Buckelwal «Timmy»: Konvoi fährt weiter Richtung Norden
Kurz nach 19 Uhr war zu beobachten, wie «Timmy» in seinem Wasserbecken schwimmt und seine Fluke heftig bewegt. Er schwimmt auffällig in Richtung des Ausgangs der Barge. Zudem hat er eine Fontäne geblasen. Zwei Helfer begleiten ihn in einem Gummiboot innerhalb der Barge. Die Sonnenschutz-Tücher, die zuvor über dem Wal angebracht waren, wurden inzwischen entfernt. Bereits kurz nach halb sieben war ein Helfer direkt im Wasserbecken bei «Timmy», um seine Haut feucht zu halten. Drei weitere Helfer standen oben auf der Barge.
Die Barge war am Nachmittag auf einer Seite geöffnet worden, sodass «Timmy» eigenständig in die Nordsee schwimmen kann. Der Schlepper «Fortuna B» mit der angehängten Barge sowie das Begleitschiff «Robin Hood» fuhren am Freitagnachmittag wieder stetig Richtung Norden, wie beim Schiffs-Ortungsdienst Vesselfinder zu beobachten war. Das Absperrnetz an der Barge war bereits zuvor entfernt worden. Die Freilassung war gemäss Rettungsinitiative für «ungefähr 17 Uhr» geplant – abhängig vom Wetter.
Am Morgen hatte der Konvoi den nördlichsten Punkt Dänemarks, nahe der Stadt Skagen, fast erreicht. Dort fliessen Kattegat und Skagerrak zusammen – der Übergang zur Nordsee. Wegen des hohen Wellengangs musste der Konvoi jedoch abdrehen und fuhr zwischenzeitlich wieder Richtung Süden. Das Verletzungsrisiko für den Wal in der Barge sei bei dem Wellengang zu gross, hiess es aus dem Team.

Peilsender angebracht, Netz entfernt
Jens Schwarck von der privaten Rettungsinitiative sagte, am Wal sei mittlerweile ein Peilsender angebracht worden. Das Netz an der Barge könne zudem schnell entfernt werden, falls der Wal vorzeitig freigelassen werden müsse – etwa wenn er sich unwohl fühle oder die Situation für ihn zu gefährlich werde.
Mitglieder der Initiative bekräftigten am Mittag, dass jeder Kilometer Richtung Nordsee zähle. Die Freilassung sei ursprünglich in der Nordsee oder weiter im Atlantik geplant gewesen.
Wochenlange Strandung, umstrittene Rettungsaktion
Der etwa vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. Rund zwei Drittel der folgenden 60 Tage verbrachte er in Flachwasserzonen – zuletzt vier Wochen vor der Insel Poel bei Wismar. Am Dienstag wurde der rund zwölf Meter lange und geschwächte Wal in die wassergefüllte Stahlbarge bugsiert und seither in Richtung Nordsee transportiert.
Die private Initiative handelte dabei gegen den ausdrücklichen Rat zahlreicher Wissenschaftler, Fachinstitutionen und Tierschutzorganisationen. Auch die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte sich gegen den Transport ausgesprochen. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) wies darauf hin, dass die Missachtung solcher Empfehlungen «politisch und rechtlich problematisch» sein könne.
Kaum Chancen auf Auffangstation
Die private Initiative hatte als Plan B eine Auffangstation ins Gespräch gebracht, falls der Wal zu schwach für die Freilassung sein sollte. Laut WDC gibt es in Europa zwar Stationen für Kleinwale – Einrichtungen mit Kapazitäten und Erfahrung für einen Buckelwal dieser Grösse seien jedoch «weder in Europa noch weltweit bekannt». Generell würden Grosswale nicht in menschliche Obhut gebracht. WDC betonte zudem, dass Tiere, die einmal in Gefangenschaft kämen, in den meisten bekannten Fällen nicht mehr ausgewildert werden könnten.
Meeresbiologe Fabian Ritter hatte zudem Zweifel geäussert, ob der Wal nach der langen Liegezeit noch normal schwimmen und tauchen könne. In seinem Maul wurden Netzteile gefunden, was auch die Nahrungsaufnahme beeinträchtige.
Dänemark hilft nicht
Sollte «Timmy» nach der Freilassung erneut stranden, wäre in Dänemark keine Hilfe zu erwarten. Das dänische Umweltministerium teilte mit, gestrandete Meeressäugetiere grundsätzlich nicht zu retten. Strandungen seien «ein natürlich vorkommendes Phänomen», in das nicht eingegriffen werden solle. (mke/watson.ch)
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