Mit hoher Heimkehrprämie: Dänemark will Sozialkosten für Flüchtlinge senken
Wer als Flüchtling Dänemark freiwillig verlassen und in die Heimat zurückkehren will, bekommt vom Staat viel Geld für einen Neuanfang. Erwachsene erhalten umgerechnet bis zu 30'600 Franken. Pro Kind kommen bis zu 6100 Franken hinzu. Für eine vierköpfige Familie kann sich der Betrag insgesamt auf mehr als 73'000 Franken belaufen.
Der finanzielle Anreiz ist politisch gewollt hoch und zielt insbesondere auf Syrer: Seit dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad bemüht sich die dänische Regierung verstärkt darum, Syrerinnen und Syrer zur Rückkehr in ihre weiterhin vom Bürgerkrieg gezeichnete Heimat zu bewegen.
Tatsächlich zeigte sich 2025 ein spürbarer Effekt: Die Zahl der Rückkehrer schnellte auf 665; das ist mehr als in der Periode von 2019 bis 2024 zusammen. Gemessen an den über 46'000 Syrerinnen und Syrern in Dänemark – rund 36'000 davon mit vorläufiger Aufnahme – bleibt dies eine verschwindend kleine Minderheit.
Im Nachbarland Schweden waren die Zahlen bisher noch geringer. Nur einzelne wollten mit Geld vom Staat nach Syrien zurückgehen. Die Regierung hat deshalb seit 1. Januar das dänische Modell übernommen und bezahlt jetzt mit 29'600 Franken pro Erwachsenen sowie maximal 42'000 pro Paar und 50'800 pro Haushalt massiv mehr als vorher. Erste Zahlen zeigen, dass das Interesse zunimmt: Bis März haben sich 260 Syrer gemeldet. Allerdings wurden die meisten Gesuche abgelehnt, weil die Bedingungen nicht erfüllt wurden.
Verzicht auf Rückkehrrecht
Berechtigt sind Personen, die keine grösseren Vermögen (Dänemark) und keine Schulden (Schweden) haben, und gegen die kein Strafverfahren läuft. Während Schweden einen Pauschalbetrag ausbezahlt, gibt es in Dänemark einen Grundbetrag, zu dem zusätzlich Geld für Reise, Hausrat, Krankenversicherung sowie Schule und Berufsausrüstung beantragt werden kann. Bei der Auszahlung gibt es zwei Möglichkeiten. Wer den gesamten Betrag auf einmal möchte, verzichtet auf ein Recht auf Rückkehr nach Dänemark. Wer sich dagegen eine Tür offenhalten will, erhält das Geld in zwei Raten – und die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres nach Dänemark zurückzukehren. Der erhaltene Betrag muss dann zurückgezahlt werden.
In beiden Ländern wird die Rückkehrhilfe auch mit finanziellen Vorteilen für den Staat begründet. Der sozialdemokratische Politiker Rasmus Stoklund, früherer Einwanderungs- und Integrationsminister, erklärte 2019 bei der Einführung des Angebots (das damals noch 22'000 Franken pro Erwachsenem betrug), Flüchtlinge seien oft überrepräsentiert bei den Arbeitslosen und «kosten die öffentliche Hand auf längere Sicht eine Menge Geld». Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei erklärte, diese Lösung sei «zwar teuer, aber für Syrer und Dänen besser - sowohl ökonomisch, sozial und kulturell».
Für viele Flüchtlinge ist die Frage nach der Heimkehr enorm schwierig. Die dänische Flüchtlingshilfe hat letztes Jahr 4000 Anfragen erhalten und eine Rekordzahl von Beratungsgesprächen geführt. Doch der Weg zu einer Abreise ist oft lang, erklärte Eva Singer von der dänischen Flüchtlingshilfe im Dezember. Laut Singer stehen viele Flüchtlinge vor einem Dilemma: Sie träumen von der Rückkehr in die Heimat und zur Familie, zweifeln aber an der Sicherheitslage. Hinzu kommt, dass viele von ihnen – insbesondere ihre Kinder – längst in Dänemark verwurzelt sind.
Laut der Uno und Sicherheitsexperten ist die Lage in Syrien weiterhin instabil, auch wenn kein Bürgerkrieg mehr herrscht. Rivalisierende bewaffnete Gruppen und eine unübersichtliche Rechtslage schüren Unsicherheit. Einige Heimkehrer berichteten dem dänischen Sender TV2 von schwierigen Bedingungen, fehlender Elektrizität, aber auch hoher Kriminalität, Entführungen und Landminen. Flüchtlinge haben zudem keine Möglichkeit, die Verhältnisse vor Ort in Syrien vor einem Wegzug aus Dänemark anzuschauen: Ihnen ist eine Reise oder ein Familienbesuch in Syrien untersagt.
Dänemark hat zwar beschlossen, dass die Region um die Hauptstadt Damaskus als sicher für abgewiesene syrische Flüchtlinge gelte. Doch bisher hat die oberste Asyl-Beschwerdeinstanz abgesehen von Einzelfällen den Schutzstatus immer verlängert, insbesondere aus familiären Gründen. Die freiwillige Rückkehr ist deshalb faktisch die einzige Möglichkeit, dass syrische Flüchtlinge heimkehren.
Zada spielt Fussball und hat eine dänische Freundin
Der 33-jährige Salah Zada aus Aarhus zog das Angebot der Regierung nie ernsthaft in Betracht. Der syrische Kurde lebt seit elf Jahren in Dänemark, arbeitet als Lehrer, hat eine dänische Freundin und spielt in einem lokalen Fussballklub. Dänemark sei seine Heimat, sagte er in einem Fernsehbeitrag. Ihn würden auch 10 Millionen Kronen (1,2 Millionen Franken) nicht zu einer Heimkehr bewegen, sagte Zada. «Mein Leben stünde auf dem Spiel. Das neue Regime wird von einem radikalisierten Islamisten angeführt, der Minderheiten unterdrückt und tötet. Wohin genau will man mich eigentlich zurückschicken?»
Für die Regierung ist der Kurs allerdings klar. Dänemark gewährt befristetes Asyl, Flüchtlinge sollen «selbstverständlich nach Hause reisen, wenn es die Verhältnisse zulassen», sagte Einwanderungsminister Stoklund. Doch die Politik habe sich die Sache wohl zu einfach vorgestellt, sagt Jesper Lindholm. Der Jurist und Migrationsexperte an der Universität Aalborg glaubt nicht, dass bald scharenweise Syrer heimkehren werden - auch wenn eine grosszügige Rückkehrprämie lockt.
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