­
­
­
­

«Eine schändliche Forderung»: Schon wieder wettert Meloni gegen Schweizer Behörden

Italienischen Medienberichten zufolge will die Schweiz, dass Italien die Behandlungskosten für Opfer von Crans-Montana übernimmt. Regierungschefin Giorgia Meloni weist das zurück.
Zum zweiten Mal innert Tagen empört über die Schweizer Behörden: die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni. (Bild: Yves Herman / EPA)

Die letzte Polemik zwischen Rom und Bern liegt erst wenige Tage zurück, nun folgt die nächste: Die Schweiz verlangt gemäss italienischen Medienberichten, dass Italien die Behandlungskosten von drei Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana bezahlt. Die Nachricht sorgt für grosse Empörung und Wut.

Es geht um Spitalrechnungen von insgesamt rund 100'000 Franken, welche für die Behandlung von drei Jugendlichen im Spital in Sitten angefallen seien. Das gehe aus einem Gespräch vom Freitagnachmittag zwischen dem Walliser Regierungspräsidenten Mathias Reynard und dem italienischen Botschafter Gian Lorenzo Cornado hervor. Reynard zufolge könne der Kanton Wallis diese aus rechtlichen Gründen nicht übernehmen, schreibt etwa der «Corriere della Sera».

Erneute Empörungswelle nach verschickten Rechnungskopien

Die Empörung lässt nicht auf sich warten. Regierungschefin Giorgia Meloni reagiert prompt auf dem Kurznachrichtendienst X. Sollte diese «schändliche Forderung» formell gestellt werden, werde Italien sie zurückweisen, so Meloni.

Schon anfangs vergangener Woche hat Meloni über das Walliser Spital in Sitten geschimpft. Es hatte Rechnungskopien von über 70'000 Franken an eine italienische Opferfamilie geschickt. Meloni gab sich «schockiert», bezeichnete die Briefe als «Beleidigung und Hohn» und wütete gegen die «unmenschliche Bürokratie» der Schweiz.

Dort schien aber klar: zu bezahlen gab es nichts. Die Angehörigen hatten aus bürokratischen und versicherungstechnischen Gründen lediglich eine Rechnungskopie erhalten.

Im Fall vom Freitagabend ist das anders. Hier geht es explizit um Rechnungen, welche Italien bezahlen soll – Rechnungen, für welche sich der Kanton Wallis nicht in der Verantwortung sieht.

Italien verweist auf Gegenseitigkeit - Schweiz ebenso

Regierungsrat Reynard verweist gegenüber SRF auf das europäische Recht. Dieses regelt internationale Versicherungsfragen, welche die Zuständigkeit des Kantons Wallis übersteigen würden.

Konkret kommt in Notfällen die sogenannte Leistungsaushilfe zum Zug. Sie regelt in der EU und in EFTA-Staaten, was passiert, wenn ein Staatsbürger in einem anderen europäischen Land krank wird oder verunfallt. In der Schweiz schicken die Spitäler die Rechnungen an eine gemeinsame Krankenkassen-Institution, welche die Dokumente an ihr Pendant im jeweiligen Herkunftsland der Betroffenen weiterleitet. Diese Agenturen regeln die Kostenübernahme unter sich.

In Italien gibt es allerdings keine Kranken- oder Unfallversicherungen, denen man diese Rechnungen zustellen könnte. Die Rechnungen gehen direkt an den Staat – und das wird im Fall Crans-Montana zu einem weiteren Affront.

Umso mehr, weil der italienische Staat seinerseits auf Rechnungen verzichtet hat. Eine italienische Klinik hatte aufgrund der Überlastung der Schweizer Spitäler zwei Schwerverletzte aufgenommen, deren Behandlung nicht verrechnet werden soll.

Dass die Schweizer Versicherungen nun Rechnungen versenden, verletze einen «Grundsatz der Gegenseitigkeit», sagt Botschafter Cornado gegenüber dem «Corriere della Sera». Cornado fordert eine Gleichbehandlung: «Es wäre inakzeptabel, wenn die Schweizer Krankenkasse oder das Wallis verlangen würden, dass diese Kosten auf Italien und die Italiener abgewälzt werden.»

Genau das setze der Grundsatz der Gegenseitigkeit aber voraus, sagt BSV-Direktorin Doris Bianchi gegenüber SRF. Auch die Schweiz werde die medizinische Behandlung von Schweizer Staatsbürgern in Italien übernehmen und warte auf entsprechende Rechnungen.

Reynard wiederum soll Cornado vorgeschlagen haben, mit den Bundesbehörden in Bern Kontakt aufzunehmen – in der Hoffnung, dass sich auf bilateraler Ebene eine Lösung finden lasse.

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Abo

Streit zwischen Italien und der Schweiz nach Crans-Montana: Jetzt reagiert Parmelin

Sein Departement bereitet mehrere Spitzentreffen vor.
vor 10 Stunden
Abo

Trump ist «schockiert» über Meloni: Ihr Streit hat einen ernsten Hintergrund

Nach dem Papst nimmt der US-Präsident auch seine politische Freundin Giorgia Meloni ins Visier: Er habe sich in ihr getäuscht. Der Streit hat einen ernsten Hintergrund.
15.04.2026
Abo

«Pronto!»: Italien verstaatlicht das Telefonino – das bedeutet es für Swisscom

In Italien holt sich der Staat gerade zurück, was von der 1997 privatisierten Telecom Italia noch übrig ist. Die Übernahme von TIM durch die Poste Italiane ist auch wichtig für Swisscom.
09.04.2026
­
­