Nach Femizid in Faido: Mutmasslicher Täter zerstört Haus mit Sprengstoff
Leontica, ein beschauliches Dorf im Bleniotal und beliebtes Ausflugsziel, ist am Freitagabend Schauplatz des letzten Aktes eines Verbrechens geworden. Die Polizei suchte einen 59-jährigen Mann, der am Vorabend beim Spital in Faido seiner Ex-Frau mit einer Pistole in den Kopf geschossen hatte.
Die 56-Jährige erlag wenige Stunden nach dem Angriff ihren schweren Verletzungen. Täter und Opfer stammen aus dem Bleniotal. Die Beziehung war laut Tessiner Medien von Spannungen geprägt.
Am Freitagabend alarmierten Anwohner um etwa 19 Uhr die Polizei, nachdem der mutmassliche Täter aus einem Haus in Leontica mehrere Schüsse abgefeuert hatte. Laut RSI hatte er zuvor eine Servicefrau in einem Restaurant bedroht.
Als sich um circa 19.40 Uhr mehrere Polizisten dem Haus näherten, in dem sie den Flüchtigen vermuteten, kam es zu mehreren Explosionen. Das unbewohnte Haus, das dessen Bruder gehört, fing Feuer und wurde komplett zerstört.
Die Detonation war bis ins Tal hinunter zu hören, beim Camping in Acquarossa spürte man die Erschütterung. Viele glaubten zunächst, es habe ein Blitz eingeschlagen; zu diesem Zeitpunkt war ein heftiges Gewitter im Gang.
Vorerst war unklar, ob der Mann bei der Aktion entkam. Am Samstagmorgen teilte die Tessiner Kantonspolizei mit, dass in dem Gebäude menschliche Überreste gefunden worden seien. Am späten Nachmittag folgte dann die Bestätigung, dass es sich bei dem Toten um den mutmasslichen Mörder von Faido handelt.
Die umliegenden Gebäude wurden evakuiert und fingen dank des Einsatzes der Feuerwehr kein Feuer. Polizei und Rettungskräfte rückten am Freitagabend mit einem Grossaufgebot aus.
Am Samstag war die Zone um das Haus des Tatorts gesperrt, wie «Schweiz heute» bei einem Augenschein vor Ort erfuhr. Der forensische Dienst der Kantonspolizei Zürich suchte die Gegend nach Sprengstoff ab. Mehrere Tessiner Polizisten sicherten Spuren, die Feuerwehr war immer noch vor Ort.
Der Schock in Leontica und im Bleniotal sitzt tief. Einige Touristen verliessen den Ort vorzeitig. Die Ferienidylle ist gestört.
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