Khameneis Sohn wird oberster Führer im Iran
Im Iran ist mitten im Krieg der Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Khamenei zum neuen religiösen und staatlichen Oberhaupt gewählt worden. Das gab das zuständige Wahlgremium laut der Nachrichtenagentur Irna und dem staatlichen Rundfunk Irib bekannt.
Der 56-jährige Modschtaba Khamenei wurde vom sogenannten Expertenrat, dem wichtigsten religiösen Gremium des Landes, ernannt. In dem Amt wird er künftig das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen haben. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst bereits deutlich gemacht, dass er Modschtaba Khamenei als neues staatliches Oberhaupt ablehne. Dessen Vater war bei einem israelischen Luftangriff am 28. Februar in Teheran getötet worden.

Der Expertenrat habe «trotz der akuten Kriegssituation und der direkten Drohungen der Feinde» keinen Augenblick gezögert, hiess es in einer von Irna veröffentlichten Mitteilung des Gremiums. Die Entscheidung sei nach «sorgfältigen und umfassenden Prüfungen» erfolgt.
Dauer der Amtszeit nicht festgelegt
Der oberste Führer im Iran war bislang die unangefochtene Autorität. Er vereint die politische Macht und religiöse Legitimation und bestimmt letztlich die strategische Ausrichtung des Staates. Seine Macht beruht gemäss der Staatsideologie auf der sogenannten «Velajat-e Faghih», der Herrschaft eines islamischen Rechtsgelehrten.
Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt Schlüsselpositionen in Justiz und Militär und kontrolliert mächtige Gremien. Eine feste Amtszeit gibt es nicht. Kritiker sehen in der Institution eine kaum kontrollierte Machtposition.
Einflussreich, aber meidet die Öffentlichkeit
Modschtaba Khamenei gilt seit Langem als einflussreich, trat in den vergangenen Jahren jedoch kaum öffentlich in Erscheinung. Nur wenige Bilder von ihm sind bekannt. Viele Insider im Iran spekulieren seit Längerem, dass er im Schatten seines Vaters grossen Einfluss ausgeübt hat. So soll er im Hintergrund unter anderem Angelegenheiten im Büro des Religionsführers gesteuert haben. Wo er politisch genau steht, ist jedoch weitgehend unklar.

Der 56-Jährige dürfte den unerbittlichen Kurs seines Vaters aber zunächst fortsetzen. Er gilt als vertrauter Akteur staatlicher Unterdrückung, heisst es etwa in einer Analyse der Denkfabrik Atlantic Council. So soll er während der Grünen Bewegung 2009, die nach Vorwürfen der Wahlfälschung bei der Präsidentschaftswahl entstand, eine Schlüsselrolle bei der Niederschlagung der Proteste gespielt haben.
Trump bezeichnete Modschtaba Khamenei als «inakzeptabel»
Trump machte bereits vor wenigen Tagen in einem Telefongespräch mit dem Nachrichtenportal Axios klar, dass er den Sohn des getöteten Chamenei als neues staatliches Oberhaupt nicht gutheissen würde: «Khameneis Sohn ist für mich inakzeptabel. Wir wollen jemanden, der Harmonie und Frieden in den Iran bringt». Modschtaba Khamenei sei ein «Leichtgewicht», sagte er laut Axios.
Noch bevor die Wahl des 56-Jährigen öffentlich bekannt wurde, drohte Trump dem Iran am Sonntag zudem, sollte Washington nicht in die Nachfolge des getöteten iranischen Staatsführers einbezogen werden. Es brauche die Zustimmung der USA, sagte Trump dem Sender ABC News nach dessen Angaben. «Wenn er unsere Zustimmung nicht erhält, wird er nicht lang im Amt bleiben.»
Kindheit geprägt von Revolution und Krieg
Modschtaba Khamenei wurde 1969 als zweiter Sohn des Ende Februar getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Khamenei in der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad geboren. In seiner Kindheit erlebte er turbulente Jahre und den Sturz der Monarchie, der 1979 in der Islamischen Revolution mündete.
Mit 18 Jahren trat er in den letzten Jahren des Iran-Irak-Kriegs den Revolutionsgarden bei. Das Land war zu diesem Zeitpunkt vom Krieg gezeichnet, weite Teile zerstört. Sein Vater, damals noch Präsident, hatte sich bereits im iranischen Machtzentrum positioniert.
Religiöse Ausbildung im spirituellen Zentrum Irans
Modschtaba Khamenei entschied sich schliesslich für den Weg der schiitischen Theologie und studierte bei konservativen Gelehrten in Ghom, dem spirituellen Zentrum des Iran. Rund 90'000 Geistliche leben in der Stadt, die rund 150 Kilometer südlich von Teheran liegt. Dort begann er auch später zu lehren. Ein iranischer Professor im Ruhestand bezeichnete ihn als «zeitgemässer» als seinen Vater. Doch auch er dürfte Israel als Erzfeind betrachten.
Er trägt den religiösen Titel eines Hodschatoleslam. Ursprünglich verlangte die iranische Verfassung zur Ernennung zum obersten Führer einen höheren Rang, den des Grossajatollahs. Die Wahl seines Vaters durch den Expertenrat löste 1989 eine Kontroverse aus, da ihm die höchste schiitische Gelehrtenautorität fehlte. Mit einer Verfassungsänderung wurden die Anforderungen an das Amt gesenkt. (dpa)
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