Jagdgesellschaft Wattwil rettet 29 Rehkitze vor dem Mähtod
In einer Zeit, als die Bauern ihre Felder noch mit einer Sense mähten, entdeckten sie die Rehkitze im hohen Gras noch rechtzeitig. Seit Traktoren und moderne Mähmaschinen im Einsatz sind, kommt der sogenannte Mähtod jedoch vermehrt vor. Die jungen Rehe, die von ihrer Mutter bewusst dort versteckt werden, wo sie optimal vor Fressfeinden getarnt sind, sind für die Traktoren unsichtbar. Die Landwirte begannen damit, die Felder zu Fuss abzusuchen. Effizient war das jedoch nicht, es war zeitaufwändig und oft wurden die Jungtiere auch mit dem blossen Auge nicht erkannt.
Deswegen entschieden sich Rolf Tschirky und Karl Arnold von der Jagdgesellschaft Wattwil Sonnenhalb vor vier Jahren dazu, die Felder in ihrem eigenen Jagdrevier mithilfe von Drohnen abzusuchen. Dies tun sie ehrenamtlich. Sie würden keinen Gewinn damit machen, sagt Tschirky, einer der Drohnenpiloten, im Gespräch: «Wir machen das für die Bauern und für die Tiere.» Von der Gemeinde wurden sie zwar mit einem kleinen Beitrag unterstützt, die Ausrüstung im Wert von etwa 6800 Franken finanzierten sie jedoch aus eigener Tasche.
29 gerettete Rehkitze
In diesem Jahr konnten sie bereits 29 Rehkitze retten. Die Tiere wurden im Gebiet der Jagdgesellschaft zwischen Wattwil, Waldschwil, Schmidberg und Hemberg entdeckt. An elf Tagen rückten Tschirky und Arnold am frühen Morgen aus, um die Felder mit den Drohnen zu überfliegen, bevor die Landwirte mit den Mäharbeiten begannen. Die Drohnen sind mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Da sich die Körpertemperatur in den Morgenstunden von der kühlen Umgebungstemperatur abhebt, können die Rehkitze aus der Luft lokalisiert werden.
Früher liessen die beiden Drohnenpiloten die Rehkitze an ihrem Fundort liegen und markierten die Stelle so, dass der Bauer drumherum mähen konnte. So wurden die Kitze jedoch leichte Beute für Füchse. Deshalb tragen sie die Tiere nun mit Handschuhen an den Feldrand und schützen sie unter einem Harass. Dabei gehen sie sorgfältig vor, da die Tiere oftmals so klein seien, dass man befürchte, ihnen versehentlich den Brustkorb einzudrücken. Sobald die Mäharbeiten erledigt sind, werden die Rehkitze von den Bauern freigelassen.

«Obwohl wir Jäger sind und auch Rehe erlegen, betrachten wir die Rehkitzrettung als wesentlichen Bestandteil der Jagd», sagt Tschirky. Es gebe einen grossen Unterschied zwischen dem Mähtod und einem sauber abgegebenen Schuss. Wird ein Kitz von einem Traktor mit Mähbalken erfasst, werde oft nur ein Bein abgehackt oder der Bauch aufgeschlitzt. Zum Thema Jagd spalten sich die Meinungen. Bei der Rettung eines herzigen Rehkitzes sind alle einer Meinung.
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