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Kanaren-Präsident kritisiert Regierung: Spanien streitet über Hantavirus-Schiff

Nach mehreren Hantavirus-Fällen und drei Todesopfern soll das Kreuzfahrtschiff «Hondius» einen Hafen auf den Kanaren anlaufen. Aber auf den Inseln regt sich Widerstand.
Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo , wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). (Bild: AP)
Menschen infizieren sich meist nicht durch direkten Kontakt mit den Tieren, sondern durch das Einatmen von virusbelasteten Partikeln. (Bild: AP)
Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden «Hondius» gestorben. (Bild: AP)

Der geplante Anlauf eines von Hantavirus-Fällen betroffenen Kreuzfahrtschiffs auf den Kanarischen Inseln sorgt in Spanien für Aufregung und politischen Streit. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo , wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er beklagt «fehlende Transparenz» und fordert ein «dringendes Treffen» mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.

Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo , wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). (Bild: AP)

«Wir haben (von der Zentralregierung) bislang keinerlei Informationen erhalten, und auch keinen offiziellen Antrag für das Anlaufen auf den Kanaren», sagte Clavijo im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE. Er habe Sánchez und Gesundheitsministerin Mónica García per Whatsapp um Gespräche gebeten. Bisher stütze sich seine Regierung ausschliesslich auf Medienberichte.

Das spanische Gesundheitsministerium hatte am Dienstagabend mitgeteilt, die Entscheidung, dass das Schiff die Kanaren anlaufen soll, sei in Abstimmung mit der WHO und der EU gemäss internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden. Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit im Atlantik vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas.

Teneriffa hat eine auf Epidemien spezialisierte Klinik

Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden «Hondius» gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. An Bord befanden sich demnach zuletzt insgesamt 149 Menschen: 88 Passagiere (darunter ein Todesfall) und 61 Crewmitglieder. Die grösste Nationalitätsgruppe stellen Briten (19) und US-Amerikaner (17), gefolgt von Spaniern (14).

Menschen infizieren sich meist nicht durch direkten Kontakt mit den Tieren, sondern durch das Einatmen von virusbelasteten Partikeln. (Bild: AP)

Nach spanischen Medienberichten soll das Schiff die bei Touristen sehr beliebte Insel Teneriffa anlaufen, wo es mit dem Hospital Candelaria eine auf Epidemien spezialisierte Klinik gibt. Zudem solle der infizierte Schiffsarzt mit einem medizinisch ausgestatteten Flugzeug auf die Kanaren ausgeflogen werden, berichteten Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid.

Bei zwei untersuchten Passagieren wurde nach Angaben des südafrikanischen Gesundheitsministeriums ein Typ des Hantavirus festgestellt, bei dem Infektionen zwischen Menschen bei engem, länger andauerndem Kontakt möglich sind.

«Die Gefahr ist real»

Clavijo forderte Klarheit über die Entscheidungsgrundlage. «Wenn das Risiko wie behauptet gering ist, verstehen wir nicht, warum die Passagiere drei Tage bis zu einem kanarischen Hafen weiterfahren müssen, wenn sie auch von einem Flughafen in Praia (Kap Verde) aus evakuiert werden könnten», sagte er. Es spreche nichts dagegen, die Reisenden direkt in die Niederlande auszufliegen - dort habe die Reederei ja ihren Sitz.

Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden «Hondius» gestorben. (Bild: AP)

Auf die Frage, ob er sich einem Anlaufen auf den Kanaren widersetzen würde, ging der Regionalpräsident nicht direkt ein. «Wir brauchen mehr Informationen.» Angesichts der fehlenden Transparenz «können weder die Bevölkerung auf den Kanaren noch die Regionalregierung beruhigt sein, denn die Gefahr ist real». Von Medien befragte spanische Experten entgegneten, das Risiko für die Bevölkerung des Archipels im Atlantik sei gering. «Sogar Null, oder kleiner als Null, würde ich sagen», betonte der Epidemiologe Amos García in RTVE. (dpa)

 
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