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Jetzt ist er vollends grün: Trumps Pool-Desaster wird immer rätselhafter

Der US-Präsident liess ein berühmtes Wasserbecken in Washington mit blauer Farbe aufmotzen. Doch der Pool verfärbte sich anders als gedacht. Um das Wahrzeichen ist ein heftiger Streit entbrannt.
Kaum renoviert, schon sanierungsbedürftig: Ein Mitarbeiter entfernt Algen aus dem Reflecting Pool in Washington. (Bild: Mark Schiefelbein)
Risse in der Auskleidung des Pools. (Bild: Mark Schiefelbein)
Arbeiten am Reflecting Pool. (Bild: Mark Schiefelbein)

Es ist der Aufreger derzeit in Washington: ein grünlich trüber Pool. US-Präsident Donald Trump hatte das nicht im Sinn gehabt, als er das Wasserbecken entlang der Parkanlage National Mall, an der viele berühmte Denkmäler stehen, renovieren liess.

Mit blauer Farbe – genauer: das Blau der amerikanischen Flagge – wurde der Reflecting Pool auf sein Geheiss ausgekleidet, damit dieser noch besser die Monumente rundherum reflektiert. Doch das Wasser wurde nach der Renovierung grünlich. Der Fall, der wie eine Posse anmutet, wird seither immer rätselhafter.

So richtig scheint kein Aussenstehender mehr durchzublicken – diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man Touristen an diesem Wochenende anspricht, die fasziniert oder auch zum Teil belustigt von der Szenerie Fotos machen. Es wird spekuliert, warum das Wasser grün wurde.

Risse in der Auskleidung des Pools. (Bild: Mark Schiefelbein)

Spricht man fünf Leute an, bekommt man fünfmal eine andere Geschichte erzählt. Waren Vandalen am Werk? Sind das Algen? Ist das Pfusch beim Renovieren gewesen? Oder ist es, wie ein Mann, der die Trump-Regierung in Schutz nehmen will, behauptet: einfach nur die Reflexion der grünen hohen Bäume um das Wasserbecken? Was alle eint: Niemand will seinen Namen nennen. Manche verweisen auf Überwachungskameras im Umfeld des Pools.

Der Fall zeigt vor allem eines: Es geht hier nicht nur um Wasser. Es geht um die Frage, ob man für oder gegen Trump ist. Eine Frau sagt, der Pool stehe für den Zustand der aktuellen Regierung.

Trump sagt, er habe Ahnung davon

Der Reihe nach: Trump frohlockte, als er Anfang Juni die fertiggestellte Sanierung des Beckens bekanntgab. Der US-Präsident hatte versichert, er habe in seiner Karriere schon viele Swimmingpools bauen lassen und Ahnung davon. Die Beschichtung werde vielleicht 50 bis 100 Jahre halten.

«Elf oder zwölf Lastwagenladungen voller Müll» seien aus dem Becken geholt worden. So etwas hätten seine demokratischen Vorgänger nicht hinbekommen. Mehr als 10 Millionen US-Dollar kostete die Renovierung. In Medien war von fehlenden Ausschreibungen die Rede.

Arbeiten am Reflecting Pool. (Bild: Mark Schiefelbein)

Der Präsident lässt derzeit vielerorts Denkmäler in der US-Hauptstadt säubern. Trump sticht in seiner zweiten Amtszeit damit hervor, dass er der Stadt architektonisch eine Prägung geben will – Gegner sprechen von Geltungssucht. Auf dem Gelände des Weissen Hauses liess er einen Flügel abreissen – dort soll ein riesiger Ballsaal entstehen. Und er plant einen Triumphbogen in der Stadt. Seine Anhänger finden das gut.

Doch dann kam es im Fall des Reflecting Pools anders als gewünscht: Algen plagen die Anlage laut Experten seit ihrer Wiedereröffnung. Das Becken ist vergleichsweise flach und erwärmt sich im Sommer stark. Arbeiter rückten mit Schläuchen und Saugern an, um gegen die Algen anzukämpfen.

Seither veränderte sich der Zustand des Wassers immer wieder. Obendrein löste sich Bodenbeschichtung. Trump brachte ein Messer ins Spiel, mit dem die Beschichtung eingerissen worden sei. Und er sprach von ätzenden Chemikalien, die in das Becken gelangt seien.

«Vandalen» sollen am Werk gewesen sein

Trump will Schuldige ausgemacht haben. «Es sind schreckliche Menschen. Sie sind Vandalen», sagte er am Freitag. Er sprach von sechs Festnahmen - «vielleicht sogar mehr». Weitere Verdächtige sollten bald gefasst werden. Ins Detail ging Trump nicht. Die Polizei hatte davor die Bevölkerung mit Aufnahmen aufgerufen, bei der Identifizierung einer Person, die sich am Wasserbecken aufhielt, zu helfen. Am Samstag sprach Trumps Innenminister Doug Burgum bei Fox News von bislang sieben Festnahmen.

Das US-Innenministerium teilte diese Woche auf Anfrage mit, dass man zunächst von einem Einzelfall ausgegangen sei. Um Nachahmer nicht zu ermutigen, habe man den Vorfall nicht öffentlich gemacht. Weil man gehofft habe, dass es ein einmaliges Ereignis bleiben werde. Doch dann habe es weitere Vorfälle gegeben. Erst dann sei klar geworden, dass es sich um einen Trend handele, den Pool mutwillig zu beschädigen. Der zeitliche Ablauf des ganzen Falls ist unklar.

Der Pool gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen der US-Hauptstadt. Das rund 600 Meter lange Wasserbecken liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument - dem bekannten Obelisken. Es bildete auch die Kulisse, vor der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. 1963 seine berühmte Rede «I Have a Dream» hielt. Eine Frau sagt am Wasserbecken stolz, es soll die Geschichte Amerikas reflektieren. Die Monumente spiegeln sich darin.

Jetzt ist die Fläche wieder umzäunt. Schilder verweisen auf Explosionsgefahr und auf den 4. Juli. Viele fragen sich warum. Von Behördenseite ist zu hören, dass die Zäune wegen der anstehenden Feierlichkeiten samt großem Feuerwerk Anfang Juli aufgestellt wurden. Dann feiert Amerika 250. Geburtstag.

Die Amerikaner werden dort vielleicht neben einem trüben Pool stehen. Trump kündigte die Reparatur für danach an. Dafür muss das Wasser wieder abgelassen werden. (dpa)

 
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