«Hilft, den Blick offenzuhalten»: Stephan Brunner ist Gefängnisseelsorger in Mosnang
Wer Stephan Brunners Instagram-Profil anschaut, merkt schnell: Brunner ist leidenschaftlicher Fotograf. Da reihen sich Schnappschüsse und fein säuberlich arrangierte Fotografien aneinander. Vor kurzem hat er ausserdem wieder mit dem Malen begonnen. Der 59-Jährige hat ein Auge für Ästhetik – und ein offenes Ohr für seine Mitmenschen.
Stephan Brunner ist Gefängnisseelsorger und arbeitet seit Anfang 1998 im Bistum St.Gallen – zuerst als Pastoralassistent, ab 2010 als Diakon. Seit Anfang 2014 amtet er als Seelsorger. Im Massnahmenzentrum Bitzi in Mosnang steht er den Insassen wie auch dem Personal zur Seite und bietet seelsorgerische Begleitung an.
«Privileg, für Kirche im Vollzug tätig zu sein»
Brunenr ist eine von 14 Personen, die bei der Kampagne «Ich bin dabei» des Bistums St.Gallen und des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen mitwirken. Diese soll das wichtige Engagement der Kirche für das Gemeinwohl aufzeigen.
Auf dem Kampagnenplakat lässt sich Stephan Brunner mit dem markanten Spruch ablichten: «Das Leben im Gefängnis erträglicher machen? Ich bin dabei.» Als er vor 13 Jahren gefragt worden sei, ob er ergänzend zur Pfarreiarbeit ein kleines Pensum im Gefängnis übernehmen möchte, habe Brunner spontan ja gesagt, weil es ihn einfach interessiert habe. «Es ist eine gute Ergänzung zur normalen Pfarreipastoral und hilft, den Blick offenzuhalten für Menschen in schwierigen Lebensumständen», sagt Stephan Brunner.
Für ihn ist es besonders wichtig, dass sich gerade die Kirchen im Bereich der Gefängnisseelsorge engagieren. Er bezeichnet es als Privileg, für die Kirche im Vollzug tätig sein zu dürfen. «Wir sind nicht Teil der Behörden und können uns ganz auf den jeweiligen Menschen einstellen.»

«Lese nicht mehr so viele Krimis»
Als Gefängnisseelsorger ist Stephan Brunner mit den unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert. Gerade hinter Gefängnismauern ist es nicht immer einfach, die Hoffnung aufrechtzuerhalten. Stephan Brunner möchte mit seiner Arbeit Perspektiven schaffen und Blickwinkel verändern.
Die tut er wie andere Seelsorgende auch, nur einfach in einem anderen Umfeld. Er sagt: «Die Arbeit als Gefängnisseelsorger ist eine Möglichkeit, für Menschen am Rand unserer Gesellschaft seelsorgerisch da zu sein. Es freut mich, wenn ich höre oder wahrnehme, dass meine Präsenz im Vollzug dem einen oder anderen hilft, sich konstruktiv mit seinem Leben und seiner Zukunft auseinanderzusetzen.»
Stephan Brunner steht den Inhaftierten bei alltäglichen Sorgen zur Seite, begleitet sie spirituell oder feiert mit ihnen Feste und Rituale. In all den Jahren hat er vieles gesehen und viele Schicksale kennengelernt. Nicht immer fällt ihm die Arbeit leicht. «Nach so vielen Jahren ist es manchmal eine Herausforderung, mich immer wieder neu auf einen Menschen und seine Lebensgeschichte einzustellen und nicht zu vergleichen.» Wenn ihm die Arbeit irgendwann zu viel wird, geht Stephan Brunner gerne in die Natur – oder er liest. Seine Arbeit als Gefängnisseelsorger hat allerdings auch hier Einfluss: «Seit ich im Gefängnis arbeite, lese ich nicht mehr so viele Krimis.» (pd)
Gefängnisseelsorge im Bistum St.Gallen
Für die Katholische Kirche im Bistum St.Gallen arbeiten fünf Gefängnisseelsorger und eine Gefängnisseelsorgerin. Die Gefängnisseelsorge richtet sich an alle Menschen in den Gefängnissen und Vollzugsanstalten im Bistum St.Gallen, die geistliche, emotionale oder soziale Unterstützung wünschen.
Die Gefängnisseelsorge ist durch Vereinbarungen mit den zuständigen Stellen der beteiligten Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und St.Gallen sowie der evangelisch-reformierten Kirche geregelt. Sie bietet ihre Dienste allen Menschen an, unabhängig von Herkunft und Religion. Die Seelsorgenden begleiten die Inhaftierten spirituell, feiern religiöse Feste und stehen ihnen bei privaten und alltäglichen Sorgen zur Seite. (pd)
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