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«Eine Beleidigung und Hohn»: Jetzt schimpft Meloni über ein Schweizer Spital

Das Spital in Sitten hat eine Rechnungskopie von über 70'000 Franken an eine italienische Opferfamilie geschickt. Die Premierministerin ist schockiert. Zu Recht?
Die Trauer und Verletzungen sitzen auch in Italien Monate nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana immer noch tief. (Bild: Valentin Flauraud / Keystone)

Kaum ist der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado wieder in die Schweiz zurückgekehrt, reisst der nächste Konflikt rund um die Brandopfer von Crans-Montana auf. Schweizer Spitäler hätten Rechnungen über mehrere Zehntausend Franken an die Opferangehörigen verschickt, berichtete der «Corriere della Sera» am Montagabend.

Die Reaktion von höchster Stelle folgte prompt. Sie sei «schockiert», schreibt die italienische Premierministerin Giorgia Meloni dazu auf dem Kurznachrichtendienst X, ehemals Twitter. «Abscheulich» wäre es, wenn solche Kosten auf die Opfer oder auf Italien zurückfallen würden, so Meloni. Diese Briefe seien «eine Beleidigung und ein Hohn», etwas, das nur «eine unmenschliche Bürokratie» hervorbringen könne.

Was ist da passiert?

«Monster-Rechnungen» an Opferfamilien

Tatsächlich haben offenbar mehrere Familien der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana in den vergangenen Tagen Post von Schweizer Spitälern erhalten. Und zwar mit Rechnungskopien, welche die Kosten für die Behandlungen aufführten. Die Familie eines betroffenen 16-Jährigen erhielt gemäss dem «Corriere» etwa eine «Monster-Rechnung» von über 70'000 Franken.

Aus Sicht des Vaters sei diese Summe kaum nachvollziehbar, schreibt der «Corriere», zumal der Sohn nur 15 Stunden lang im Walliser Spital in Sion behandelt und dort lediglich stabilisiert worden sei. Der Familie sei beim Spitalaustritt gesagt worden, dass der Kanton für alle Behandlungskosten aufkommen werde. Der Vater habe deswegen umgehend den italienischen Botschafter in der Schweiz kontaktiert und eine schriftliche Bestätigung dafür gefordert, dass die Opferfamilien nichts zahlen müssten.

Gian Lorenzo Cornado wiederum nahm umgehend Kontakt mit dem Kanton Wallis und dem Regierungspräsidenten Mathias Reynard auf. Dieser habe sich sofort für den Fehler entschuldigt. Selbstverständlich müssten die Opferangehörigen nichts bezahlen, die Dokumente könnten an eine Anlaufstelle zurückgeschickt werden.

Kanton verweist auf geltende Gesetze

Den italienischen Furor provoziert haben bürokratische Abläufe der Schweiz. Das Krankenversicherungsgesetz schreibt vor, dass für alle Rechnungen, welche über die Versicherer abgewickelt werden, auch eine Kopie an die Patientinnen und Patienten verschickt wird. Damit sollen diese über die Kosten transparent informiert werden.

Das gilt auch für ausländische Staatsangehörige, die in der Schweiz notfallmässig versorgt werden müssen. Die Spitalrechnungen werden dann über eine gemeinsame KVG-Institution entsprechend bilateraler Verträge beglichen. Die Behandelten und ihre Familien erhalten von den Spitälern lediglich eine Rechnungskopie. Das sei schlicht gesetzeskonform, schreibt das Spital Wallis auf Anfrage. Die hohen Kosten seien überprüft worden und würden den geltenden Tarifvorgaben entsprechen.

Die Aussage, dass keine Rechnungen an die Opfer oder ihre Angehörigen geschickt würden, gelte nach wie vor und werde respektiert, schreibt der Kanton Wallis. Sollte es fälschlicherweise dennoch dazu kommen, dass ein Spital eine Rechnung nicht an die Versicherer, sondern an die Familien schicke, könne man sich jederzeit bei der zuständigen KVG-Anlaufstelle melden.

Darüber habe man die Opferangehörigen im Übrigen bereits zwischen Ende Februar und Anfang März schriftlich informiert. Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, empfiehlt der Kanton den Familien, die Opferhilfeberatungsstelle zu kontaktieren, die für sie Ansprechpartnerin sei.

Der Vater des betroffenen 16-Jährigen seinerseits sagt gegenüber dem «Corriere della Sera», er habe keine vorherigen Informationen bekommen. Der Hinweis auf die Anlaufstellen scheint aber die Gemüter etwas zu beruhigen. Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado sagt, er wolle mit der Walliser Regierung im Austausch bleiben.

Auch Giorgia Meloni schreibt in ihrem Post, dem Kostenthema sei weiterhin höchste Aufmerksamkeit zu widmen. Selbst, wenn die Schweiz zugesichert habe, dass die Betroffenen nichts zahlen müssen.

 
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