«Es hätte tote Polizisten geben können»: Explosion im Tessin war wohl eine Falle
Vier Tage nach der Bluttat von Faido steht das Tessin noch immer unter Schock – derweil die Polizei neue Hintergründe bekannt gibt. Ein 59-Jähriger erschoss am Donnerstagabend in der Rehaklinik in Faido seine Ex-Frau, von der er sich vor rund 20 Jahren getrennt hatte. Wie Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, dauerte sein Besuch rund eine Stunde. Danach flüchtete der Tessiner in ein Haus in Leontica im Bleniotal. Die Polizei machte ihn erst am Tag darauf ausfindig.
Drei Einsatzkräfte einer Sondereinheit betraten das Gebäude, als sie ein metallisches Geräusch hörten und ein Teil des Hauses explodierte. Einer der Polizisten wurde von der Detonation erfasst. «Es dauerte zehn Minuten, bis ihm geholfen werden konnte», sagte Polizeihauptmann Andrea Cucchiaro am Montag laut dem Tessiner Fernsehen RSI. Er geht davon aus, dass es sich um eine Falle handelte. Die Einsatzkräfte halfen ihrem Kollegen unter ständiger Angst, dass der Täter noch lebte. Erst später wurde klar, dass er bereits tot war.
Polizisten hätten sterben können
Der Verband Schweizerischer Polizeibeamter zeigt sich tief betroffen über die Geschehnisse und drückt den drei verletzten Polizisten seine Unterstützung aus. Der Einsatz verdeutliche «einmal mehr, dass Polizistinnen und Polizisten täglich unter schwierigen und unvorhersehbaren Bedingungen arbeiten».
Dass sich der Verband zu Wort melde, liege einerseits daran, dass es sich um einen besonders gefährlichen Polizeieinsatz gehandelt habe, sagt Generalsekretär Max Hofmann. «Es hätte noch viel Schlimmeres passieren können, bis hin zu toten Polizisten.»
Andererseits wolle man wegen der vielen Femizide aufrütteln. «Auch wenn die Schweiz das längst sein müsste», wie Hofmann betont. Jede getötete Frau sei eine zu viel, heisst es in der Mitteilung.
Seit Jahresbeginn sind laut dem Rechercheprojekt «Stop Femizid» in der Schweiz bereits 17 Frauen mutmasslich Opfer eines Femizids geworden, drei davon im Tessin. Die nationale Zahl liegt ähnlich hoch wie zum gleichen Zeitpunkt 2025. Das Vorjahr ging mit einem traurigen Höchststand in die Geschichte ein: Über das ganze Jahr hinweg wurden 27 Frauen von ihren aktuellen oder ehemaligen Partnern oder von einem männlichen Familienmitglied getötet.
Der Täter von Faido war krank
Für den Verband der Polizeibeamten ist klar, dass häusliche Gewalt und Femizide mit Prävention, Opferschutz und einer engen Zusammenarbeit aller Behörden konsequenter bekämpft werden müssen. Ausserdem fordert er eine Aufstockung der Polizeikorps. Dies auch mit Blick auf Massnahmen wie die elektronische Fussfessel.
Der kantonsübergreifende Verein «Electronic Monitoring» will nächstes Jahr ein System einführen, um Gewalttäter rund um die Uhr überwachen zu können. Ihm gehören 24 Kantone an – alle ausser das Wallis und das Tessin. Max Hofmann hofft, dass auch sie sich noch anschliessen. Die Fussfessel sei ein wichtiges Instrument, sagt der Polizeivertreter. Zumindest unter der Voraussetzung, dass genügend qualifiziertes Personal vorhanden sei, um im Ernstfall eingreifen zu können. «Genau darum, aber nicht nur, braucht die Polizei zwingend mehr Ressourcen», sagt Hofmann.
Im Fall des Femizids von Faido war der Täter der Polizei zwar bekannt, allerdings nicht wegen häuslicher Gewalt. Man hänge diesbezüglich von Meldungen der Betroffenen ab, und solche habe es keine gegeben, sagte Polizeihauptmann Cucchiaro laut RSI. Die Tessiner Kantonspolizei teilte ausserdem mit, dass nach der Bluttat eine weitere Person unter Schutz gestellt worden sei.
Laut dem Portal «Tio.ch» war der Täter todkrank, was zu einem Streit mit seiner Ex-Frau über Erbschaftsfragen geführt habe. Die Polizei bestätigt einzig, dass der Mann krank gewesen sei und sie die Krankenakte angefordert habe. Alles andere bleibt vorerst Spekulation.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.