Mutmassliche sexuelle Übergriffe: Lehrer sitzt in Untersuchungshaft – er stand nicht auf der schwarzen Liste
Mitte März bekam das Erziehungsdepartement des Kantons Tessin Hinweise, ein Lehrer an einer Sekundarschule im Raum Bellinzona könnte gegenüber einer Schülerin übergriffig geworden sein. Das Erziehungsdepartement schaltete umgehend die Staatsanwaltschaft ein. Diese führte am 17. März ein erstes Verhör mit dem verdächtigen Lehrer durch. Seither befindet sich der 37-jährige Schweizer in Untersuchungshaft. Dem Mann werden sexuelle Handlungen mit mehreren minderjährigen Mädchen zur Last gelegt. Die Ermittlungen befinden sich noch im Anfangsstadium, wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei am Donnerstag mitteilten. Weitere Details - etwa das Alter der mutmasslichen Opfer - geben die Untersuchungsbehörden auch aus Rücksicht auf die Opfer derzeit nicht bekannt.
Aufgrund der schwerwiegenden Vorwürfe hat der Regierungsrat den Lehrer mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben suspendiert und eine Disziplinaruntersuchung gegen ihn eröffnet. Die Leitung der betroffenen Schule informierte am Donnerstag die Lehrpersonen und die Familien über das Strafverfahren. Der Regierungsrat und das Erziehungsdepartement sprachen allen Betroffenen ihr Mitgefühl aus. Sie hielten fest, dass Übergriffe auf die körperliche Integrität nicht toleriert würden.
112 Lehrpersonen befinden sich auf der schwarzen Liste
Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) führt eine schwarze Liste über Lehrpersonen mit einem Tätigkeitsverbot. Ein solches kann wegen Sexualdelikten, aber auch wegen psychischer Probleme oder Suchterkrankungen erlassen werden. Lehrerinnen und Lehrer müssen vor einer Anstellung einen Sonderauszug aus dem Strafregister vorweisen.
Der Lehrer, gegen den im Tessin ermittelt wird, war bis jetzt offenbar strafrechtlich unbescholten. Jedenfalls befand er sich nicht auf der schwarzen Liste, auf der momentan keine Tessiner figurieren.
Insgesamt haben in der Schweiz 112 Lehrpersonen in 13 Kantonen ein Berufsverbot. Bei knapp 130'000 Lehrpersonen entspricht das einem Anteil von 0,09 Prozent. Im Kanton Zürich (26) sind es am meisten, gefolgt von Bern (20), St. Gallen (16) sowie Genf und Luzern (je 11). Im Kanton Zürich verloren etwas mehr als die Hälfte der Lehrpersonen die Berufsberechtigung wegen des Konsums von illegaler Pornografie, der Rest mehrheitlich wegen sexueller Belästigung. Dies sagte Volksschulamtsleiterin Myriam Ziegler gegenüber dem «Tagesanzeiger».
Die Zeitung kritisierte, dass längst nicht alle Kantone Lehrpersonen melden würden, die wegen eines Sexualdelikts verurteilt worden seien – und die schwarze Liste deshalb unvollständig sei. Die meisten Personen auf der schwarzen Liste unterrichteten auf der Primarstufe. Eine grosse Mehrheit erhielt ein unbefristetes Verbot.
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