«Die wollen das Schiff in die Luft jagen»: Hantavirus-Schiff angekommen – davor haben die Passagiere Angst
Auf dem Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» ist das Hantavirus ausgebrochen. Bisher sind drei Menschen auf dem Schiff an der Erkrankung gestorben. Am Sonntagmorgen hat es nun die zu Spanien gehörende Insel Teneriffa erreicht. Von da aus werden die Passagiere dann in ihre Heimat gebracht.
In den Tagen seit dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik hat sich unter den spanischen Passagieren Besorgnis breitgemacht. Sie fürchten zwar weniger eine Ansteckung, sondern vielmehr, wie sie nach ihrer Rückkehr an Land empfangen werden. Auslöser sind reisserische Medienberichte und hämische Memes, die Passagiere an Bord der «Hondius» an den Pranger stellen.
«Wenn man in die sozialen Medien schaut – da wollen sie das Schiff in die Luft jagen», sagt ein Passagier aus Spanien der Nachrichtenagentur AP am Telefon. «Sie wollen es versenken.» Er sorge sich, als Virenträger stigmatisiert zu werden, den man besser meiden sollte – oder Schlimmeres. Wegen dieser Bedenken wollte der Mann lieber anonym bleiben.
Ebenfalls anonym blieb eine andere spanische Frau, die sagte: «Man sieht, was draussen vor sich geht, und erkennt, dass man direkt ins Auge eines Hurrikans steuert.»
WHO: «Das ist nicht der Beginn einer neuen Pandemie»
Ein Kreuzfahrtschiff, auf dem sich ein Virus verbreitet – das ruft Erinnerungen an die Corona-Zeit hervor. Doch ein solcher Vergleich ist laut der Weltgesundheitsorganisation unangebracht. Seit Tagen bemühen sich Vertreter der WHO, Parallelen zwischen dem Coronavirus und dem Hantavirus zu entkräften. Sie betonen, dass das Hantavirus für die breite Öffentlichkeit nur ein sehr geringes Risiko darstellt.
«Dies ist ein völlig anderes Virus. Ich möchte mich hier ganz unmissverständlich ausdrücken», sagte die Leiterin des WHO-Programms für Epidemie- und Pandemievorsorge, Maria Van Kerkhove. «Dies ist nicht der Beginn einer Covid-Pandemie.»
Das Hantavirus wird üblicherweise durch das Einatmen kontaminierter Ausscheidungen von Nagetieren übertragen und lässt sich nicht leicht von Mensch zu Mensch weitergeben. Der bei dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff nachgewiesene Andes-Typ kann sich jedoch in seltenen Fällen auch zwischen Menschen verbreiten.
Widerstand aus der Politik
Wie schon während der Corona-Zeit schenken manche Menschen den Einschätzungen der medizinischen Experten keinen Glauben. Die spanische Gruppe «Iustitia Europa», die durch ihren Widerstand gegen Beschränkungen während der Pandemie Bekanntheit erlangte, forderte, der «Hondius» das Anlaufen spanischer Häfen zu untersagen. «Die Kanarischen Inseln dürfen nicht zu Europas Gesundheitslabor werden», schrieb die Gruppe auf der Plattform X. «Wir fordern Transparenz, Verantwortung und Schutz für die Spanier, um eine Wiederholung der Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.»
Andere gehen eher in die Defensive. Der Regionalpräsident der Kanarischen Inseln, Fernando Clavijo, sagte der spanischen Zeitung «El País», er werde erst dann wieder ruhig schlafen können, wenn das Schiff Spanien verlassen habe und sich alle Passagiere auf dem Weg zu ihren jeweiligen Quarantänen befänden.
Die Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, widersprach der Entscheidung, die 14 spanischen Passagiere des Schiffes in ein Militärkrankenhaus in der spanischen Hauptstadt zu verlegen. Dort sollen sie nach Angaben der Behörden unter Quarantäne gestellt werden.
«Gesellschaft ist kontaminiert»
«Wir haben Meldungen gesehen, wonach niemand dieses Boot haben will. Dass es ein Boot voller Infizierter sei – ein Boot von Multimillionären, voller Ratten», sagt der spanische Passagier. «Die Gesellschaft ist gewissermassen kontaminiert – durch viel Lärm und viele Lügen.»
Er schöpfe jedoch etwas Trost aus der Zusicherung der spanischen Behörden, bei ihrer Ankunft auf Teneriffa offiziellen Geleitschutz zu erhalten. Auf der Kanareninsel hatten am Donnerstag Hafenarbeiter protestiert und fehlende Informationen über die geplanten Schutzmassnahmen kritisiert.
Geplant ist, dass die Passagiere und Besatzungsmitglieder am Sonntag beginnen, das Schiff zu verlassen.
Der Spanier berichtet, eine Gruppe Spezialisten sei an Bord gekommen, als das Schiff noch vor der Küste der Kap Verden lag. Sie hätten ihn darüber informiert, wie selten eine Übertragung von Mensch zu Mensch vorkomme, und damit beruhigt.
Was können die Passagiere auf dem Schiff eigentlich noch tun?
Den Tagesablauf an Bord der «Hondius» beschrieb er als entspannt: Wer sich aus seiner Kabine in die Gemeinschaftsbereiche wagt, entspannt sich dort beim Lesen oder besucht Vorträge – stets mit Mundschutz und unter Einhaltung der Abstandsregeln. Einige machen morgens gemeinsam Gymnastik an Deck.
Andere gehen an die frische Luft und versuchen, Vögel zu entdecken. Viele der Passagiere hatten gehofft, von einigen der abgelegensten Orte der Erde mit Fotos von Wildtieren zurückzukehren. Sich selbst wollten sie nicht im grellen Licht der Weltöffentlichkeit wiederfinden.
Dennoch erklären beide spanischen Passagiere, sie könnten sich für die Zukunft wieder eine Kreuzfahrt vorstellen. «Für mich persönlich ist das Reisen ein Mittel, um das auszuleben, wofür ich brenne – nämlich die Natur zu beobachten und zu dokumentieren», erklärt die Spanierin. «Natürlich würde ich wieder eine Kreuzfahrt machen.» (dpa/chm)
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