Mehr Schweiz heisst weniger Fleisch: Was wir heute essen – und was sich ändern soll
70 Prozent unserer Nahrung sollen in der Schweiz produziert werden: Die Ernährungsinitiative will mehr Schweiz auf dem Teller – und dafür die Landwirtschaft umkrempeln. Das Volksbegehren, das am 27. September zur Abstimmung kommt, wirft Fragen auf. Wie ist es heute um die Lebensmittelproduktion bestellt? Was essen wir? Und wie viel dessen, was angebaut wird, landet im Futtertrog? Ein Überblick.
Aktuelle Ernährung
Eine Studie von Agroscope untersuchte das Ernährungsverhalten in der Schweiz. Die durchschnittliche Kalorienzufuhr einer Person pro Tag setzte sich 2019 folgendermassen zusammen:

Zukünftige Ernährung
2024 hat der Bund neue Ernährungsempfehlungen verabschiedet, die erstmals auch die Umweltbelastung berücksichtigen. Hält man sich daran, ergibt sich laut Agroscope-Studie diese Kalorienverteilung:

Landwirtschaftliche Flächen
Die Ernährungsinitiative verlangt, dass die Bauern mehr Pflanzen direkt für die menschliche Ernährung anbauen – und nicht für Tierfutter. Das strebt auch der Bund an, unter anderem mit der künftigen Agrarpolitik. Gut ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche ist heute offenes Ackerland, 60 Prozent dient der Produktion von Tierfutter. 58 Prozent der Fläche sind Naturwiesen und Weiden, ein guter Teil in bergiger Lage oder auf schwierigen Böden, sodass eine Umnutzung in Ackerland schwer oder unmöglich wäre. Kunstwiesen, auf denen Gras für die Tierfütterung angesät wird, machen 12 Prozent aus.

Tierfutter statt Essen
Gras, Mais, Eiweisspflanzen: Obwohl auf einem Grossteil der Landwirtschaftsfläche Futter wächst, wird 17 Prozent aus dem Ausland importiert. Insgesamt werden 35 Billionen kcal verfüttert. Das entspricht dem Jahresbedarf von 42 Millionen Menschen. Das Tierfutter dient der Produktion von Nahrungsmitteln mit 3 Billionen kcal. Was heisst: Es bleiben 8 Prozent der Futtermittelenergie übrig. Damit könnten 3,6 Millionen Menschen ein Jahr lang ernährt werden.

Der tägliche Menüplan
70 Prozent Selbstversorgung sind das Ziel der Initiative, über die wir abstimmen. Dies wäre laut einer Agroscope-Studie nahezu erreichbar, würden wir uns entsprechend der Bundes-Empfehlungen ernähren. Die Lebensmittelpyramide übersetzt die Empfehlungen in einen täglichen Menüplan. Die Studie rechnet gestützt auf ein Modellszenario vor, dass wir den Fleischkonsum um 70 Prozent reduzieren müssten. Ein grosser Hebel ist auch die Vermeidung von Foodwaste. Im Schnitt wirft jede Person 80 kg Essen pro Jahr in den Abfall.

Selbstversorgungsgrad
Aktuell werden – Futtermittel miteinberechnet – 42 Prozent der Lebensmittel, die wir in der Schweiz konsumieren, auch hier produziert. Der Bund will ihn bis 2033 auf 47 Prozent erhöhen. Es gibt aber auch Lebensmittel, von denen in der Schweiz mehr produziert wird, als gegessen wird:

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