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Sogar ein «Velo-Animator» wird gesucht: Wie Basel, Luzern, St. Gallen und eine Stadt im Aargau Personal aufstocken

Innerhalb von acht Jahren nahmen die Vollzeitstellen in kantonalen und kommunalen Verwaltungen schweizweit um 9 Prozent zu, allerdings sind die Unterschiede gross. Einige aktuelle Beispiele.
Digitalisierung hin oder her: Die Akten in den Verwaltungen brauchen mehr Platz. (Bild: Christian Beutler / Keystone)

Der Bund baut trotz Sparvorgaben seine Verwaltung weiter aus. 2026 entstehen 378 neue Vollzeitstellen, der Bestand steigt auf knapp 39'000, wie die «Schweiz am Wochenende» in ihrer Titelgeschichte berichtet. Prozentual noch stärker legen die Personalbestände in Kantonen und Städten zu, wie nachfolgende Beispiele zeigen - mit Ausnahmen:

Basel-Stadt: Neue Teilzeitstelle für «Velo-Animator»

In Basel-Stadt ist die Zahl der Vollzeitstellen bei der Verwaltung zwischen 2014 und 2024 um mehr als ein Viertel gewachsen. Im selben Zeitraum betrug das Bevölkerungswachstum lediglich knapp 6 Prozent. Für 2025 sind gegenüber dem Vorjahr bereits wieder fast 200 Vollzeitäquivalente in den sieben kantonalen Departementen hinzugekommen. Erst kürzlich hat die Basler Regierung eine neue befristete Teilzeitstelle beantragt. Die künftige Aufgabe dieser Person: Das Heer an Staatsangestellten dazu bewegen, den Arbeitsweg möglichst mit dem Velo, dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss zu bewältigen.

Luzern: Widerstand gegen Personalzunahme 

Im Kanton Luzern gehört das Budget 2026 zu den finanziell umstrittensten der letzten Jahre. Ursprünglich sah die Regierung ein Ausgabenwachstum von 8,2 Prozent vor. Nach der Intervention der bürgerlichen Mehrheit liegt das Plus nun noch bei 7,6 Prozent. Auch beim Personal wurde korrigiert: Statt der ursprünglich vorgesehenen 234 zusätzlichen Vollzeitstellen sollen es neu 151 sein. Die Bürgerlichen verlangen weiterhin, dass das Stellenwachstum an die Wirtschaftsentwicklung gekoppelt wird. Die Debatte über das revidierte Budget findet am Montag statt.

St. Gallen: 400 zusätzliche Stellen

Auch der Kanton St. Gallen baut seine Verwaltung seit Jahren aus – selbst in Zeiten politisch verordneter Sparprogramme. Zwischen 2017 und 2024 stieg der Personalbestand von 4773 auf 5174 Mitarbeitende, ein Plus von fast 400 Vollzeitstellen oder über zehn Prozent. Gründe sind unter anderem der Ausbau der Kantonspolizei, Digitalisierungsprojekte und zusätzliche Aufgaben im Asylbereich. Parallel dazu klettern die Personalkosten jährlich um rund zwei Prozent. Bürgerliche Kreise kritisieren, der Kanton spare überall, nur nicht bei sich. Die Regierung verweist auf Parlamentsentscheide und Mehraufwand durch das Bevölkerungswachstum.

Zug: Verwaltung wächst dreimal so schnell wie die Bevölkerung

Zwischen 2021 und 2024 wuchs die Bevölkerung im Kanton Zug um etwa 1 Prozent pro Jahr. Die Zahl der Vollzeitstellen in der kantonalen Verwaltung – ohne Bildung und Sicherheit – nahm jedoch um 3,2 Prozent jährlich zu. Ab 2023 steigt die Linie der Verwaltungsstellen deutlich steiler an als jene der Bevölkerung. Politisch hat das eine Diskussion über eine Leitplanke ausgelöst, die das Stellenwachstum an die Bevölkerungsentwicklung koppeln soll. Die FDP hat eine Initiative lanciert.

Aargau: Sparsamer Kanton, ausgabefreudiges Baden

Eine der schlanksten Verwaltungen hat der Aargau. Anders sieht es in den Städten des Mittelland-Kantons aus. Besonders deutlich in Baden: Die rot-grün regierte Stadt erhöhte dieses Jahr die Personalausgaben um 11 Prozent. Der Ausbau betrifft verschiedene Bereiche – von Bildung über Soziales bis zur Stadtentwicklung. Diesen Sonntag gibt es eine Volksabstimmung über eine Steuersenkung, die das Personalwachstum unter Druck setzen könnte.

Solothurn: Bevölkerung lehnt fixe Quote ab

In Solothurn ist das Verwaltungswachstum quasi demokratisch legitimiert. Der Kanton verzichtet auf eine Obergrenze für den Personalbestand. Denn die Stimmbevölkerung verwarf eine Initiative der FDP letztes Jahr mit 55,5 Prozent Nein-Stimmen. Gegner warnten vor dem Abbau von Leistungen, rund 150 Stellen wären betroffen gewesen.

Graubünden: Streit über eine «aufgeblähte Verwaltung»

In Graubünden beschäftigt die kantonale Verwaltung rund 3000 Mitarbeitende. Zu viel, kritisiert die SVP und spricht von «Aufblähung». Sie verlangte im Parlament Kürzungen. Die Regierung widerspricht: Sie sehe kein Potenzial für Abbau und verweist auf steigende Anforderungen im Vollzug von Bundesrecht sowie auf komplexere Aufgaben.

Wallis: Effizienz statt Ausbau

Die Walliser Kantonsverwaltung umfasst rund 3500 Mitarbeitende. Es wurde ein Effizienzprogramm lanciert, das fünf Prozent der Ressourcen freispielen soll – ohne zusätzliche Stellen. Grund sind steigende Anforderungen, etwa in Raumplanung oder Sozialwesen. Der Fokus liegt auf Digitalisierung, besseren Abläufen und Umschichtungen. (saw)

 
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