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Russische Soldaten von autonomen KI-Drohnen getötet

Eine ukrainische Einheit hat mit komplett autonomen Drohnen russische Soldaten getötet und einen Lastwagen zerstört. Der Test fand bereits vor zwei Jahren statt.
Ein ukrainischer Ingenieur testet eine Drohne. (Bild: Keystone)

Es ist ein bedenklicher historischer Moment – aber es war nur eine Frage der Zeit, bis es dazu kam: Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sollen Drohnen ohne menschliches Zutun feindliche Soldaten autonom als Gegner erfasst und nach einer eigenständigen Entscheidungsfindung auf dem Schlachtfeld getötet haben.

Eine nicht weiter spezifizierte ukrainische Einheit habe den Test vor zwei Jahren in der Region von Bachmut und Tschassiw Jar durchgeführt. Dies berichtete der Drohnen-Unternehmer Alexander Kokhanovskyy bei einem Presseevent vor wenigen Tagen in der ukrainischen Botschaft in London gegenüber dem traditionsreichen britischen Wissenschaftsmagazin «New Scientist».

Ein ukrainischer Ingenieur testet eine Drohne. (Bild: Keystone)

Laut eigenen Angaben lieferte Kokhanovskyy dafür die Technologie, erklärte aber weiter, es sei bei dem einen Versuch geblieben. Die Fähigkeiten seien nie «im grösseren Rahmen weiter implementiert» worden. Aktuell verbietet die Ukraine noch den Einsatz von KI in der Endphase der Zielerfassung. Genau das sollen die Drohnen bei dem Test aber gemacht haben. Die Aussagen Kokhanovskyys, der angibt, selbst nicht vor Ort gewesen zu sein, können nicht unabhängig geprüft werden.

Beim Einsatz seien zehn «Terminator»-Drohnen drei bis fünf Kilometer an die Frontlinie geschickt worden, wo sie nach zehn Minuten in den «Terminator-Modus» mit automatischer Zielerkennung und -erfassung geschaltet haben. Ob dieser Modus Freund und Feind unterscheiden kann, ist nicht kolportiert – darf aber bezweifelt werden. Laut Kokhanovskyy existieren davon keine Videoaufzeichnungen: «Wir starteten sie und wussten, dass danach alles tot sein würde – alles, was man in diesem bestimmten Gebiet vorfand, würde tot sein. Eine Verbindung zu den Drohnen gab es nicht, nicht einmal Video, gar nichts … Alles, was sie sahen, wurde getötet.»

Das Resultat sei später von menschengesteuerten Aufklärungsdrohnen überprüft worden. Diese hätten «ein paar tote Soldaten und einen zerstörten Lastwagen» vorgefunden. Das ukrainische Militär kommentierte Anfragen von «New Scientist» nicht.

Der militärische Einsatz von KI nahm in den letzten Jahren schlagartig zu. Ein KI-System von Palantir steht im Verdacht, für die Bombardierung einer Mädchenschule im Iran und den Tod von über 160 Kindern mitverantwortlich zu sein. Neu am Fall in der Ukraine ist, dass kein Mensch in die tödliche Entscheidungsfindung involviert war. Zielerkennung, Zielerfassung und die Ausführung wurden einem Algorithmus überlassen. Einzig für den Start der Drohnen waren noch Menschen verantwortlich.

Am selben Event bestätigte das ukrainische Militär indes, dass halbautonome Systeme bereits im Einsatz sind. Sie erfassen und verfolgen feindliche Ziele automatisch. Der Befehl, ein Ziel zu vernichten, liege aber in den Händen eines Soldaten.

Seit Längerem wird gemunkelt, dass vollautonome KI-Drohnen im Kriegseinsatz sind – in der Ukraine, in Libyen – auch die USA verfügen über solche Systeme. Der «Test» bei Bachmut und Tschassiw Jar ist aber die bisher klarste Aussage einer involvierten Person. Es braucht nicht die Vorstellungskraft von J. R. R. Tolkien, um sich auszumalen, dass sich die Technologie in den vergangenen zwei Jahren weiterentwickelt haben dürfte.

Vom Gamer zum Unternehmer

Der heutige Drohnen-Unternehmer Alexander Kokhanovskyy war früher passionierter «Counter-Strike»-Spieler und eine wichtige Figur in der eSports-Szene. Unter dem Namen ZeroGravity ist er bekannt dafür, 2009 das erfolgreiche eSports-Team Natus Vincere gegründet zu haben. NaVi gewann bis heute über fünf Millionen US-Dollar Preisgelder und gilt als eines der besten Teams weltweit.

Kokhanovskyy gründete später mit dem Russen Anton Cherepennikow verschiedene E-Sports-Brands, in die der kremlnahe Oligarch Alisher Usmanow 100 Millionen Dollar investierte. 2018 zog er sich von diesen Unternehmungen zurück.

Kokhanovskyy kaufte später das traditionelle Hotel Dnipro in Kiew. Ukrainische Medien äusserten den Verdacht, dass er dabei Hilfe von russischen Investoren erhielt, was er verneinte.

2022 zeigte er sich mit einer AK-47 auf Social Media und gab an, Teil einer 20-köpfigen Eingreiftruppe in Kiew zu sein, als russische Truppen vor den Toren der Hauptstadt standen. (tog/watson)

 
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