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Gesundheitswesen kostet bald 90 Milliarden

Keine Entwarnung für die Prämienzahler: Gemäss einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle KOF wird das Gesundheitswesen auch in den nächsten Jahren teurer. Am schnellsten wachsen die Kosten für ambulante Behandlungen, die allein über Prämien finanziert werden.
Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der teuersten der Welt. Die Kosten wachsen in den nächsten Jahren ungebremst weiter. (Archivbild)
Das Schweizer Gesundheitswesen ist eines der teuersten der Welt. Die Kosten wachsen in den nächsten Jahren ungebremst weiter. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Die letzten gesicherten Zahlen stammen aus dem Jahr 2015. Damals kostete das Schweizer Gesundheitswesen 77,75 Milliarden Franken. Dieses Jahr werden es gut 84 Millionen Franken sein.

2019 überschreiten die Kosten die Schwelle von 90 Milliarden Franken, wie aus der am Dienstag publizierten Prognose der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich hervorgeht. Das wären dann rund 10'500 Franken pro Einwohner.

Unerwünschte Nebenwirkung

Das Gesundheitswesen wird damit jedes Jahr etwa 4 Prozent teurer. Im ambulanten Bereich, der im Gegensatz zu stationären Behandlungen ausschliesslich von den Prämienzahlern finanziert wird, steigen die Kosten jedoch überdurchschnittlich schnell: Die KOF geht von einem Kostenwachstum von 4,8 Prozent pro Jahr aus.

Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Behandlungen ambulant durchgeführt werden. Das ist politisch zwar erwünscht, weil ambulante Behandlungen kostengünstiger sind als stationäre. Doch die Prämienzahler berappen damit einen immer grösseren Anteil an den Gesundheitskosten: 1995 gingen noch knapp 26,8 Prozent der Kosten zu Lasten der Krankenkassen und damit der Prämienzahler. 2019 werden es über 36 Prozent sein.

Und so muss Gesundheitsminister Alain Berset alle Jahre wieder einen markanten Prämienaufschlag ankündigen: Nächstes Jahr steigen die Prämien im Durchschnitt um 4 Prozent und damit im Gleichschritt mit den von der KOF prognostizierten Gesundheitskosten.

Sparanstrengungen verpufft

Ohne Sparanstrengungen wäre der Aufschlag für die Versicherten noch happiger. Bei den Medikamentenpreisen kann der Bund jährlich rund 80 Millionen Franken sparen. Wegen der Anpassung des Ärztetarifs Tarmed müssen Spezialärzte ab 2018 rund 500 Millionen Franken sparen.

Weitere Sparmassnahmen sind geplant, aber höchst umstritten. So ist zum Beispiel seit Jahren keine Einigung darüber zu Stande gekommen, wie die Zulassung neuer Ärzte eingeschränkt werden könnte. Bundesrat und Parlament streiten auch darüber, ob die Versicherten für Bagatellfälle vermehrt selber aufkommen sollen.

Ende Oktober hat eine von Bundesrat Alain Berset eingesetzte Expertengruppe 38 Massnahmen vorgeschlagen, mit welchen der Anstieg der Gesundheitskosten gebremst werden könnte. Unter anderem schlug sie eine Obergrenze vor, über welcher Leistungen nur noch eingeschränkt vergütet würden.

Mit der Zulassung innovativer Projekte könnten kostendämpfende Massnahmen getestet werden. Der Bundesrat will nächsten Frühling entscheiden, welche Ansätze er weiterverfolgen will.

Warten auf den Bundesrat

Die Gesundheitskommission des Ständerats (SGK) begrüsst dieses Vorgehen und will den Entscheiden des Bundesrats daher auch nicht vorgreifen. Wie die Parlamentsdienste am Dienstag mitteilten, hat die SGK zwei Initiativen der Nationalratskommisison ohne Gegenstimmen abgelehnt.

Eine hat die Schaffung einer Tariforganisation für den Ärztetarif TARMED zum Ziel. Die andere verlangt von Ärzten und Spitälern, zusammen mit den Krankenkassen Massnahmen zur Steuerung von Kosten und Leistungen auszuarbeiten. Auch zwei Motionen von Ständerat Erich Ettlin (CVP/OW), die die Auslegeordnung des Bundesrats präjudizieren würden, lehnte die SGK ab. (sda)

 
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