Olma-Halle 7, eine genähte Platzwunde und ein erfreuliches Wahlresultat
Es ist Olma-Zeit. Was wäre die Olma ohne die legendäre Degustationshalle? Früher war die alte, hölzerne Halle 7 das Herzstück der Olma, heute ist es die Halle 4.
Wein, Bier und Schnäpse, aber auch kulinarische Köstlichkeiten locken die Menschen in Scharen in die Degustationshalle und lassen das Miteinander hochleben. So wird die Halle 4 Tag für Tag zu einem beliebten Treffpunkt, bei dem die Geselligkeit im Mittelpunkt steht.
Die Atmosphäre ist lebhaft und wird von Stunde zu Stunde gewaltiger, bis am Abend der Lärmpegel überzuschwappen droht. Zahlreiche Degustationsstände und Beizli bieten auf engstem Raum die ganze Palette an reichhaltigem Sortiment. Schweizer Wein, einheimisches Bier, regionale Destillate und natürlich Wurst, Raclette und weitere Käsespezialitäten.
In der Halle 4 wird öfters eins über den Durst getrunken. Es ist einfach zu schön, um es bei einem Gläschen zu belassen. Hier dürfen es auch eine oder zwei Flaschen Wein sein. Niemand ist ausgeschlossen, alle sind eins.
Natürlich bleibt die frühere Halle 7 mit ihrem Charme unerreicht. Aber es waren auch andere Zeiten. Viel heimeliges Holz in der Halle, Trinkgelage und eine rauchgeschwängerte Luft bleiben unvergesslich. Da wurde nicht nur getrunken, da wurde auch noch geraucht.
Als ich 1995 erstmals gewählt wurde, kamen am letzten Tag der Olma die Resultate nicht vor dem Abend herein. Der Fax wurde gerade durch das Internet abgelöst und weil das noch viele Gemeinden vor grössere Probleme stellte, verbrachten wir selbstverständlich die letzten Stunden bis zur Resultatverkündigung in der Halle 7.
Eine Gruppe Rocker becherte Bier, die Stimmung erreichte gegen Abend ihren Siedepunkt und plötzlich schwappten Bierfontänen durch die Luft. Ich stand unbeteiligt, aber mit einem Bier in der Hand daneben. Ein Rocker drehte sich zu mir um und sagte: «Bürschtli, das machsch denn niemeh» und schon hatte ich im wahrsten Sinne des Wortes seine Faust in meiner Fresse.
Ich weiss heute noch nicht, wie ich auf die Notfallstation im Kantonsspital St.Gallen gekommen bin, aber frisch zurück an der Olma mit zerrissenem Hemd, verblutetem Gesicht und genähter Platzwunde wurde meine Wahl in den Nationalrat verkündet.
So ist es nicht verwunderlich, dass für mich die Halle 7 unvergesslich bleibt und sich der Kreis mit der heutigen Degustationshalle 4 schliesst, weil wir dort aktuell ein kleines Beizli betreiben dürfen.
Vieles erinnert mich an damals. Und auch an dieser Olma konnte ich schon die eine oder andere Rangelei zwischen dem Sicherheitspersonal und den letzten Besuchern miterleben. Unter drei Sicherheitsleuten befindet sich in aller Regel ein Toggenburger, Appenzeller oder Rheintaler. Man muss es ihnen nachsehen. Wenn der Durst grösser war als der Geist, dann ist Olma-Zeit.
Toni Brunner, der ehemalige Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer und Jérôme Müggler, sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.
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Schweizerische Volkspartei
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