Nächste Absage im Bundesratsrennen: So erklärt Franz Grüter seinen Entscheid
Franz Grüter, was ist reizvoll an einem Bundesratsmandat?
Es gibt in der Schweiz kaum ein politisches Amt mit mehr Gestaltungsmöglichkeit und Verantwortung. Als Bundesrat kann man die Zukunft des Landes direkt mitprägen und Entscheide umsetzen, statt sie nur zu fordern.
Sie wurden als möglicher Kandidat gehandelt, Ihnen wird ein hoher «Gmögigkeitsfaktor» attestiert. Steigen Sie ins Rennen?
Nein. Ich habe mir die Frage nach dem Rücktritt von Guy Parmelin ernsthaft gestellt. Zudem haben mich sehr viele Menschen aus der Bevölkerung, aus der Wirtschaft und aus der Partei zu einer Kandidatur ermuntert. Dafür bin ich ihnen dankbar. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich aber entschieden, nicht zu kandidieren. Die Wertschätzung über die Parteigrenzen hinweg freut mich sehr, und ich nehme sie als Ansporn für meine weitere Arbeit im Nationalrat.
Was hat den Ausschlag gegeben für Ihren Entscheid?
Einen solchen Entscheid fällt man nicht leicht und nicht allein. Ich habe ihn gemeinsam mit meiner Familie getroffen. Ein Bundesratsamt bedeutet, dass man für viele Jahre praktisch vollständig in den Dienst des Landes tritt. Wir sind gemeinsam zum Schluss gekommen, dass dies für uns nicht der richtige Weg ist.
Sie haben erwachsene Kinder. Hätten Sie das nicht irgendwie organisieren können?
Familie hört nicht auf, wenn die Kinder erwachsen sind. Es geht nicht um Organisation, sondern um die Frage, wie man die nächsten Jahre leben will. Wir haben regelmässig gemeinsame Familienaktivitäten. Ein Bundesrat hat kaum noch ein Privatleben. Diesen Preis muss die ganze Familie bewusst mittragen. Wir haben ehrlich abgewogen und uns anders entschieden.
Céline Amaudruz ist Mutter von zwei Kleinkindern. Sie reagierte empört auf die Frage, ob dies mit dem Bundesratsamt vereinbar sei. Verstehen Sie ihre Reaktion?
Jede Kandidatin und jeder Kandidat muss für sich selbst entscheiden, wie ein Bundesratsmandat mit der aktuellen Lebenssituation und der Familie vereinbar ist.
Sie sind 63 Jahre alt, und die Zentralschweiz hat mit Martin Pfister bereits einen Sitz. Haben diese Aspekte eine Rolle gespielt?
Das Alter spielte keine Rolle, ich fühle mich voller Energie. Die regionale Ausgangslage ist eine Realität, die man nüchtern zur Kenntnis nehmen muss. Sie war aber nicht entscheidend. Der Kanton Luzern wartet allerdings seit Kaspar Villiger, also seit über zwanzig Jahren, auf einen Sitz im Bundesrat. Ausschlaggebend waren für mich persönliche Gründe.
Im Bundesrat sitzt kein einziger Unternehmer. Es wäre an der Zeit, dass sich Wirtschaftskapitäne zur Verfügung stellen.
Da gebe ich Ihnen recht. Ich habe ein Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitenden aufgebaut und während fast zwanzig Jahren geführt. Diese Erfahrung täte der Landesregierung gut: Wer selber Löhne zahlen, Risiken tragen und Verantwortung für Mitarbeitende übernehmen musste, schaut anders auf Bürokratie, Regulierung und Steuern. Ich hoffe, dass das Parlament diesen Aspekt bei der Wahl gewichtet. Meine Erfahrung als Unternehmer bringe ich weiterhin im Nationalrat ein.
Als Bundesrat hätten Sie die neuen EU-Verträge verteidigen müssen. War das ein Grund für Ihre Absage? Hätten Sie Mühe mit dem Kollegialitätsprinzip?
Das Kollegialitätsprinzip ist ein Grundpfeiler unseres Systems, und wer Bundesrat wird, muss es respektieren. Das hätte ich getan, und es war nicht der Grund für meinen Entscheid. Ich gebe aber offen zu: Die Abstimmung über den EU-Unterwerfungsvertrag ist für mich die wichtigste Weichenstellung seit Jahrzehnten. Als Nationalrat kann ich mich mit voller Kraft und frei von den Pflichten eines Regierungsamtes für die Unabhängigkeit, die direkte Demokratie und die Souveränität der Schweiz einsetzen. Darauf konzentriere ich mich jetzt, ebenso auf die Aussenpolitik in der Aussenpolitischen Kommission und auf die Digitalpolitik, insbesondere die digitale Souveränität unseres Landes.
Viele aussichtsreiche Kandidatinnen und Kandidaten haben verzichtet. Hat die SVP zu wenig Personal?
Im Gegenteil. Die SVP hat ein breites Feld an fähigen Persönlichkeiten aus allen Landesteilen. Dass mehrere Personen verzichten, zeigt vor allem, wie ernst man dieses Amt nimmt. Ich bin überzeugt, dass die Fraktion dem Parlament eine sehr gute Auswahl präsentieren wird.
Wer wäre Ihr Lieblingsnachfolger oder Ihre Lieblingsnachfolgerin?
Diese Frage beantworte ich bewusst nicht. Zuerst sind die Kandidaturen einzureichen, dann wird die Fraktion sorgfältig nominieren. Ich werde meine Meinung dort einbringen, wo sie hingehört: in der Fraktion. Wichtig ist mir, dass die Person die Werte der SVP glaubwürdig vertritt, standfest ist und über die Partei hinaus Vertrauen geniesst.
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