«Schwarzer Sonntag für unser Land» – Wobmann reagiert auf Niederlage
Walter Wobmann ist ein gefragter Mann am Abstimmungssonntag. In Abwesenheit von Christoph Blocher ist der Leiter des Pro-Komitees das Gesicht der Neutralitätsinitiative und gibt Interview um Interview im Casino Bern. Die Stimme ist zwar gebraucht, aber der Humor ist ihm nicht abhandengekommen: «Steht ‹W› für Walter?», scherzt er als watson ihm das Mikrofon hinhält.
Herr Wobmann, die Neutralitätsinitiative scheitert klar. Wie ist die Gefühlslage bei Ihnen?
Nicht gut. Es ist ein schwarzer Sonntag, für unser Land und unser Volk. Ich mache mir grosse Sorgen. Die Glaubwürdigkeit unseres Landes als neutraler Akteur ist mit dem Entscheid gesunken. Wie sich die heute ausgesandten Signale auswirken, werden wir sehen.
Die Niederlage hat sich schon in den Umfragen abgezeichnet. Hätten Sie mit einer solchen Schlappe gerechnet?
Ich habe erwartet, dass die Initiative abgelehnt wird. Aber das Ergebnis ist deutlicher als gedacht, das ist so.
Man attestiert Ihnen ein Gespür fürs Volk. Haben Sie unterschätzt, dass eben doch viele Menschen in der Schweiz mit der etablierten Neutralität und den Sanktionen gegen Russland einverstanden sind?
Ja, was heisst unterschätzt? Wir haben einfach gesehen, dass eine Diskussion zum Thema dringend nötig ist. Eine Diskussion kann man am besten mit einer Volksinitiative lancieren, das ist uns gelungen. Ohne sie hätten wir nicht über die Sicherheit unseres Landes geredet. Das ist positiv zu werten. Ich stelle mich immer den Herausforderungen im Leben und wusste von Anfang an, dass es mit dieser Initiative keinen Spaziergang gibt. Das Nein ist kein Problem für mich. Ich bin Demokrat und stelle mich dem politischen Wettbewerb.
Nach dem heutigen Abstimmungssonntag ist klar: Die Schweiz will sich in Europa nicht isolieren und keine Gleichgültigkeit gegenüber Autokraten wie Wladimir Putin.
Eigentlich ist es ja umgekehrt. Mit einer klaren Neutralität, wie wir sie wollten, die also bewaffnet und immerwährend ist, wären wir für alle Staaten offen, sei es politisch, wirtschaftlich oder diplomatisch. Das ist Weltoffenheit! Mit einseitigen Sanktionen konzentriert man sich nur auf ein Kriegslager und ergreift Partei. Somit wird man unter Umständen zum Angriffsziel. Wir sind weltoffener als die eigentlichen Abschotter, die Sanktionen ergreifen gegen nur ein Land.
Ihre Seite hat in den letzten Wochen intensiv mit Plakaten geworben, auf denen die Friedenstaube zu sehen ist. Das Symbol wurde traditionell gerne von der politischen Linken genutzt. War es nicht unglaubwürdig, dass Sie und Herr Blocher auf dieses Sujet zurückgegriffen haben?
Ich wollte diese Taube unbedingt auf dem Plakat haben. Sie bedeutet Frieden. Und ich sage einfach: Eine klare Neutralität, integral, immerwährend, bewaffnet, ist der beste Friedensgarant. Sei es im eigenen Land oder anderswo, um bei Verhandlungen zwischen anderen Ländern zu helfen.
Die Idee für die Initiative kam von Christoph Blocher. Im Gegensatz zu Ihnen stellt er sich nicht den Medien. Fühlen Sie sich im Stich gelassen?
Nein, ich habe die Unterschriftensammlung und die Kampagne geleitet. Wenn ich Verantwortung übernehme, ist klar, dass ich hinstehe, das habe ich immer gemacht, egal ob Sieg oder Niederlage. Ich habe ein gutes Team um mich herum, darum fühle ich mich auch heute absolut gut.
Man las viel, dass dieser Abstimmungskampf der letzte von Christoph Blocher sein könnte. Wie ist es bei Ihnen? Sieht man sie nochmals öffentlich für ein politisches Anliegen kämpfen?
Die Zeit wird es weisen. Wenn ich gesund bleibe, bin ich auch weiterhin politisch aktiv. Bei was und in welcher Form werde ich von Fall zu Fall entscheiden.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.