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Sie stehen im Fokus für die Parmelin-Nachfolge

Das Kandidaten-Karussell drehte sich schon lange vor der Rücktrittsankündigung von Guy Parmelin. Das sind die Namen der möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolger.
Die Genfer Nationalrätin Celine Amaudruz. (Bild: Keystone)
Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli. (Bild: Keystone)
Ständerätin Esther Friedli aus St. Gallen. (Bild: Alex Spichale)
Der Zürcher Nationalrat Gregor Rutz. (Bild: Keystone)
Magdalena Martullo-Blocher, Nationalrätin von Graubünden. (Bild: Keystone)
Parteipräsident und Nationalrat Marcel Dettling aus Schwyz. (Bild: Severin Bigler)
Der Thurgauer Nationalrat Pascal Schmid. (Bild: Keystone)
Der Freiburger Nationalrat Nicolas Kolly. (Bild: Keystone)

Folgt auf den SVP-Bundesrat Guy Parmelin erstmals eine SVP-Bundesrätin? Man könnte es meinen, werden in den Medien doch schon seit Monaten drei weibliche Namen als mögliche Nachfolgerinnen des Waadtländers herumgereicht.

Céline Amaudruz

Die Genfer Nationalrätin Celine Amaudruz. (Bild: Keystone)

Die 47-jährige Nationalrätin arbeite auf den Bundesratsposten hin, heisst es aus der SVP-Fraktion - und soll im abtretenden Guy Parmelin einen grossen Unterstützer haben, denn die beiden sind gut befreundet. Mit der Genferin würde ein Romand durch eine Romande ersetzt. Dennoch gibt es grosse Vorbehalte innerhalb der Partei: Amaudruz habe schlicht nicht das «Format» für die Landesregierung, sei zu wenig fleissig (was von anderen bestritten wird) und weiche regelmässig von der Parteilinie ab. Das Risiko, dass sie im Bundesrat ein Eigenleben entwickle, sei zu gross, heisst es. Fraglich ist zudem, ob das Bundesratsamt in Amaudruz' aktuelle Lebensphase passt – sie wurde vor etwas mehr als einem Jahr zum zweiten Mal Mutter.

Natalie Rickli

Die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli. (Bild: Keystone)

Die Zürcher Regierungsrätin bringt vieles mit, was gemeinhin als günstig für eine Kandidatur bewertet wird: Sie kennt das Bundeshaus aus ihren elf Jahren als Nationalrätin und kann sieben Jahre Regierungsverantwortung im grössten Schweizer Kanton vorweisen. In der SVP-Fraktion, deren Aushängeschild Rickli über Jahre war, ist die Skepsis dennoch gross: Ein guter Teil der Fraktion verzeiht der 49-Jährigen ihre Bundesratstreue und relativ strenge Pandemie-Politik während der Coronazeit nicht. Und auch ihr Burnout – Rickli zog sich 2012 für rund sechs Monate aus der Politik zurück – wird ihr angelastet: Man äussert Zweifel an ihrer Belastbarkeit. Der Zeitpunkt von Parmelins Rücktritt kommt für Rickli zudem ungünstig: Sie hat bereits angekündigt, für eine dritte Amtszeit in der Zürcher Regierung zu kandidieren. Gewählt wird im April.

Esther Friedli

Ständerätin Esther Friedli aus St. Gallen. (Bild: Alex Spichale)

Will sie oder will sie nicht? Das scheint die einzige Frage zu sein, wenn es um Esther Friedli geht. Die Ehefrau von Ex-Parteipräsident Toni Brunner gehört zum engsten Machtkreis der SVP, sie gilt als linientreu und ebenso konziliant. Seitdem die 49-jährige St. Gallerin im Ständerat sitze, heisst es, stimme die Gruppe der SVP-Kantonsvertreter geschlossener und disziplinierter. Auch wenn nicht alle restlos überzeugt sind (dass sie kein SVP-Gewächs ist, sondern einst der CVP angehörte, schürt an einigen Orten Misstrauen): «Wenn Esther will, ist sie auf dem Ticket und hat gute Chancen auf eine Wahl», heisst es allenthalben. Das letzte Mal wollte sie nicht: Als es 2022 um die Nachfolge des abtretenden Ueli Maurer ging, lud Friedli mit grossem Tamtam an eine Viehschau in Mels SG – nur, um abzusagen und gleichzeitig ihre Kandidatur für den Ständerat bekannt zu geben.

Aber muss es überhaupt eine Frau sein? «Wir lassen uns sicher keine Quote aufdrängen», sagt ein Deutschschweizer SVP-Parlamentarier. «Weder eine Frauen- noch eine Welschland-Quote. Wir müssen doch unsere Besten schicken.» Nur, wer sind die denn? Folgende Namen werden genannt:

Gregor Rutz

Der Zürcher Nationalrat Gregor Rutz. (Bild: Keystone)

Der Zürcher Nationalrat sei «eine Klasse besser» als jede der genannten Frauen, sagen (männliche) SVP-Kollegen; blitzgescheit, fleissig und über die Parteigrenzen hinaus respektiert. Und mit 53 ist Rutz im perfekten Bundesratsalter. Nur, sagen ihm Nahestehende, wolle er einfach nicht Bundesrat werden. Man geht davon aus, dass er Natalie Rickli promoten würde.

Magdalena Martullo-Blocher

Magdalena Martullo-Blocher, Nationalrätin von Graubünden. (Bild: Keystone)

Die heimliche Chefin der SVP wird immer genannt, wenn es um einen SVP-Bundesratssitz geht. Auch die Konzernlenkerin sei «eine Klasse für sich». Doch ihr Unternehmen ist auch das grösste Hindernis für eine Kandidatur: Sie müsste die Ems Holding in andere Hände geben, würde sie Bundesrätin. Aus anderen Parteien hört man, dass sie sich ohnehin kaum für Politik interessiere, sondern einfach die Erwartungen von Vater Christoph Blocher erfülle. Die 57-Jährige sei kaum je einmal im Nationalratssaal, nehme nur selten an Kommissionssitzungen teil, sondern habe im Bundeshaus einfach ein Aussenbüro der Ems installiert. SVPler bestreiten das vehement: Wie man am Beispiel EU-Verträge sehe, knie sich Martullo richtig rein. Aber eben nur bei den wichtigen Dossiers.

Marcel Dettling

Parteipräsident und Nationalrat Marcel Dettling aus Schwyz. (Bild: Severin Bigler)

Der SVP-Parteipräsident wäre jener Bundesrat, den sich die SVP in Toni Brunner immer gewünscht hat: schlau, wortgewaltig und volksnah. Und so wird auch der 45-Jährige genannt, wenn es um die Nachfolge von Parmelin geht. «Der könnte das», heisst es unisono. Andere hingegen winken ab: Dettling habe kein Interesse am Amt, er fühle sich in seiner jetzigen Funktion mehr als wohl.

Pascal Schmid

Der Thurgauer Nationalrat Pascal Schmid. (Bild: Keystone)

Er sitzt erst seit drei Jahren im Nationalrat, wird aber erstaunlich häufig als Spitzenkandidat genannt: SVP-Asylchef Pascal Schmid. Der 50-Jährige sei vielleicht wenig erfahren, heisst es, dafür aber fleissig, habe sein Dossier im Griff und sei als ehemaliger Gerichtspräsident sicher auch für andere Parteien wählbar. Natürlich gibt es auch zu ihm kritische Stimmen – zu wenig lange dabei, in der Fraktion noch nicht als Überflieger aufgefallen ... Doch «Herrliberg», so wird herumgereicht, würde den Thurgauer gern im Bundesrat sehen. Verknüpft damit wird die Botschaft, Schmid könnte dann gar das Migrations-Departement übernehmen. Wie sehr das alles einer Erzählung folgt, die im Sommer in der «Weltwoche» stand, ist ungewiss. Zudem sieht sich Schmid eher als Nachfolger des 2027 nicht mehr antretenden Ständerats Jakob Stark. In der internen Ausmarchung der Kantonalpartei ist er einer von zwei Bewerbern für den Posten.

Nicolas Kolly

Der Freiburger Nationalrat Nicolas Kolly. (Bild: Keystone)

Er redete im September an der grossen Anti-Abtreibungs-Demo «Marsch fürs Läbe» - und habe sich damit als Parmelin-Nachfolger in Stellung bringen wollen, wird in der Wandelhalle erzählt. Ansonsten ist der 40-jährige Freiburger eher ein unbeschriebenes Blatt. Doch er ist Romand – und dürfte nur schon darum einige Fürsprecher in der Fraktion haben. Allerdings ist Kolly gerade einmal 40 Jahre alt. Und es soll Pläne geben, mit ihm kommendes Jahr den frei werdenden Ständeratssitz der zurücktretenden Johanna Gapany (FDP) zu erobern. «Aber warten Sie nur», sagt ein Parlamentarier, «ganz plötzlich ist der heimlifeisse Kolly Bundesrat.»

Weitere Namen

Damit ist das Kandidaten-Karussell aber noch nicht vollständig. Genannt werden auch der amtierende Nationalratspräsident Pierre-André Page («Parmelin 2.0», aber mit 66 Jahren wohl zu alt), der Berner Nationalrat Lars Guggisberg, die beiden Walliser Michael Graber (Nationalrat) und Franz Ruppen (Regierungsrat). Auch der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati wird erwähnt – er hat aber das gleiche Problem wie Rickli: Seine Haltung in der Corona-Pandemie nimmt man ihm übel.

Drei Wochen haben interessierte SVP-Leistungsträger Zeit, ihre Hüte in den Ring zu werfen. Bis Freitag, 23. Oktober, 12 Uhr, müssen die SVP-Kantonalsektionen ihre Kandidatinnen und Kandidaten melden. Anschliessend finden die Anhörungen in der Findungskommission statt, sodass diese dem Fraktionsvorstand bis Freitag, 13. November ihren Antrag unterbreiten kann. Die Nomination durch die Fraktion soll voraussichtlich in der Fraktionssitzung am Freitag, 20. November, stattfinden.

Ob man mit einem Zweier- oder Dreierticket antreten will, ist noch offen. Dem Vernehmen nach schwankt die Partei zudem zwischen einem Hardliner- und einem «Verantwortungs»-Ticket. Klar scheint nur eins: Die SVP wird das Ticket so bestellen, dass ihr Wunschkandidat die besten Chancen hat. Sie kann das nahezu risikolos tun: Dass jemand gewählt wird, der nicht auf dem Ticket steht, ist ausgeschlossen. Ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen ist die Furcht vor Racheaktionen zu gross.

 
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