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Die neue Säntisbahn bringt deutlich höhere Zugkräfte

In der Bergstation auf dem Säntis wurden in den vergangenen Monaten Vorarbeiten für die neue Schwebebahn umgesetzt. Bis zum anstehenden Bahnunterbruch verlagern sich die Arbeiten nun schrittweise in die Talstation.
Die bestehenden Betonwände der Bergstation wurden verstärkt. (Bild: zvg/Säntis Schwebebahn AG)
Die neuen Tragseilpoller sind die zentralen Verankerungselemente. (Bild: zvg/Säntis Schwebebahn AG)
Blick auf die Bauarbeiten an der Bergstation. (Bild: zvg/Säntis Schwebebahn AG)

Die Schwägalp Säntisbahn AG bereitet sich auf das Neubau-Projekt «Säntis 2026» vor. Mit der neuen Schwebebahn, die in den kommenden Monaten gebaut wird, wirken künftig deutlich höhere Zugkräfte auf die Gebäudestruktur der Bergstation. Um diese dauerhaft und sicher aufnehmen zu können, waren gezielte bauliche Verstärkungen erforderlich, berichtet das Unternehmen in einem Update auf seiner Website.

Im Zentrum der Vorarbeiten der vergangenen Monate stand der sogenannte Räderboden. Die auftretenden Zugkräfte der neuen Bahn werden über neue Verankerungen in den Felsen abgeleitet, wodurch insbesondere die bestehenden Betonwände im Bereich des Räderbodens beidseitig verstärkt werden mussten.

Tragseil-Poller als zentrale Verankerungselemente

Ein wesentlicher Bestandteil der Bauarbeiten war die Errichtung der neuen Tragseil-Poller. Pro Fahrbahn wurde je ein neuer Poller für das Abspannen der Tragseile erstellt. Diese sind grösser dimensioniert als die bisherigen und gezielt auf die höheren Zugkräfte der neuen Anlage ausgelegt.

Tragseil-Poller übernehmen in der Seilbahntechnik eine zentrale Funktion: Sie nehmen die Zugkräfte der Tragseile auf, ermöglichen deren sichere Abspannung und bieten Platz für den Seilhaspel mit der notwendigen Seilreserve über die gesamte Lebensdauer der Bahn.

Die neuen Tragseilpoller sind die zentralen Verankerungselemente. (Bild: zvg/Säntis Schwebebahn AG)

Damit die neuen Tragseil-Poller während des noch laufenden Bahnbetriebs erstellt werden konnten, wurden sie unterhalb der bestehenden Poller positioniert. Mittels Armierungseisen und Beton wurde eine Struktur aufgebaut, welche die Kräfte in die umliegende Baukonstruktion und den Felsen ableitet. Zum Schutz der Tragseile werden die Poller abschliessend mit Hartholz ausgekleidet, sodass die Stahlseile nicht direkt auf dem Beton aufliegen und vor mechanischer Beanspruchung geschützt sind.

Die in den neuen Tragseilen integrierten Glasfasern werden im Bereich der Seilhaspel aus dem Seilkern geführt, gespleisst und mit dem Netzwerk des Gipfelgebäudes verbunden, heisst es im Bericht des Unternehmens.

Bauliche Anpassungen im Räderboden

Mit der neuen Anlage verändern sich die einwirkenden Kräfte: Während bisher pro Fahrbahn Kräfte von rund 1281 Kilonewton aufgenommen wurden, sind es künftig 2518 Kilonewton. Diese nahezu verdoppelte Belastung machte die baulichen Verstärkungen der Wände erforderlich.

Die Betonwände im Räderboden stammen aus dem Jahr 1935 und befinden sich trotz ihres Alters in gutem Zustand. Um den höheren Belastungen der neuen Schwebebahn gerecht zu werden, wurden sie zusätzlich mittels Klebearmierungen verstärkt.

Nebst der Errichtung der neuen Poller und den umfassenden Gebäudeverstärkungen wurde zusätzlicher Raum für das neue, grössere Zugseilspanngewicht geschaffen. Für das ca. 80 Tonnen schwere Spanngewicht waren umfassende Betonschneidarbeiten notwendig.

Blick auf die Bauarbeiten an der Bergstation. (Bild: zvg/Säntis Schwebebahn AG)

Die Arbeiten im Räderboden fanden unter besonderen Bedingungen statt, denn die Sicherheit und der Betrieb der bestehenden Bahn mussten jederzeit gewährleistet sein. Bauarbeiten und laufender Bahnverkehr fanden somit zeitgleich auf engem Raum statt, damit der reguläre Bahnbetrieb nicht beeinträchtigt wurde.

Logistik unter anspruchsvollen Bedingungen

Eine zentrale Herausforderung stellte die Logistik dar. Das beim Rückbau anfallende Abbruchmaterial musste aus dem Räderboden sicher abtransportiert und ins Tal gebracht werden. Der begrenzte Raum machte den Einsatz eines zusätzlich installierten Kettenzugs erforderlich. Hierfür wurde ein rund 18 Meter hoher Durchbruch vom Wartebereich der Schwebebahn durch den gesamten Räderboden hindurch errichtet, um einen sicheren und effizienten Abtransport der Betonblöcke zu ermöglichen.

Mit der Installation der neuen Tragseil-Poller, der Verstärkung der Betonwände, den umfassende Betonrückbauten sowie einer durchdachten Logistik wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur Modernisierung der Säntis-Schwebebahn umgesetzt. Die Vorbereitungsarbeiten in der Bergstation konnten damit erfolgreich abgeschlossen werden. In einem späteren Schritt folgen der Rückbau der bestehenden Seilbahntechnik sowie die Installation der neuen Schwebebahn inklusive der neuen Umlenkscheiben und dem Zugseilspanngewicht.

Bis zum Bahnunterbruch Ende April verlagern sich die Arbeiten nun in die Talstation. Dort werden die nächsten Bauetappen im Rahmen des Projekts «Säntis 2026» vorbereitet und umgesetzt. (pd)

 
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