Weder ein Langtunnel noch eine Umfahrung von Ricken – dafür ein Kreisel
Rund 15'000 Fahrzeuge fahren jeden Tag über den Ricken. Und es kommt auch immer wieder zu Unfällen. Ob ausser- oder innerorts: An verschiedenen Stellen haben die Strassen über den 780 Meter hohen Pass Schwachpunkte. Seit mittlerweile fünf Jahren laufen die Planungen, wie die Situation verbessert werden kann.
Nun hat die St.Galler Regierung – einmal mehr – dargelegt, wie diese Aufwertung aussehen soll. Im Vergleich mit einer früheren Information im Herbst 2023 hat sich nicht allzu viel verändert. Eine Umfahrung des Dorfes Ricken ist auch nach neuesten Prüfungen nicht aktuell. Dafür soll es einen Umfahrungstunnel bei St.Gallenkappel geben. Von einem Langtunnel zwischen Wattwil und Eschenbach will das Tiefbauamt aus Kostengründen nach wie vor nichts wissen. Neu ist aber: Die Umsetzung soll in Teilprojekten erfolgen, um den unterschiedlichen Zeithorizonten der Projekte Rechnung zu tragen.
Umfahrung Ricken: Nutzen zu tief
Vor allem die Situation im Dorf Ricken sorgt immer wieder für Diskussionen. Die Hauptschwachstellen liegen im Dorfkern, wo sich die Strassen Richtung Wattwil, Gommiswald und Neuhaus verzweigen. Auch für den öffentlichen Verkehr braucht es Verbesserungen. Verschiedene Varianten wurden geprüft, auch Ortsumfahrungen. Diese sind vor allem von der lokalen Bevölkerung gefordert worden. Kantonsingenieur Matthias Fuchs sagt kurz und bündig: «Eine Umfahrung ist zu teuer und der Nutzen zu tief.»
Es sollen also die bestehenden Strassen umgestaltet werden. Bei den drei Ortseinfahrten sind Elemente mit Torwirkung wie begrünte Mittelinseln geplant. Zudem soll es beim Knoten im Dorfzentrum einen Kreisel geben. Auf der Nordseite Richtung Neuhaus ist ein Fuss- und Veloweg direkt neben der Strasse geplant. Richtung Wattwil ist es ein Fussweg, auf dem auch das Velofahren erlaubt sein wird. Ganz vom Tisch ist eine Umfahrung des Dorfes Ricken aber nicht. Die Regierung behält sich vor, eine solche erneut zu prüfen, wenn sich die verkehrlichen Rahmenbedingungen ändern sollten.
Mittelinsel soll Unfälle verhindern
Anders beurteilt die Regierung die Situation in St.Gallenkappel. Dort soll es nördlich des Dorfes einen Umfahrungstunnel geben. Der Nutzen wird als deutlich höher eingestuft als im Dorf Ricken. Zwar würde ein Tunnel 18 Mal teurer als Strassen-Umgestaltungen im Dorf, doch könnten ungleich mehr Probleme damit behoben werden, heisst es im Bericht.
Auch die Strassen ausserhalb der Dörfer sollen aufgewertet werden. So ist zum Beispiel bei einem Unfallschwerpunkt am östlichen Dorfeingang von Ricken eine Mittelinsel zur Geschwindigkeitsreduktion angedacht. Bushaltestellen sollen durch Busbuchten ergänzt werden.
Langtunnel wäre ein Milliardenprojekt
Kein Thema für die Regierung ist hingegen ein Langtunnel, wie er von der SVP vehement gefordert wurde. Zwei Varianten wurden geprüft. Eine durchgehende Variante von Wattwil nach Eschenbach (L1). Und eine zweite, welche zusätzlich das Dorf Ricken bedient (L2). Kostenpunkt: geschätzte 1,1 Milliarden (L1) beziehungsweise knapp 0,8 Milliarden Franken (L2) für je eine Tunnelröhre. «Die Kosten der untersuchten Langtunnelvarianten sind sehr hoch und liegen rund zwei- bis dreimal über den Kosten der summierten Einzelvarianten», so die Regierung. Zudem falle die Entlastungswirkung in den betroffenen Ortschaften bei einem Langtunnel deutlich geringer aus als jene der lokal geführten Umfahrungsvarianten.
Nun wird sich die Regierung mit den Gemeinden zusammensetzen, um die Planungen voranzutreiben. Dereinst kommen die einzelnen Projekte in den Kantonsrat, so sie mehr als sechs Millionen Franken kosten. Die Gesamtkosten dürften sich auf rund 400 Millionen Franken belaufen. Die Ungenauigkeit ist allerdings gross, da es noch keine konkreten Planungen gibt.
Bis zum Baustart der Ausserortsstrecken und des Gestaltungskonzepts Ricken werden noch mindestens fünf bis zehn Jahre ins Land ziehen, bis zum Baubeginn zur Umfahrung St.Gallenkappel gar noch zehn bis fünfzehn Jahre. Und dies auch nur unter der Annahme, dass keine Einsprachen eingehen, was bei Projekten dieser Dimension eine Überraschung wäre.
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