Martin Pfister zum Kosovo-Einsatz: «Wir sammeln wertvolle Erfahrungen unter realen Bedingungen»
Die Schweizer Armee beteiligt sich schon seit 27 Jahren an der Friedensmission im Kosovo. Nun soll der Nationalrat im Juni drei weitere Jahre bewilligen. Ist ein Ende absehbar?
Leider noch nicht. Gerade im Norden des Kosovos zeigen Ereignisse wie jene an Pfingsten 2023, dass die Situation in diesem Teil des Landes fragil und zeitweise angespannt ist. Solange Spannungen bestehen und internationale Stabilität erforderlich ist, bleibt ein Engagement sinnvoll – auch weil Frieden und Stabilität auf dem Balkan ein Interesse der Schweiz ist.
Der Name der Partei von Regierungschef Kurti bedeutet «Selbstbestimmung». Ist die Kfor im Kosovo überhaupt noch erwünscht?
Unsere Beteiligung wird vor Ort sehr geschätzt. Das hat mir mein kosovarischer Amtskollege Ejup Maqedonci bei meinem Besuch im vergangenen Sommer bestätigt.
Was hat der Einsatz der Kfor dem Kosovo bisher gebracht?
Der Einsatz hat klar zu Fortschritten beigetragen. Gleichzeitig bleibt die Lage fragil. Gerade deshalb ist die Präsenz der Kfor zentral. Sie hilft, Eskalationen zu verhindern, die sich auf die ganze Region ausweiten könnten. Entscheidend ist auch, dass die Kfor von allen Parteien akzeptiert wird. Unsere Teams vor Ort, insbesondere die Verbindungsteams, stehen in engem Kontakt mit wichtigen Akteuren im Land. So entsteht ein gutes Lagebild und Spannungen können frühzeitig entschärft werden.
Der Einsatz in Kosovo kostet die Armee pro Jahr rund 50 Millionen Franken. Lohnt sich dieser Aufwand?
Ja, dieser Einsatz ist eine Investition in unsere eigene Sicherheit. Instabilität in Europa betrifft auch die Schweiz, politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Gleichzeitig profitiert unsere Armee direkt vom Einsatz. Wir sammeln wertvolle Erfahrungen unter realen Bedingungen, etwa beim Einsatz neuer Technologien wie Drohnen. Diese Erkenntnisse fliessen unmittelbar in die Weiterentwicklung unserer eigenen Fähigkeiten ein. Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit mit Partnern. Unsere Soldatinnen und Soldaten trainieren mit anderen Streitkräften und wenden gemeinsame Verfahren an. Diese Erfahrungen stärken unsere Verteidigungsfähigkeit ganz konkret.
Die Schweiz entlastet mit ihrer Friedensmission im Kosovo die Streitkräfte anderer Länder, so dass sich diese anderswo engagieren könnten. Ist das nicht ein Bruch mit der Neutralität durch die Hintertür?
Nein. Als Uno-mandatierter Einsatz beruht die Kfor erstens auf dem grundlegenden Einverständnis der Konfliktparteien. Zweitens engagiert sich die Schweiz ausnahmslos für die Friedensförderung; die Teilnahme an Kampfhandlungen zur Friedenserzwingung bleibt ausgeschlossen.
Könnten Sie sich nach einem Waffenstillstand in der Ukraine auch dort einen friedenssichernden Einsatz der Schweiz vorstellen?
Es ist keine Entsendung von Schweizer Truppen in die Ukraine geplant. Wir haben auch keine Anfrage für die Beteiligung an einer militärischen Friedensmission erhalten.
Unter welchen Bedingungen kommen weitere Friedensmissionen der Armee im Ausland in Frage?
Voraussetzung für eine Beteiligung der Schweiz wäre ein Mandat der Uno oder Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE. Bundesrat und Parlament würden dann über einen solchen Einsatz entscheiden.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.