­
­
­
­

400’000 Franken pro Jahr: Eine Familie belastet Wattwils Budget stark

An der Vorgemeinde legt der Gemeindepräsident Zahlen offen, die aufhorchen lassen: Eine vorläufig aufgenommene Familie kostet Wattwil jährlich rund 400’000 Franken. Warum das die Finanzplanung bis 2039 prägen könnte.
von Christof Lampart
Wattwils Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner konnte der Vorgemeinde fürs Jahr 2025 einen satten Überschuss von 4,4 Millionen Franken präsentieren. (Bild: Christof Lampart)

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil, erklärte am Mittwochabend an der Vorgemeinde im gut besuchten Thurpark, dass die Sozialkosten, mitunter auch im Zusammenhang mit Menschen, die um Asyl nachsuchen, Wattwil massiv zusetzen. Das illustrierte er am Beispiel einer Familie, die im Jahr 2023 über die Balkanroute mit vier unmündigen Kindern in die Schweiz einreiste und Asylantrag stellte. Die Familie wurde vorläufig aufgenommen, wohnt seit 2025 in Wattwil und kostet den Steuerzahlenden eine grosse Stange Geld.

Vielleicht bis ins Jahr 2039 in Wattwil wohnhaft

«Die Familie geniesst den umfangreichen Katalog an Unterstützungsleistungen, welche die öffentliche Hand der Familie zur Verfügung stellt», kommentierte Alois Gunzenreiner pointiert den Status quo. Die diversen Massnahmen, welche durchs Kreisgericht oder die KESB angeordnet worden seien, umfassten praktisch alles vom Eheschutz, über Beistandschaft, psychologische und psychiatrische Abklärungen, heilpädagogische Frühförderung und vieles mehr. Die «Krönung» für den Gemeindehaushalt sei die Fremdplatzierung eines Kindes dieser Familie, was Wattwil 250'000 Franken kostet. Weitere 150'000 Franken kosten die übrigen fünf Familienmitglieder die Allgemeinheit, sodass am Ende die Familie den Gemeindeetat mit 400'000 Franken jährlich belastet.

Erschwerend komme hinzu, dass durch die «Lex Kirchberg» die freie Wohnsitzwahl von anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlingen im Kanton St.Gallen eingeschränkt wird. Das, so Gunzenreiner, könne bedeuten, dass die besagte Familie vielleicht bis ins Jahr 2039 in Wattwil wohnen bleiben könnte, was die Gemeinde zu einer ebenso langen Zahlungsdauer verpflichten würde. Dies deshalb, weil erst zu jenem Zeitpunkt das jüngste Kind der Familie volljährig werde.

Doch damit noch nicht genug. Da die Kindsmutter dannzumal schon deutlich über 50 Jahre alt sein wird, sei es absolut nicht sicher, ob die Frau dann wirtschaftlich allein auf ihren Füssen stehen könne. Oder wie Alois Gunzenreiner es für die Versammlung zusammenfasste: «Sie können sich selbst vorstellen, wie die Arbeitsfähigkeit dann aussehen wird». Auch sei eine Rückkehr in ihre Heimat dann nicht zumutbar, da der Verlust von stabilen Lebensverhältnissen nicht wünschenswert sei. Und dies sei nur ein Einzelfall, der kleinere Landgemeinden noch viel mehr belaste als eine grosse Zentrumsgemeinde wie Wattwil, betonte Gunzenreiner.

Trügerischer Gewinn

Zwar gehe es Wattwil aktuell sehr gut. Doch der 2025 erzielte Überschuss von 4,4 Millionen Franken sei ebenso erfreulich wie auch trügerisch. Denn der Mehrertrag führe dazu, dass in den Jahren 2027 und 2028 die Finanzausgleichsbeiträge des Kantons dementsprechend massiv zurückgingen. «Wie gewonnen, so zerronnen», kommentierte Gunzenreiner.

Aus diesem Grund wolle Wattwil den Steuerfuss auf 129 Prozent belassen. Alles in allem, so Alois Gunzenreiner, sei Wattwil «weiterhin solide aufgestellt». Das erlaubt der Gemeinde, zwei Millionen in die Vorfinanzierung für die Infrastruktur des Gemeindesaals einzulegen. Die übrigen 2,4 Millionen Franken des Rechnungsüberschusses 2025 sollen der Ausgleichsreserve zugewiesen werden, die sich somit per Ende 2025 auf 8,442 Millionen Franken belaufen würde.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/wattwil-vorlaeufig-aufgenommene-familie-belastet-budget-art-715203

Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.

­
­