Elon Musk bezeichnet Genfer Philosophen als «diabolisches Arschloch»
Elon Musk macht einen Genfer Philosophen für den Wokeismus verantwortlich. In einer hitzigen Auseinandersetzung über französische Denker beschimpfte der Tesla-Chef Jean-Jacques Rousseau als «diabolisches Arschloch».
Grund für die Entgleisung ist eine aufgeheizte Debatte um französische Philosophen, die am Samstag auf X stattfand und über 34 Millionen Menschen erreichte. Ein in der Tech-Branche arbeitender Franzose entschuldigte sich nämlich im Namen seines Heimatlandes für all die üblen Philosophen aus Frankreich, welche «die ideologische Waffe geschmiedet haben, die heute den Westen lähmt». Gemeint ist der Wokeismus.
Rousseau soll die amerikanischen Unis verdorben haben
In seinem Beitrag behauptete der Mann, Philosophen wie Michel Foucault, Jacques Derrida oder Gilles Deleuze hätten mit ihren Theorien ab den 1960er-Jahren traditionelle Vorstellungen von Wahrheit, Autorität und Identität systematisch infrage gestellt. Später seien diese Ideen an amerikanischen Eliteuniversitäten aufgegriffen und mit Debatten über Rassismus, Geschlecht und Macht verbunden worden.
So seien laut dem Autor zentrale Konzepte der heutigen Woke-Bewegung entstanden – etwa die Vorstellung, dass gesellschaftliche Normen vor allem Ausdruck von Machtverhältnissen seien oder Identitäten sozial konstruiert würden. Die französischen Denker hätten damit, so die These, ungewollt das ideologische Fundament für eine Kultur gelegt, die westliche Werte zunehmend dekonstruiere.
Diese Argumentation schien den Milliardär Elon Musk zu überzeugen, er interagierte mehrmals mit dem bis dahin unbekannten Franzosen, der seine Kritik später noch einmal zuspitzte. Jean-Jacques Rousseau sei nämlich «Gift für den französischen Geist». Musk antwortete mit der obengenannten Beleidigung.
Musk findet Misstrauen gegen Institutionen schlecht
Die beiden Männer stören sich besonders an der bekanntesten These Rousseaus. Diese besagt, dass der Mensch «gut» geboren werde, und erst durch die Einflüsse der Gesellschaft «verdirbt». Musk und der französische Tech-Philosoph glauben dagegen, dass der Mensch «triebhaft geboren wird, ambivalent und fähig zum Besten und Schlimmsten». Die gesellschaftlichen Institutionen würden keine engelhafte Natur unterdrücken, sondern nur die gut und schlecht angelegte Natur des Menschen kanalisieren.
Es sei deshalb falsch, ständiges Misstrauen gegenüber gesellschaftliche Autoritäten und Hierarchien zu pflegen. Denn ohne gesellschaftliche Einschränkungen und traditionelle Werte würde der Mensch seinen schlimmsten Instinkten ausgeliefert sein – und womöglich alles vernichten. Weil die neueren französischen Philosophen einfach nur Rousseaus Thesen zugespitzt hätten, habe der Genfer Philosoph auch die schlimmste Erbsünde zu verantworten. Garniert wurde die Ausführung mit einem von künstlicher Intelligenz bearbeiteten Bild, in dem Rousseau zwei Teufelshörner auf den Kopf gesetzt wurden.
Rousseau in der Schweiz wohl beliebter als Elon Musk
Hierzulande dürfte vor allem der Vorwurf der Bösartigkeit und die scharfe Rhetorik – unabhängig von der auch von renommierten Philosophen vertretenen Kritik an gewissen amerikanischen Rousseau-Interpretationen – kaum gut ankommen. Auf der Website der Auslandschweizer-Organisation wird Rousseau als «genialer Vordenker» bezeichnet, dessen Ideen Demokratie, Freiheit und Menschenrechte bis heute geprägt hätten. In Genf erinnert mitten in der Rhone die Île Rousseau mit einer grossen Statue an den Philosophen, zudem wurden ihm zum 300. Geburtstag im Jahr 2012 zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen gewidmet.

Im Schweizer Bildungswesen wirkt Rousseaus Einfluss bis heute nach. Der Zürcher Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi, dessen Ideen die moderne Volksschule entscheidend prägten, berief sich ausdrücklich auf Rousseaus Erziehungsphilosophie. Vorstellungen wie kindgerechter Unterricht oder Lernen durch Erfahrung gehören heute zum Schweizer Schulalltag.
Auch sonst dürfte die Philosophie Rousseaus zumindest in der Schweiz heute beliebter sein als jene, welche aus dem Silicon Valley verbreitet werden. Schliesslich sind die Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich kritisch gegenüber Institutionen und Autoritäten – und damit gerade gegenüber jenem technologischen Machtanspruch, wie ihn Elon Musk verkörpert.
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