Toni Brunner: Ein verrücktes Sportjahr
2026 ist sportlich gesehen schon ein sehr aussergewöhnliches Jahr. Denn wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass der Schweizer Fussball-Cupsieger in diesem Jahr der FC St.Gallen sein wird? Nicht, weil man es in der ganzen Region nicht wollte, sondern weil es rein statistisch gesehen in hundert Jahren nur einmal vorgekommen ist.
Wer hätte darauf gewettet, dass der Finalgegner der St.Galler, der Challenge-League-Club Stade Lausanne-Ouchy sein würde? Ein Quartierclub aus Lausanne, der im Durchschnitt vor 635 Zuschauern seine Heimspiele austrägt.
Wer hätte darauf gewettet, dass der Schweizer-Fussballmeister 2026 FC Thun heissen würde? Notabene der Aufsteiger der letzten Saison, also vor einem Jahr noch zweitklassig und mit einem Budget, das keine grossen Sprünge erahnen liess.
Wer hätte darauf gewettet, dass der FC Vaduz aus dem beschaulichen «Ländle» in der neuen Saison um den Schweizer Meistertitel mitspielen wird? Übrigens, ich persönlich finde das super, denn bei seiner letzten Präsenz in der höchsten Schweizer Liga standen beim einzigen «ausländischen» Verein in unserer heimischen Liga immer am meisten junge Schweizer Spieler in der Startelf.
Und wer hätte darauf gewettet, dass der neue Eishockey-Schweizermeister HC Fribourg-Gotteron heissen würde? Ein Club, der vorher noch nie im Leben Schweizer Meister wurde. Ein Club, der ähnlich wie der FC St.Gallen eine ganze Region zu begeistern vermag.
Hätte dies alles jemand vor der Saison vorhergesagt, er wäre entweder ausgelacht worden oder hätte nun bei der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit und von den Wettquoten her locker Millionär werden können.
Mein Bruder Hannes, eingefleischter FCSG-Fan mit Jahrgang 1969, musste tatsächlich seit seiner Geburt auf den zweiten Cup-Erfolg der Vereinsgeschichte seines Herzensvereines warten. Hannes war beim letzten Cup-Sieg des FC St.Gallen drei Monate alt und beim Spiel noch nicht wirklich präsent. Er musste 57 Jahre alt werden, um das noch bewusst erleben zu dürfen. Der damalige Kapitän des FC St.Gallen war Kurt Grünig. Und der bekommt tatsächlich noch zu Lebzeiten mit Lukas Görtler einen Bruder mit demselben Heldenstatus. An solchen geschichtsträchtigen Tagen werden Helden geboren.
Pfingstsonntag, 24. Mai 2026, wird manch einem ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Eine Art Erlösung mit unglaublichen Bildern, die haften bleiben. Der gewaltige Fanmarsch durch die Bundesstadt, die grün-weisse Wand im Stadion Wankdorf und die Cup-Feier am Abend in der St.Galler Innenstadt.
Herzliche Gratulation dem FC St.Gallen, der ganzen Mannschaft und allen involvierten Protagonisten. Aber auch herzliche Gratulation meinem Bruder. Du hattest in deiner Jugend und auch später oft harte Zeiten mit dem FC SG. Du hast dem Verein all die Jahre die Treue gehalten. Du hast es verdient.
Toni Brunner, der ehemalige Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer, Jérôme Müggler sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.
Schlagwörter
-
FC Vaduz
-
Schweizerische Volkspartei
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.