht mit der nötigen Sorgfalt überprüft worden war. So bezeichnete Trump seine neue Pressesprecherin auf dem Onlinedienst Truth Social, für den Zacharia zuletzt gearbeitet hatte, als Anwältin.
Das scheint aber nicht der Wahrheit zu entsprechen. Zwar stimmt es, dass Zacharia in den Nullerjahren an der Pepperdine University in Malibu (Kalifornien) ein Jus-Studium absolvierte. 2011 verlieh ihr die juristische Fakultät der christlich-konservativen Kaderschmiede den Titel Juris Doctor.
Dieser akademische Grad allerdings berechtigt die Juristin nicht automatisch dazu, in einem der 50 US-Bundesstaaten als Anwältin tätig zu werden. Dazu hätte sie auch noch das jeweilige «Bar Exam», vergleichbar mit einer Anwaltsprüfung in der Schweiz, bestehen müssen.
Der unabhängige Journalist Judd Legum jedoch durchforschte sämtliche Datenbanken, in denen alle Anwälte in den USA verzeichnet sind. Und Katie Zacharias Name war in keiner aufgeführt – obwohl sie selbst in ihren zahlreichen Fernsehauftritten immer wieder gesagt hatte: «Ich bin Anwältin.»
Zacharia sagt, sie sei auf internationales Recht spezialisiert
Auf diesen Widerspruch angesprochen, sagte Zacharia am Dienstag im Weissen Haus: Sie habe ihren Anwaltstitel bekommen, als sie 2011 zusammen mit ihrem Gatten für zwei Jahre nach China zog. Später präzisierte sie in einem TV-Interview: «Ich habe mich auf internationales Vertragsrecht spezialisiert, mit den entsprechenden Qualifikationen.»
Das klingt alles sehr vage. Und Legum wies umgehend darauf hin, dass ein chinesisches Anwaltspatent – sofern Zacharia sich im Besitz eines solchen Dokuments befinden sollte – in den USA nicht gültig wäre. Die Erklärungsversuche von Zacharia «ergeben überhaupt keinen Sinn», lautete deshalb das Fazit des Journalisten.
Trump sagte dazu vorerst nichts. Ihm mag diese Mini-Kontroverse egal sein. Und für Zacharia zählt ohnehin vor allem eines: dass der Chef zufrieden ist.
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