Stillstand der Schwebebahn: Toggenburg plant keine Jagd auf Säntis-Gäste
Trotz aller Reize der Toggenburger Gebirgslandschaft bleibt der Säntis der touristische Publikumsmagnet schlechthin. 416'812 Personen beförderte die Schwebebahn im vergangenen Jahr und erzielte damit einen Umsatz von 6,7 Millionen Franken. Hinzu kamen 13,2 Millionen Franken aus Gastronomie und Hotellerie. Seit dem 1. Mai ist die Säntisbahn allerdings wegen ihrer Erneuerung ausser Betrieb und bleibt dies bis in den Spätherbst. Eine Chance für die Toggenburger Bergbahnbetriebe, die mit dem Chäserrugg und dem Gamserrugg ebenfalls mit Gipfeln auf über 2000 Metern über Meer sowie spektakulären Fernsichten punkten?
Keine Sonderstrategie für Säntis-Gäste
Als Alternative zur stillstehenden Säntisbahn wird die Toggenburger Bergbahnenwelt von den angefragten Tourismusbetrieben nicht offensiv vermarktet. Entsprechend zurückhaltend fallen auch die Erwartungen aus, von der Schliessung zu profitieren. «Der Einfluss ist schwierig abzuschätzen», sagt Marc-Andrea Barandun, Leiter Marketing und Vertrieb der Bergbahnen Wildhaus AG. Die Ausblicke und die Karstlandschaft der Churfirsten würden unabhängig vom Säntis permanent beworben. Ähnlich klingt es bei der Toggenburg Bergbahnen AG: «Der Fokus unserer Marketingstrategie bleibt derselbe: authentische Naturerlebnisse, Tradition und Brauchtum», lässt die Kommunikationsverantwortliche, Livia Miliffi, wissen. Wie sich der saisonale Unterbruch des Bahnbetriebs am Säntis auswirkt, werde der Sommer zeigen.
Über die Sonnenseite zum Säntis
Das Toggenburg bietet allerdings nicht nur Gipfel-, sondern auch Routenalternativen: Denn der Säntis lässt sich zu Fuss auch von hier aus erreichen. Und «erst noch über die Sonnenseite des Berges», wie Peter Koller, Betreiber und Inhaber der Gamplüt-Bahn, lachend anmerkt. Die solar- und windbetriebene Gondelbahn verkehrt täglich und bringt Wanderer bis auf 1357 Meter über Meer. Von dort führen verschiedene Wege in Richtung Säntisgipfel. Ob ihm die stillstehende Bahn zusätzliche Gäste bringt? Koller relativiert. Wichtiger als Besucherzahlen ist ihm, jungen Leuten, Familien oder Senioren schöne Erlebnisse zu ermöglichen und sie zufrieden nach Hause zu schicken. Gerade über Pfingsten scheint ihm das erneut gelungen zu sein: «Wir haben sehr gut gearbeitet und mit der traditionellen Sonntagsmusik im Restaurant viele glückliche Gesichter gesehen.»
Zwischen Bergfrühling und Sommerbetrieb
Zufrieden, wenn auch nicht euphorisch, blicken auch andere Bergbahnbetreiber auf das Pfingstwochenende zurück. «Wir hatten ein gutes Wochenende», sagt Marc-Andrea Barandun. Viele Gäste hätten auf den Restaurantterrassen den Bergfrühling genossen oder die ersten Wanderungen der Saison unternommen. Auf dem Gamserrugg lägen zurzeit allerdings stellenweise noch Schneefelder. Der Sommerbetrieb nimmt nun schrittweise Fahrt auf: Am kommenden Wochenende verkehrt die Oberdorfbahn nochmals im Wochenendbetrieb, bevor sie ab dem 6. Juni täglich fährt. Ab dem 13. Juni nimmt – gutes Wetter vorausgesetzt – auch der Gamserrugg den Wochenendbetrieb auf. In den täglichen Sommerbetrieb wechseln sämtliche Anlagen am 27. Juni.
Auch bei den Toggenburg Bergbahnen, zu denen die Anlagen am Chäserrugg und auf die Alp Sellamatt gehören, blieb der grosse Ansturm aus. «Es haben bereits einige Gäste das Chäserrugg-Gebiet besucht und Wanderungen rund um die sieben Churfirsten unternommen oder ganz einfach ein Glace auf den Sonnenterrassen genossen», sagt Livia Miliffi. Dazu bietet sich diese Woche übrigens weiterhin die Gelegenheit. Denn hier sind sowohl die Standseilbahn als auch die Luftseilbahn bereits täglich in Betrieb.
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