Konvergenzbewegungen auch im Finanzsektor

In fast allen Ländern, vor allem aber in Liechtenstein und der Schweiz, können seit 2008 fallende Einnahmen und Gewinnmargen beobachtet werden. Neben gestiegenen IT-Kosten und Compliance-Anforderungen, die gerade für kleinere Banken eine grosse Herausforderung darstellen, spielt das aktuelle Niedrigzinsumfeld eine wichtige Rolle. Ein Faktor, welcher den liechtensteinischen Bankensektor stärker als andere Staaten trifft, da der Fokus auf das traditionelle Zinsdifferenzgeschäft ausgeprägter ist. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis hat sich in den meisten Ländern seit der Finanzkrise verschlechtert. Auch wenn die Bankenstudie diesbezüglich von Liechtenstein als «verlorenem Paradies» spricht, zeigt sich, dass sich hierzulande der Wert seit 2012 wieder verbesserte, während dies in der Schweiz und anderen Ländern, wo sich viele Banken noch immer in kritischen Bereichen bewegen, nicht der Fall ist. Auch die verwalteten Kundenvermögen pro Mitarbeitenden haben sich in Liechtenstein in den letzten vier Jahren wieder erhöht. Die Erholung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zu einer internationalen Konvergenzentwicklung gekommen ist. Hauptgrund dafür sind die internationalen «Weissgeld»-Initiativen und der Verlust von diesbezüglichen Standortvorteilen in Liechtenstein und der Schweiz.
Annäherung an die Schweiz
Über die Bankenstudie hinaus gedacht sieht man, dass die im internationalen Vergleich hohen Löhne am liechtensteiner Bankenplatz sich immer noch gut durch die hohe Wertschöpfung pro Beschäftigten begründen lassen (auch bei den verwalteten Kundenvermögen pro Beschäftigten liegt Liechtenstein immer noch an der internationalen Spitze). Allerdings: Wenn Einnahmen und Gewinne pro Mitarbeitenden sich den internationalen Entwicklungen annähern, müsste dies auch für die Löhne beobachtbar sein. Eine ökonomische Faustregel besagt, dass die inflationsbereinigte Lohnentwicklung mittelfristig im Einklang mit der Produktivität sein sollte. Wenn Löhne zu wenig steigen, heisst dies implizit, dass die Kapitaleigner zu Lasten der Arbeitnehmenden überproportional stark profitieren. Steigen sie zu stark, kann dies zu volkswirtschaftlichen Verzerrungen führen, an deren Ende Pleiten oder Firmenwegzüge stehen. Strukturanpassungen, und hierzu gehört auch die Lohnentwicklung, sind schmerzhaft, bilden aber die Grundlage für zukünftigen Erfolg. Tatsächlich haben sich die Lohnkosten pro Beschäftigten bei den liechtensteiner Banken seit 2007 reduziert. Da Löhne typischerweise rigide sind, passen sie sich aber nur langsam an.
Neben den internationalen Konvergenztendenzen im Bankensektor, welche die Bankenstudie offenbart, kann man, andere liechtensteinische Daten analysierend, eine noch stärkere Annäherung zwischen dem Fürstentum und dem eidgenössischen Nachbarn feststellen. Dass dies nicht nur für den Bankensektor gilt, wurde schon in Publikationen des Liechtenstein-Instituts und der KOFL gezeigt. Die Konvergenzentwicklung zwischen den beiden Ländern kann nämlich auch für BIP-Wachstum, gesamtwirtschaftliche Produktivität, Bruttonationaleinkommen pro Kopf und Median-Löhne nachgewiesen werden.
Aus volkswirtschaftlicher Perspektive muss gesagt werden, dass der Finanzdienstleistungssektor sehr wichtig ist für Liechtenstein. Zwar war er verantwortlich für den Anstieg der gesamt-wirtschaftlichen Volatilität Liechtensteins in den letzten zwei Jahrzehnten und führte zu Überhitzungen (zum Beispiel verstärkten ansteigende Löhne im Finanzbereich den Lohndruck in anderen Sektoren). Er trägt aber zu einer besseren Diversifikation bei und weist eine hohe Produktivität aus, was gerade im Kleinstaat mit geringen Ressourcen und wenig Boden zentral ist.
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