Die Säntisfahne hat ausgedient und wurde zerschnitten – der Ersatz ist noch ungewiss
Es ist fast schon ein Ritual: Kurz vor dem Nationalfeiertag richten sich die Blicke auf den Säntis. Die jährliche Spekulation, ob die Riesenfahne montiert werden kann, ist Ostschweizer Tradition geworden. Mal verhinderte das Wetter die Montage, mal musste die Fahne wegen Sturmschäden in die Reparatur. Dieses Jahr war früh klar, dass der laufende Neubau der Schwebebahn eine Montage verhindern würde. Nun steht fest: Die heutige Riesenfahne wird nie mehr am Säntis hängen. Und ob sie je einen Nachfolger erhält, ist offen.
«Die bisherige Fahne ist mittlerweile in die Jahre gekommen und hat ihre Lebensdauer erreicht», sagt Daniel Harland, Leiter des Säntis-Event-Teams. Mit ihren Dimensionen von 80 mal 80 Metern, 6400 Quadratmetern Fläche und mehr als 700 Kilogramm Gewicht war sie seit 2015 rund um den Nationalfeiertag regelmässig auf der Nordwand des Säntis zu sehen. In einer aufwendigen Aktion seilten sich jeweils 15 Höhenarbeiter an der steilen Säntisnordwand ab, rollten die gewaltige Fahne aus und brachten sie am Fels an, direkt unterhalb der Seilbahnstütze eins.
Doch nicht nur die Fahne ist am Ende ihrer Lebensdauer. Die Stütze eins fällt mit dem Umbau der Schwebebahn weg. Damit fehlen auch die bisherigen Voraussetzungen für die Montage. Was einst dank der besonderen Lage der Stütze eins möglich war, lässt sich nicht einfach wiederholen. «Aktuell prüfen wir mögliche Nachfolgelösungen», sagt Harland. «Die Tradition der Säntisfahne möchten wir gerne weiterführen.»
Die Fahne ist schon zerschnitten
Die heutige Fahne ist bereits die zweite. Die erste entstand ursprünglich als Weltrekordprojekt. Mit einer Fläche von 14'400 Quadratmetern sollte sie ins Guinness-Buch der Rekorde eingehen. Weil kurz zuvor jedoch bereits eine noch grössere Fahne in Israel registriert worden war, blieb der Rekord aus. Auch ihr erster Einsatz am Säntis im Jahr 2009 endete abrupt: Noch am selben Abend zerriss der Wind das weisse Kreuz.

Die Erfahrungen flossen in die heutige Fahne ein. Sie wurde kleiner, leichter und robuster konstruiert. Doch auch sie blieb von den Kräften der Natur nicht verschont. Die Fahne musste deshalb regelmässig geflickt und instand gesetzt werden.
Nun beginnt ihr letztes Kapitel. Am Freitagmorgen erhielten Fahnenpatinnen und Fahnenpaten auf der Schwägalp ein Stück des Originalstoffs. Ob sie damit ein Erinnerungsstück an die letzte grosse Säntisfahne in den Händen halten oder ob eines Tages wieder eine neue Fahne entsteht, wird sich erst zeigen. Im Rahmen eines Vortrags blickte die Heimgartner Fahnen AG auf die Entstehung und Herstellung der Fahne zurück, während die Geo-Höhenarbeiten AG von den Arbeiten an der steilen Felswand berichtete. Harland sagt: «Wir freuen uns, auf diese Weise ein Stück Säntis-Geschichte weiterzugeben.»
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