Pensionskasse des Bundes bestätigt Cyberangriff – sind Bundesräte betroffen?
Ein externer Softwarelieferant der Pensionskasse des Bundes Publica stellte Ende September einen Cyberangriff fest. Das gab der Bund am Donnerstagmorgen bekannt. Das Unternehmen habe daraufhin unmittelbar Strafanzeige erstattet.
Der Schaden ist beträchtlich, wie aus einer internen Mitteilung von Publica an die Versicherten hervorgeht, die «Schweiz heute» vorliegt. «Vermutlich» seien beim Cyberangriff «Personendaten von versicherten Personen» abgeflossen, heisst es. Die Cyberkriminellen könnten gemäss «aktuellem Kenntnisstand» viele Personendaten erbeutet haben: Name, Vorname, Geburtsdatum, AHV‑Nummer, Adresse, Telefonnummer (Geschäft und Privat), E-Mailadresse, Zivilstand sowie Vorsorgedaten, wie etwa den Lohn, den versicherten Verdienst und das Vorsorgeguthaben, und auch die Angaben zu den Ehe- oder Lebenspartnern.
Ehemalige Bundesräte sind Kunden
Die Pensionskassenverantwortlichen «bedauern diesen Vorfall sehr» und versprechen, «transparent» zu informieren. Da es sich um die Pensionskasse des Bundes handelt, stellt sich die Frage: Sind auch aktuelle oder ehemalige Bundesrätinnen und Bundesräte vom Datenabfluss betroffen? Für die derzeitigen Mitglieder der Landesregierung kann die Publica dies ausschliessen. «Amtierende Magistratspersonen, darunter Bundesrätinnen und Bundesräte, sind bei Publica nicht aktiv versichert. Sie kommen erst in unser System, sobald sie ein Ruhegehalt erhalten», sagt Publica-Kommunikationschefin Beatrice Rychen.
Wo sich Pensionskassenguthaben befinden, die Bundesratsmitglieder vor ihrem Amtsantritt erworben haben, weiss die Publica nicht. Diese könnten sich beispielsweise auf einem Freizügigkeitskonto befinden. «Wir führen keine Guthaben von aktiven Magistratspersonen in unserem System», betont Rychen.
Anders sieht es bei ehemaligen Bundesrätinnen und Bundesräten aus. Sie könnten theoretisch vom Datenabfluss betroffen sein. «Zum aktuellen Zeitpunkt wissen wir noch nicht, welche Personen in welchem Umfang betroffen sind», sagt Rychen. «Wir können aber bestätigen, dass ehemalige Bundesräte in unserem Bestand gelistet sind, weil sie von uns ein Ruhegehalt ausbezahlt erhalten.» Die Abklärungen liefen auf Hochtouren. «Gemeinsam mit bundesinternen Stellen und IT-Experten versuchen wir herauszufinden, welche Daten abgeflossen sind und welche Personen davon betroffen sind», sagt Rychen.
Pensionskasse warnt Versicherte
Die Publica verspricht, die betroffenen Personen zu informieren, sobald weitere «relevante Erkenntnisse» vorlägen. Immerhin: «Ihr Vorsorgeguthaben ist sicher», teilte Publica ihren Versicherten weiter mit. Gleichzeitig warnt die Pensionskasse: «Ein Datenabfluss aufgrund eines Cyberangriffs birgt ein gewisses Risiko für Einzelpersonen.» Es sei nicht ausgeschlossen, dass Personendaten missbraucht würden.
Die Bundespensionskasse ermahnt die Versicherten deshalb zu erhöhter Aufmerksamkeit bei «ungewöhnlichen Mails, Anrufen oder Nachrichten». Ihr Tipp: «Öffenen Sie keine verdächtigen Links oder Anhänge.» Und: «Geben Sie Passwörter, Zugangsdaten oder persönliche Informationen nicht weiter, wenn Sie unerwartet kontaktiert werden.»
Bundesanwaltschaft ermittelt
Gemäss der angegriffenen Softwarefirma sind nebst der Publica alle relevanten Stellen des Bundes sowie weitere Kunden informiert worden. Keine anderen Bundesstellen pflegen Geschäftsbeziehungen mit dem Unternehmen.
Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen.
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